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Vergewaltigung - sexueller Mißbrauch???


17.10.2007 19:25 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Euler



Sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich als ich 8 Jahre alt war von meinem damals
17 Jahre alten Cousin sexuell mißbraucht wurde
(Oral - und Geschlechtsakt wurden ausgeführt), und ich
aber bereits nach der 10 Jahres Frist (nach Volljährigkeit) bereit gewesen bin, "etwas dagegen zu tun" und mit
meiner Rechtsanwältin ein Schreiben verfasst habe,
indem ich meinen Cousin aufgefordert habe:

1. eine geeignete Therapie zu machen, - zum Schutz der
Kinder und Jugendlichen in seinem Umfeld

2. meine mir noch anfallenden Therapiekosten zu übernehmen

3. die einmalige Zahlung in Höhe von 10.000,-- EURO
Schmerzensgeld (auf Anraten meiner Anwältin)

Ein "Versuch zur gütlichen Einigung".

Nun hat er eine Anzeige wegen Erpressung gegen mich gestellt
und heute war meine Verhörung.

Ich habe alles was passiert ist, wahrheitsgemäß im Beisein
meiner Rechtsanwältin geschildert.

Es war alles sehr anstrengend und umfangreich, weshalb
ich jetzt erst registriert hatte, dass der Kripo-Beamte
immer wieder "Vergewaltigung" gesagt hatte....

Nun meine Frage: wann ist etwas "Vergewaltigung" und wann
"sexueller Missbrauch"???

Ist das nicht eigentlich das gleiche???

Könnte ich in meinem Fall gegen meinen Cousin doch noch
Strafanzeige wegen "Vergewaltigung" stellen und hat meine
Anwältin da vielleicht etwas übersehen???

Danke für die Antwort.

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Sehr geehrter Fragesteller,

vorweg möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten.

Durch Hinzufügen oder Weglassen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen.

Aufgrund Ihrer Angaben beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Das Strafgesetzbuch (StGB) beschreibt unter den §§ 174ff. StGB Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Insbesondere kennt das Strafrecht unter der Terminologie „sexueller Missbrauch“ und „Vergewaltigung“ die nachfolgend aufgezählten Straftatbestände.

§ 174 Sexueller Mißbrauch von Schutzbefohlenen
§ 174a Sexueller Mißbrauch von Gefangenen behördlich Verwahrten oder Kranken und Hilfsbedürftigen in Einrichtungen
§ 174b Sexueller Mißbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung
§ 174c Sexueller Mißbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses
§ 176 Sexueller Mißbrauch von Kindern
§ 176a Schwerer sexueller Mißbrauch von Kindern
§ 176b Sexueller Mißbrauch von Kindern mit Todesfolge
§ 177 Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung
§ 178 Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit Todesfolge
§ 179 Sexueller Mißbrauch widerstandsunfähiger Personen
§ 182 Sexueller Mißbrauch von Jugendlichen

Die Tatbestände der Vergewaltigung unterscheiden sich dabei von denen des sexuellen Missbrauchs insoweit, dass der Täter bei einer Vergewaltigung gegen den Willen des Opfers sexuelle Handlungen an diesem unter Anwendung von Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist, vornimmt.

Aufgrund Ihrer Schilderung sind je nach Ausführung der Tat in Ihrem Fall die Straftatbestände des § 176 oder 177 StGB in Betracht zu ziehen. Leider kann ich mangels Detailschilderungen keine weitere Einstufung vornehmen.

Ich habe Ihnen beide Straftatbestände deshalb an diese Antwort angefügt.

Ob die Taten noch verfolgbar sind, richtet sich nach § 78 StGB, welcher die Verjährung für die Strafverfolgung betrifft.

Danach beträgt die Verjährungsfrist für eine Vergewaltigung nach § 177 StGB 20 Jahre, der sexuelle Missbrauch von Kindern nach § 176 StGB verjährt dagegen grundsätzlich bereits nach 10 Jahren. Eine Verjährung von 20 Jahren kommt beim sexuellen Missbrauch von Kindern nur in besonders schweren Fällen nach § 176 Absatz 3 StGB in Betracht.

Nach Ablauf dieser Fristen dürfen die Taten nicht mehr durch Ermittlungsbehörden verfolgt werden. Zivilrechtliche Ansprüche werden hiervon aber nicht berührt.

Wenn Ihre Anwältin von einer Verjährung der Tat spricht, wird höchstwahrscheinlich von Ihr der sexuelle Missbrauch von Kindern nach § 176 StGB angenommen, ohne dass ein besonders schwerer Fall vorliegt.

Nach Erstattung einer Strafanzeige bzw. Mitteilung eines möglichen strafbaren Sachverhalts gegenüber der Polizei wird neben Ihrer Anwältin aber ohnehin nochmals ein Staatsanwalt den Sachverhalt auf eine eventuelle Verjährung hin prüfen.

Für Rückfragen oder weiterer Interessenvertretung stehe ich gerne zur Verfügung.

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Michael Euler
Rechtsanwalt


===============

§ 176 sexueller Missbrauch von Kindern

(1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich vornehmen läßt.
(3) In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu erkennen.
(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer
1. sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,
2. ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an sich vornimmt,
3. auf ein Kind durch Schriften (§ 11 Abs. 3) einwirkt, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einem Dritten vornehmen oder von dem Täter oder einem Dritten an sich vornehmen lassen soll, oder
4. auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts oder durch entsprechende Reden einwirkt.
(5) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer ein Kind für eine Tat nach den Absätzen 1 bis 4 anbietet oder nachzuweisen verspricht oder wer sich mit einem anderen zu einer solchen Tat verabredet.
(6) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Taten nach Absatz 4 Nr. 3 und 4 und Absatz 5.

===============

§ 177 Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,
nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.
(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter
1. eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
2. sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden, oder
3. das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.
(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter
1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet oder
2. das Opfer
a) bei der Tat körperlich schwer mißhandelt oder
b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.
(5) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 3 und 4 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

===============

§ 78 Verjährungsfrist

(1) Die Verjährung schließt die Ahndung der Tat und die Anordnung von Maßnahmen (§ 11 Abs. 1 Nr. 8) aus. § 76a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bleibt unberührt.
(2) Verbrechen nach § 211 (Mord) verjähren nicht.
(3) Soweit die Verfolgung verjährt, beträgt die Verjährungsfrist
1. dreißig Jahre bei Taten, die mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht sind,
2. zwanzig Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als zehn Jahren bedroht sind,
3. zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn Jahren bedroht sind,
4. fünf Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren bedroht sind,
5. drei Jahre bei den übrigen Taten.
(4) Die Frist richtet sich nach der Strafdrohung des Gesetzes, dessen Tatbestand die Tat verwirklicht, ohne Rücksicht auf Schärfungen oder Milderungen, die nach den Vorschriften des Allgemeinen Teils oder für besonders schwere oder minder schwere Fälle vorgesehen sind.

Nachfrage vom Fragesteller 18.10.2007 | 16:15

Hallo Herr Euler,

danke für Ihre Antwort.

Bin ich im Alter von 8 Jahren, wenn ich "brav" alles mitmache,
was mein 17-jähriger Cousin von mir verlangt denn nicht
im Rahmen einer "Vergewaltigung" schutzlos ausgeliefert
(Ich musste seinen Penis in den Mund nehmen, ihn Küssen und
er drang mehrmals in mich ein)

Heißt es, weil ER erst 17 war beträgt die Verjährung
bei schwerem sexuellem Mißbrauch - 10 Jahre

und auch bei Vergewaltigung, weil er erst 17 war - 10 Jahre???
Oder ist die Verjährung bei Vergewaltigung von seinem Alter
unabhängig?

Liegt in meinem Fall "Vergewaltigung" vor?
Natürlich habe ich mich nicht wirklich gewehrt - ich wusste
ja damals nicht, dass er etwas Schlimmes, etwas Krankes tut,
das wurde mir erst klar, als ich in die Pupertät kam...

Hätte also eine Klage auf Vergewaltigung eine Chance?

Nochmals danke für Ihre Hilfe.

Ergänzung vom Anwalt 17.10.2007 | 23:05

Sehr geehrter Fragesteller,

meine obige Antwort möchte ich dahingehend richtigstellen, dass ich bei der Beantwortung der Frage irrtümlich von der Anwendung Erwachsenenstrafrechts ausgegangen bin. Ihr damals 17 Jahre alter Cousin unterliegt jedoch aufgrund seines Alters noch dem Jugendstrafrecht, so dass auf ihn die Strafrahmenbeschränkung des § 18 Jugendgerichtsgesetzes (JGG) Anwendung findet.

Dieser lautet wie folgt:

§ 18 Dauer der Jugendstrafe

(1) Das Mindestmaß der Jugendstrafe beträgt sechs Monate, das Höchstmaß fünf Jahre. Handelt es sich bei der Tat um ein Verbrechen, für das nach dem allgemeinen Strafrecht eine Höchststrafe von mehr als zehn Jahren Freiheitsstrafe angedroht ist, so ist das Höchstmaß zehn Jahre. Die Strafrahmen des allgemeinen Strafrechts gelten nicht.

(2) Die Jugendstrafe ist so zu bemessen, dass die erforderliche erzieherische Einwirkung möglich ist.

Aufgrund dieser Beschränkung im Strafrahmen kann Ihr Cousin i.V.m. § 78 StGB für seine Taten nicht länger als 10 Jahre verfolgt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Euler
Rechtsanwalt
Ergänzung vom Anwalt 18.10.2007 | 22:07

Sehr geehrte Fragestellerin,

wie ich bereits versucht habe Ihnen zu erläutern, hängen die Verjährungsfristen mit der Strafandrohung des jeweiligen Straftatbestandes zusammen. § 18 JGG reduziert dabei die allgemeinen Strafrahmen des StGB zugunsten des jugendlichen Täters.Insofern hängt die Verjährungsfrist tatsächlich mit dem Alter des Täters zusammen.
Der Grund für die Strafrahmenreduzierung und die Kürzere Verjährungsfrist ist, dass dem Jugendstrafrecht grundsätzlich Erziehungscharakter und weniger ein Strafcharakter zukommt. Der Jugendliche soll durch das Jugendgerichtsverfahren vielmehr auf den "richtigen Weg" gebracht werden.
Dieser Zweck wird aber kaum noch 10 Jahre nach der Tat verfolgt werden können. Daher verjährt die Verfolgungsmöglichkeit bei Jugendlichen auch spätestens 10 Jahre nach Tatbegehung, bei vielen Delikten sogar schon früher.
Sollte ein sexueller Mißbrauch nach § 176 StGB vorgelegen haben, so beträgt die Verjährung bei Begehung durch einen Jugendlichen sogar nur 5 Jahre. Bei der Anwendung der Verjährungsfristen ist gemäß § 78 IV StGB dabei auch nur auf die Strafandrohungen des Grundtatbestands des jeweiligen Delikts abzustellen, so dass im Fall des schweren sexuellen Mißbrauchs auch nur eine Verjährung von 5 Jahren in Betracht zu ziehen ist, obwohl dieser genau wie der Straftatbestand der Vergewaltigung ein Verbrechen darstellt. Dies hatte ich bei der Antwort auf Ihre Ausgangsfrage übersehen gehabt.

Die Staatsanwaltschaft wird die Tat deshalb aller Voraussicht nach einstellen.

Nach Ihrer Schilderung scheidet bei einer einvernehmlichem sexuellen Handlung der Straftatbestand der Vergewaltigung aus.
Es spielt dabei keine Rolle, dass Sie bei der Tat erst 8 Jahre alt waren und die Handlungen nicht vollständig begriffen oder dabei an etwas schlimmes gedacht haben.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Euler
Rechtsanwalt

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