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Vererben einer (noch nicht bezahlten) Immobilie

| 22.01.2017 19:49 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


10:01

Zusammenfassung: Der Schutz der zweiten Ehefrau vor einer Schuldenhaftung aus einem Geschäft aus einem vorherigen Erbfall ist komplex. Er ist sinnvollerweise nur mit ihrem Ausschluss vom Erbe am belasteten Vermögensgegenstand möglich. Dennoch gibt es Wege ihr die Nutzung zuzuweisen.

Guten Tag,

meine Frau und ich würden uns gerne zum Thema Erbschaft beraten lassen, insbesondere geht es um das Vererben einer Immobilie.

Hintergrund ist Folgender: Ich habe im Jahr 2004 mit meiner damaligen Ehefrau gemeinsam eine Immobilie erworben. Im Jahr 2008 ist jedoch meine Frau verstorben, so dass nach der gesetzlichen Erbfolge jetzt mir 75 % und meinen beiden Söhnen jeweils 12,5 % des Hauses gehören. Im Jahr 2015 habe ich erneut geheiratet. Wir sind jetzt beide 57 Jahre alt und die Immobilie ist noch lange nicht abbezahlt. Es ist keine Gütertrennung vereinbart, es gilt also der gesetzliche Güterstand. Meine Kinder haben bereits signalisiert, dass sie kein Interesse daran haben, dass 1954 gebaute Objekt einmal zu übernehmen, auch nicht um es weiter zu vermieten (neben der selbst genutzten Wohneinheit gibt es noch 3 kleinere vermietete Wohnungen in dem Haus, so dass sich dieses im Moment selbst trägt, aber auch keinen Gewinn abwirft). Meine Ehefrau hat aus ihrer früheren Ehe ebenfalls einen erwachsenen Sohn.

Was für Möglichkeiten gäbe es, damit ich im Falle eines Falles meiner Frau nicht nur Schulden hinterlasse?

- Wenn ich meiner Frau testamentarisch meinen Gesamtanteil am Haus hinterlasse, muss sie dann meine Söhne auszahlen, also insgesamt 25% vom Wert der Immobilie?
- Kann ich meinen Kindern das Haus hinterlassen mit der Vorgabe, dass meine Frau ein lebenslanges kostenfreies Wohnrecht bekommt? Wer müsste in diesem Fall für den restlichen Schuldenbetrag aufkommen?
- Was passiert, wenn die gesetzliche Erbfolge eintreten würde? Der Sohn meiner Frau aus der früheren Ehe soll natürlich auch nicht übergangen werden.
- Was hätte ein "Berliner Testament" für Folgen und was muss dabei beachtet werden?

MfG

22.01.2017 | 21:05

Antwort

von


(100)
Mönckebergstraße 17
20095 Hamburg
Tel: 040/309694-34
Web: http://www.insolvenz.hamburg
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Frage 1)
Bei einem Erbfall mit Testament hat der allein bedachte Erbe (hier Ihre Frau) die vom Erbe ausgeschlossenen Personen (Ihre Söhne) nur dann "auszuzahlen", wenn die Nichtbedachten ihren Pflichtteil einfordern. Dieser Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Bei gesetzlicher Erbfolge stünde wegen der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft Ihrer Frau die Hälfte zu und Ihren Söhnen die anderen Hälfte, also je ein Viertel. Aber nur Ihres Anteils des Hauses (plus etwaigen sonstigen Vermögens).

Der gesetzliche Erbteil Ihrer Söhne wäre damit je 0,25 von 0,75 oder je 1/4 von 12/16 oder je 3/16. Der Pflichtteil wäre damit je 1/2 von 6/32 oder 3/32 oder 9,375 % des Hauswertes.

Das Risiko einer Auszahlung für Ihre Ehefrau wären damit 18,75 % des Hauswertes zuzüglich sonstiger Werte der Erbmasse, wenn denn beide Söhne ihr Pflichtteil verlangen. Das Schuldrisiko des Kredits trüge sie allein.

Frage 2)
Die Vererbung des Hauses an Ihre Söhne unter gleichzeitiger Belastung mit einem Wohnrecht und idealerweise mit einem Nießbrauch (für die Mieten, die dann Ihrer Frau zuflössen) würde verhindern, dass Ihre Frau die Schulden erbt. Der Nachlass geht immer mit Aktiva und Passiva, also Werten und Verpflichtungen an den erben. Wer nicht erbt, ist nicht verpflichtet.

Ihre Söhne müssten den Kapitaldienst leisten und die Restschuld zahlen.

Frage 3)
Bei gesetzlicher Erbfolge erben die Verwandten erster Ordnung, also leibliche Kinder und die Ehefrau.

Dazu gehört Ihr angeheirateter Sohn nicht. Er würde nur bei einem Testament oder einer vorherigen wirksamen Adoption in der Erbfolge berücksichtigt werden. Allenfalls, wenn Ihre Frau vor Ihnen verstirbt kommt er ins Spiel, da er dann den Platz Ihrer Frau einnähme

Die Erbengemeinschaft aus Ihrer Frau (1/2) und Ihren eignen Söhnen aus erster Ehe (je 1/4) wären aus dem Erbe berechtigt und auch verpflichtet. Die Erbengemeinschaft ist Gesamtschuldner des Kredits/der Nachlassverbindlichkeit. Das bedeutet, jeder ist für die volle Summe haftbar, jedoch kann die Bank die Summe nur einmal verlangen und die anderen Erben müssten an den Zahlenden ausgleichen. Was nicht viel hilft, wenn ein Erbe nicht zahlen kann. Das Risiko Ihrer Frau Frau läge damit zwischen 37,5 % und 75%.

Frage 4)
Das Berliner Testament würde Ihre Ehefrau zur Alleinerbin machen (mit entsprechender Haftung wie in 1) und Ihre Söhne als Nacherben nach Ihrer Frau bestimmen. Hier könnten Sie auch den Sohn Ihrer Frau bedenken. Verlangt ein Sohn seinen Pflichtteil, so ist er wie in 1) auszuzahlen. Er wäre bei entsprechender Formulierung auch nach Ihrer Frau auf den Pflichtteil am dann noch vorhandenen Vermögen Ihrer Frau beschränkt.

Das Berliner Testament ist als Instrument zur Verhinderung einer Vererbung von Schulden also nicht besser geeignet, als das "normale" Testament oder die gesetzliche Erbfolge.

Achtung! Die in 1) bis 4) genannten Zahlen gehen davon aus, dass beim Erbfall nach Ihrer ersten Frau den einzelnen Erben Ihre Schuldanteile (geteilte Erbengemeinschaft) zugewiesen wurden. Besteht die Erbengemeinaschaft nach Ihrer ersten Frau ungeteilt fort, so haftet Ihre Frau im Falle des Falles als Teil der alten Erbengemeinschaft wiederum mit Ihren Söhnen gesamtschuldnerisch für den gesamten Hauskredit.

Zusammenfassung:
Wenn Ihre Intention der Schutz Ihrer Frau vor Schulden aus einem Hauskauf von vor der Ehe ist, dann sollten Sie Option 2 ) in Erwägung ziehen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Stefan Pieperjohanns

Nachfrage vom Fragesteller 23.01.2017 | 09:52

Sehr geehrter Herr Pieperjohanns,

vielen Dank für Ihre sehr schnelle Antwort (an einem Sonntag Abend!).

Leider waren Ihre Ausführungen für mich erst nach mehrfachem Lesen verständlich, was aber vielleicht an der Komplexität meiner Anfrage liegt.

Wenn Sie in der Zusammenfassung von "Option 2) " sprechen, meinen Sie dann Ihre Beantwortung meiner 2. von 4 Fragen, nehme ich an?

Hierzu ist mir noch etwas unklar. Wenn ich die Immobilie den 3 Söhnen (also auch dem Sohn meiner 2.Frau) zu gleichen Teilen allein vererbe unter der Bedingung des Einräumens eines lebenslangen Wohnrechts für meine Frau und des Nießbrauchs für die Mieteinnahmen, was passiert dann, wenn die Söhne die Immobilie veräußern, was sie als Eigentümer ja wohl auch ohne Weiteres tun könnten? Wäre ein neuer Eigentümer an die testamentarische Verfügung gebunden und kann auch nur das Wohnrecht (ohne Nießbrauch der Mieteinnahmen) vererbt werden?
Vielen Dank für Ihre Antwort.

MfG
Matthias Meister

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.01.2017 | 10:01

Sehr geehrter Fragesteller,

entschuldigen Sie bitte die Verwirrung. Aber ja, die Darstellung von Verteilungen ist manchmal etwas komplex und als Rechtsanwalt neigt man zu Fachdeutsch. Wenn Sie weiterhin Verständnisprobleme haben. so schreiben Sie mir gerne eine Email.

Ja, ich meinte Frage 2). Ich glaube, damit fahren Sie am besten.

Das Wohnrecht würde allein bei einer Erwähnung im Testament nicht sicher stehen bleiben. Es ist sinnvoll, das Wohnrecht ggf. schon zu Lebzeiten grundbuchrechtlich zu verankern und so gegen eine Veräußerung zu sichern. Selbst wenn Ihre 3 Söhne dann verkaufen, ginge eine Löschung des Wohnrechts nicht ohne Zustimmung Ihrer Frau. Oder Sie geben den Erben ein explizites Vermächtnis des Wohnrechts auf.

Sie sehen, die Optionen sind vielleicht etwas kompliziert für dieses Forum, weshalb ich Ihnen bei der abfassung des Testaments zu einer anwaltlichen Beratung durch einen Kollegen vor Ort oder auch durch mich raten möchte.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt

Pieperjohanns


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"Sehr schnelle Antwort (<2 Std. an einem Sonntag Abend!). Ich war allerdings etwas verwundert, dass meine Frage(n) zum Erbrecht von einem RA beantwortet wurden, der seinen Tätigkeits-Schwerpunkt offenbar im Insolvenzrecht hat. Mit dieser Aussage will ich aber keinesfalls die Fachkompetenz des Anwalts in Frage stellen. Ich hätte mir vielleicht noch einen Hinweis gewünscht, ob ich bei meiner Fragestellung alles bedacht habe oder ob es ggf. noch weitere Optionen als Lösungsmöglichkeit zu der Problemstellung gibt. Die Antwort war sehr ausführlich, aber für einen Laien nicht unbedingt beim ersten Lesen verständlich, so dass nachgefragt werden musste. Aber auch die Nachfrage wurde sehr schnell, freundlich und zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Alles in Allem war ich zufrieden, ich bereue die Ausgabe für die Beratung auf diesem Wege nicht."
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Sehr schnelle Antwort (<2 Std. an einem Sonntag Abend!). Ich war allerdings etwas verwundert, dass meine Frage(n) zum Erbrecht von einem RA beantwortet wurden, der seinen Tätigkeits-Schwerpunkt offenbar im Insolvenzrecht hat. Mit dieser Aussage will ich aber keinesfalls die Fachkompetenz des Anwalts in Frage stellen. Ich hätte mir vielleicht noch einen Hinweis gewünscht, ob ich bei meiner Fragestellung alles bedacht habe oder ob es ggf. noch weitere Optionen als Lösungsmöglichkeit zu der Problemstellung gibt. Die Antwort war sehr ausführlich, aber für einen Laien nicht unbedingt beim ersten Lesen verständlich, so dass nachgefragt werden musste. Aber auch die Nachfrage wurde sehr schnell, freundlich und zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Alles in Allem war ich zufrieden, ich bereue die Ausgabe für die Beratung auf diesem Wege nicht.


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