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Verfallenlassen des ersten Flugsegements einer Multi-Stopp-Flugreise möglich?

| 25.02.2014 20:16 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


22:12

Zusammenfassung: Eine Fluggesellschaft ist nicht berechtigt, die (Weiter-)Beförderung zu verweigern, wenn eine von mehreren Teilstrecken vom Fluggast nicht in Anspruch genommen wird.


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich befinde mich in folgender Situation: ich habe einen Flug mit mehren Flugsegmenten gebucht (von A nach B, nach ein paar Tagen Aufenthalt in B weiter nach C und schließlich wieder zurück nach A.) A ist ein deutscher Flughafen, alle anderen Ziele befinden sich außerhalb der EU. Das Ticket wurde über eine deutsche Internet-Ticket-Plattform gebucht; die Airline ist nicht deutsch.

Jetzt wurde eine Klausur verschoben (ich bin Student), so dass ich nicht am ursprünglich geplanten Tag losreisen kann, sondern erst einen Tag später. Sobald dies bekannt wurde (ca. 3 Wochen nach dem Buchen des Tickets), habe ich ein neues zusätzliches Ticket nur von A nach B gebucht, so dass ich einen Tag später in B ankomme, aber noch ausreichend Zeit habe in B die Reise mit dem ursprünglich gebuchten Ticket fortzusetzen.

Jetzt wurde mir von Bekannten geraten, die Sache mit der Airline abzuchecken. Tatsächlich kam sowohl von der Airline als auch von der Internet-Plattform die Aussage, dass nicht garantiert werden könne, dass dies auch so möglich sei, sondern die Reise durch das Nicht-antreten des ersten Flugabschnitts komplett verfallen könnte. Dafür sei aber jeweils der andere verantwortlich (also Ticket-Plattform und Airline schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu).

Ich weise darauf hin, dass der Fall noch nicht eingetreten ist, sich für mich jetzt aber die Frage stellt, ob ich für viel Geld das ursprüngliche Ticket passend umbuche, oder ob ich mit der Kombination aus dem ursprünglichen Ticket und dem neuen Ticket für den ersten Teilabschnitt die Reise wie geplant antreten kann.

Jetzt hat mich meine Recherche zu einem BGH-Urteil genau zu diesem Fall geführt (Xa ZR 5/09). Meine Frage: ist dieses Urteil auf meinen Fall anwendbar und wäre damit eine Stornierung der Rest-Buchung und eine Verweigerung des Weiter- und Rückflugs unzulässig?

Es ist mir klar, dass wenn die Situation eintreten sollte, dies nicht vor Ort am Flughafen durchgesetzt werden könnte, sondern ich mir voraussichtlich ein neues Ticket kaufen müsste. Wie hoch halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ich im Anschluß die Kosten dafür vollständig zurückfordern könnte?

Herzlichen Dank!
25.02.2014 | 21:07

Antwort

von


(37)
Gutenbergplatz 1
65187 Wiesbaden
Tel: 0611-991660
Web: http://reiserechtsexperte.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,
vielen Dank für Ihre Frage auf dem Portal 123recht.net, die ich gerne wie folgt beantworte:

Die Praxis der Fluggesellschaften, bei mehrgliedrigen Flügen die Beförderung auf nachfolgenden Segmenten zu verweigern, soweit der Flug auf einer Teilstrecke nicht in Anspruch genommen wird, ist weit verbreitet. Ich kenne die allgemein verbreiteten Reisebedingungen, wonach ein Flugschein nur seine Gültigkeit behält, wenn alle ausgewiesenen Teilstrecken in der vorgesehenen Reihenfolge abgeflogen werden. Damit wird eine Teilkündigung ausgeschlossen. Der Bundesgerichtshof hat in der von Ihnen zitierten Entscheidung folgenden Leitsatz veröffentlicht:


Der Gläubiger ist grundsätzlich berechtigt, nur einen teilbaren Teil der ihm vertraglich zustehenden Gesamtleistung vom Schuldner zu fordern, sofern dem nicht der Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) entgegensteht.
b) Eine Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Luftverkehrsunternehmens, in der bestimmt ist
"Wenn Sie nicht alle Flight Coupons in der im Flugschein angegebenen Reihenfolge nutzen, wird der Flugschein von uns nicht eingelöst und verliert seine Gültigkeit",
benachteiligt den Fluggast entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen und ist daher unwirksam.

Damit ist eigentlich alles Wesentliche zum Ausdruck gebracht. Auch wenn ein Fluggast die erste Teilstrecke verfallen lässt, behält er seinen Anspruch auf Beförderung auf den nachfolgenden Teilstrecken. Allerdings wird die Fluggesellschaft nach meiner Erfahrung Ihnen möglicherweise die Beförderung auf der zweiten Teilstrecke von B nach C und auch den Rückflug verweigern, da Sie das Flugticket nicht in der gebuchten Reihenfolge abgeflogen haben. Verhandlungen unmittelbar vor dem Flug dürften nach meiner Einschätzung dazu führen, dass Ihnen die Beförderung nach Neuberechnung des Tarifs und gegen Bezahlung des voraussichtlich höheren Entgelts gestattet wird. Wenn Sie mit dieser Situation konfrontiert werden, sollten Sie die Zahlung nur gegen Vorbehalt leisten. Die Chancen, den aller Voraussicht nach fällig werdenden Mehrpreis zurückfordern zu können, beurteile ich als sehr hoch. In meiner Praxis bin ich bereits mehrfach mit vergleichbaren Fällen konfrontiert worden, wobei festzustellen war, dass die Fluggesellschaften mit ihrer Auffassung vor Gericht kein Gehör fanden. Allenfalls dann, wenn die Fluggesellschaft nachweisen kann, dass der Fluggast bewusst unter Ausnutzung des Tarifssystems bestimmte Strecken gebucht hat, die er von vorneherein nicht in Anspruch nehmen wollte, nur um einen günstigeren Tarif zu erhalten, könnte die Fluggesellschaft mit ihrer Auffassung durchdringen.

Gerne bin ich Ihnen zu gegebener Zeit behilflich, Ihre Rechte zu wahren.

Sollten Sie noch Fragen haben, so wenden Sie sich gerne an mein Büro, um einen Termin zu einer telefonischen Unterredung zu vereinbaren.

Mit freundlichen Grüßen

Holger Hopperdietzel
Rechtsanwalt
Spezialist für Luftverkehrsrecht


Nachfrage vom Fragesteller 25.02.2014 | 22:00

Sehr geehrter Herr Hopperdietzel,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche und prompte Antwort.

Ich hätte noch eine Nachfrage zur Ihrer Empfehlung, die Mehrkosten lediglich unter Vorbehalt an die Airline zu zahlen.

Zum einen, wie genau bringe ich den Vorbehalt rechtsgültig zum Ausdruck? - insbesondere da das Personal am Flughafen B möglicherweise kein Deutsch sprechen wird; zum anderen, wäre ich gezwungen erst unmittelbar vor (geplanten) Antritt des zweiten Flugabschnitts bei derselben Airline versuchen doch noch mitzukommen, oder kann ich, sobald klar ist, dass eine Stornierung der restlichen Teilflüge seitens der Airline durchgeführt wurde, mich um adäquate Ersatzflüge bemühen (falls nötig auch mit einer anderen Airline)ohne dass dadurch mögliche Rückzahlungsansprüche beeinträchtigt werden?

Sollte es zu einer Stornierung kommen, werde ich gerne auf Ihre Unterstützung setzen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.02.2014 | 22:12

Sehr geehrter Fragesteller,
gerne beantworte ich die Nachfrage wie folgt:

Es reicht, wenn Sie den Vorbehalt mündlich bei Zahlung der Mehrkosten zum Ausdruck bringen. Wenn Sie mit einer weiteren Person zusammen reisen, wäre es hilfreich, wenn diese Person das Aussprechen des Vorbehalts mithören würde.

Wenn Ihnen vor Antritt des Fluges auf der Strecke von A nach B bereits sicher bekannt ist, dass die Weiterbeförderung von B nach C ernsthaft verweigert wird, können Sie bereits dann ein Flugticket auf der Strecke von A nach C buchen. Sie sollten hierbei aber auch gleich den Rückflug von C nach A buchen, da Ihnen die in Rede befindliche Fluggesellschaft die Rückbeförderung gleichermaßen verweigern wird. Allerdings sollten Sie, sofern die Zeit reicht, der Fluggesellschaft nach deren Weigerung noch eine kurze Frist zur Erklärung, dass die Beförderung wie gebucht erfolgen wird, setzen. Wenn hier nur einige wenige Tage zwischen Verweigerung der Beförderung und dem Abflug in B liegen, kann die Frist durchaus kurz, im besten Fall auch wenige Stunden betragen.

Es kann vorteilhaft sein, wenn Sie sich bereits nach Nichtantritt des Fluges auf der Strecke von A nach B beraten lassen, um optimal Ihre Rechte zu wahren.

Ich hoffe nun sind alle Unklarheiten beseitigt.

Mit freundlichen Grüßen

Holger Hopperdietzel
-Rechtsanwalt-
-Spezialist für Luftverkehrsrecht-

Bewertung des Fragestellers 25.02.2014 | 22:23

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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 25.02.2014
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