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Veränderte Mietsituation durch Abriss von Nebengebäuden


30.12.2007 13:09 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum



Ich wohne im Hinterhaus eines Mietshauses. Direkt an meiner Wohnungswand wurde ein Hinterhaus abgerissen. Dieses Haus stand allerdings auf dem Grundstück einer anderen Adresse.
Durch den Abriss ist meine Wohnung nun von den beiden längsten Seiten und einer kurzen Seite freistehend. die kürzeste Wand liegt innen. Vorher war die längste Seite meiner Wohnung durch das nun abgerissene Haus "abgedeckt".

Meine Heizkosten sind seitdem immens angestiegen, ein ausreichendes Heizen der Räume ist nun wesentlich schwieriger, dauert länger und benötigt einen erhöhten Energieaufwand.
Ist dies eine veränderte Mietsituation, nach der ich die Miete kürzen darf? Und wenn ja, in welcher Höhe?

(Wohnung 2.OG 40qm, 203 € Kaltmiete, 63 € Nebenkosten monatlich)

Danke!
Sehr geehrte Fragensteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Anhand Ihrer Angaben beantworte ich Ihre Fragestellungen wie folgt:

Zunächst müssen Sie den Mangel dem Vermieter schriftlich mitteilen. Sie müssen den Vermieter auffordern, den Mangel zu beseitigen und für den Fall, dass der Mangel nicht behoben wird, erklären, dass die Miete unter Vorbehalt gezahlt wird und eine Mietminderung vorbehalten bleibt.

Ich gehe davon aus, dass die betroffene Wand nunmehr nicht genügend isoliert ist. Daher muss die Wand wahrscheinlich mit einer Wärmedämmung versehen werden. Durchschnittlich liegen die Nebenkosten nach mieterfreundlicher Einschätzung in Deutschland bei € 2,13- € 2,54 pro Quadratmeter. Daher bewegen sich Ihre Nebenkosten in einem absolut zulässigen Bereich.

Ich empfehle Ihnen, ein klarendes Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, denn 100 Prozent Miete gibt es nur für 100 Prozent Wohnwert, so wie es beim Mietvertragabschluss vereinbart war.

Sinkt -wie in Ihrem Fall- der Wohnwert, muss auch die Miete sinken. Ich rate Ihnen, anhand der gestiegenen Nebenkosten ohne die Kostensteigerung durch die Erhöhung der Energieanbieter Ihren individuellen Mehrverbrauch seit dem Abriss darzulegen. Dann könnte sich Ihr Vermieter auch bereit erklären, anstatt eine kostenintensive Wärmedämmung vorzunehmen, prozentual jedes Jahr den Mehrverbrauch Ihnen zu erstatten.

Eine Mietminderung halte ich in einer Größenordnung von 10 % für angemessen, wenn nicht zumindest eine Raumtemperatur von 20 Grad erreicht wird und Ihr Vermieter untätig bleibt. Ich verweise exemplarisch auf ein ähnliches Urteil:

Unterdimensionierte Heizkörper in der Mietwohnung, die eine Erwärmung der Mieträume auf 20 Grad nicht erlauben, stellen einen Mangel dar und berechtigen jedenfalls in den Wintermonaten zur Mietminderung.

AG Münster, Urteil vom 05.05.1987 - 28 C 330/86, WM 1987, S. 382 = WM 1988, S. 109 (Mietminderung 5 % im Dezember bis März, wenn im Kinderzimmer 11 % und im Schlafzimmer 9 % der Heizfläche fehlen; Mietminderung 10 % in den Monaten Januar und Februar).

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen ersten Einschätzungen weiterhelfen konnte und verweise bei Unklarheiten nochmals auf die kostenlose Nachfragefunktion.

Einstweilen verbleibe ich

mit besten Grüßen


Inga Dransfeld-Haase
Rechtsanwältin
E-Mail: dr-haase@dr-schwoebbermeyer.de


Ich bitte noch folgendes zu beachten:

Die Beratung ist beschränkt durch die von Ihnen gegebenen Informationen. Es kann entsprechend den vorliegenden Bedingungen nur ein erster Überblick geboten werden, der eine abschließende, umfassende und verbindliche Anwaltsberatung nicht ersetzen kann. Der Umfang der Antwort steht weiterhin in Abhängigkeit zu Ihrem eingesetzten Honorar.
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