Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Vaterschaftsfeststellungsklage auch gegen den Willen der Mutter moeglich?


| 28.09.2006 21:15 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Hallo,

kann ein potentieller Kindesvater, zu dem bereits seit der Schwangerschaft kein Kontakt mehr besteht, der also niemals Kontakt mit dem Kind hatte, auch gegen den Willen der Mutter gerichtlich eine Vaterschaftsfeststellungsklage betreiben bzw. eine Feststellung der Vaterschaft erzwingen?

Die Mutter des Kindes ist nicht verheiratet.

Kann dies durch einen sog. juristischen Vater verhindert werden bzw. was genau ist ein juristischer Vater?


Vielen Dank im Voraus fuer Eure Hilfe!

MIMI


Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Zunächst einmal kommt es darauf an, ob das Kind einen Vater im juristischen Sinne (einen "juristischen Vater", wie Sie es nennen) hat. Dies ist dann der Fall, wenn ein Mann die Vaterschaft für das Kind anerkannt hat oder wenn die Vaterschaft eines Mannes gerichtlich festgestellt wurde (juristische Vaterschaft aufgrund einer Heirat scheidet in Ihrem Fall aus). Wenn es einen solchen Vater im juristischen Sinne gibt, muss zunächst dessen Vaterschaft aus dem Weg geräumt werden, indem eine Vaterschaftsanfechtung gemäß §§ 1600ff. BGB durchgeführt wird. Derjenige, der eidesstattlich versichert, mit der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, ist berechtigt, ein solches Verfahren bei dem zuständigen Familiengericht in die Wege zu leiten, es sei denn, zwischen dem Kind und seinem Vater im juristischen Sinne besteht eine sozial-familiäre Beziehung, die nicht durch eine Vaterschaftsanfechtung gestört werden soll (§ 1600 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 BGB).

Wenn die Vaterschaftsanfechtung erfolgreich durchgeführt wurde oder aber mangels Existenz eines "juristischen Vaters" gar nicht notwendig war, kann der mögliche biologische Vater, sollte die Mutter einer Anerkennung der Vaterschaft durch ihn nicht zustimmen, seine Vaterschaft gerichtlich feststellen lassen (§ 1600d BGB). Ein solches Verfahren ist nicht abhängig von der Zustimmung der Mutter.

Fazit: Wenn ein Vater im juristischen Sinne existiert, muss ein zweistufiges Verfahren betrieben werden; zuerst muss die Vaterschaft des Vaters im juristischen Sinne angefochten und sodann ein Antrag auf gerichtliche Feststellung der eigenen Vaterschaft gestellt werden. Wenn kein Vater im juristischen Sinne existiert, kann direkt der Antrag auf gerichtliche Feststellung der Vaterschaft gestellt werden.

Zu beachten sind die relativ hohen Hürden, die das Gesetz, vor allem im Interesse des Kindes, einem "Vaterwechsel" auferlegt. Die Vaterschaftsanfechtung ist nur binnen relativ kurzer Fristen und nur dann, wenn das Kind zu dem "juristischen Vater" keine Vater-Kind-Beziehung aufgebaut hat, zulässig. Im Verfahren um die gerichtliche Feststellung der Vaterschaft wiederum muss das Gericht zu der Überzeugung gelangen, dass eine Vaterschaft tatsächlich besteht, was mit vielen Ungewissheiten belastet ist.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Für eine Nachfrage stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Jana Laurentius
(Rechtsanwältin)

Nachfrage vom Fragesteller 29.09.2006 | 15:52

Vielen Dank fuer die umgehende Beantwortung meiner Frage!
Noch etwas ist unklar:

Was versteht man unter einer "sozial-familiaeren Beziehung"? Muessen alle Beteiligten unbedingt zusammenleben oder reicht ein Besuchskontakt aus? Wie lange muss dieser schon stattfinden und wie regelmaessig muss dieser Kontakt sein - ist dies auch relevant?
Waere es vor Gericht leichter, wenn die Kindesmutter verheiratet waere, auch wenn sie nicht mit dem Vater zusammenlebt?
Muss fuer das Kind auch in ´finanzieller Sicht´ Verantwortung uebernommen werden?
Wie ´kurz´ ist die Frist fuer die Vaterschaftsanfechtung?
Wie kann geprueft werden, ob das Kind zu seinem juristischen Vater eine "Vater-Kind-Beziehung" aufgebaut hat???
Wie lange dauern solche ´zweistufigen´ Verfahren in der Regel?

Nochmals vielen herzlichen Dank fuer Ihre Hilfe!



Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.10.2006 | 12:12

1. Um zu prüfen, ob eine "sozial-familiäre Beziehung" zwischen dem Kind und seinem Vater im juristischen Sinne besteht, ist zunächst einmal relevant, wie alt das Kind ist. Bei einem Baby wird ein bloßer Besuchskontakt zu seinem Vater im juristischen Sinne kaum ausreichen, um eine solche Beziehung zu begründen, bei einem älteren Kind, das schon eine Vorstellung von einem "Vater"-Begriff hat, hingegen kann eine derartige Fernbeziehung schon ausreichen, um von einer sozial-familiären Beziehung zu sprechen. Entscheidend ist, ob ein Mann da ist, der sich selbst als Vater des Kindes begreift, sich entsprechend um das Kind kümmert (und sei es nur im Rahmen regelmäßiger Besuchskontakte) und vom Kind auch als Vater akzeptiert wird. Wie beschrieben, soll es für den biologischen Vater nach dem Gesetz nicht möglich sein, diese Beziehung durch eine Vaterschaftsanfechtung aufzubrechen, insbesondere aus Gründen des Kindeswohls.

2. Ob eine solche Vater-Kind-Beziehung zwischen dem Kind und dem juristischen Vater besteht, wird letztlich allein das Gericht überprüfen können, da allein das Gericht entscheiden wird, ob die Vaterschaftsanfechtung zulässig ist. Das Gericht wird alle Beteiligten anhören, außerdem wird ein Verfahrenspfleger eingesetzt werden, der ebenfalls eine Stellungnahme abzugeben hat. Selbstverständlich wird auch der Vortrag des Antragstellers vom Gericht gewürdigt werden. Ich möchte davor warnen, der Kindesmutter, dem Kind und dem "juristischen" Vater auf eigene Faust nachzuspionieren, um Näheres über ihre Beziehung zueinander herauszufinden. Dies würde vom Gericht mit Sicherheit negativ gewertet werden. Ermittlungen diesbezüglich sollten dem Gericht überlassen bleiben.

3. Wenn die Vaterschaftsanfechtung und das anschließende Vaterschaftsfeststellungsverfahren (die Dauer ist von Gericht zu Gericht unterschiedlich, gehen Sie aber davon aus, dass es bestimmt ein Jahr dauern wird, bis die Verfahren abgeschlossen sind) tatsächlich erfolgreich durchgeführt werden sollten, dann gilt der bisherige biologische Vater als Vater im juristischen Sinne mit sämtlichen Konsequenzen. Er ist dann dem Kind gegenüber insbesondere auch zum Unterhalt verpflichtet.

4. Eine Vaterschaftsanfechtung kann nur binnen zwei Jahren erfolgen und zwar gerechnet ab dem Zeitpunkt, ab dem der Betreffende (also der biologische Vater) Kenntnis davon erhält, dass er und nicht der Vater im juristischen Sinne der leibliche Vater des Kindes ist. Dass es "einfacher" wäre, wenn die Kindesmutter verheiratet wäre, kann man nicht sagen. Wäre die Kindesmutter im Zeitpunkt der Geburt des Kindes verheiratet gewesen, dann würde ihr Ehemann als juristischer Vater des Kindes gelten. Auch dies müsste dann erst beseitigt werden.

In Ihrem Fall sollte dringend ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden, der die Angelegenheit betreut. Bitte unternehmen Sie nichts ohne einen Rechtsbeistand.

Mit freundlichen Grüßen
Jana Laurentius
(Rechtsanwältin)

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr ausfuehrlich, kompetent und engagiert. Vielen Dank! "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER