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Urheberrechtsverletzung beim Schreiben eines Buches über eine vorhandene Geschichte.


10.07.2007 22:42 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Christian Mauritz



Guten Tag,

ich habe eine kurze und knappe Frage, die man sicherlich schnell beantworten kann. Ich stelle sie besser vorab, bevor es die gewissen Schwierigkeiten gibt.
Wenn beispielsweise ein Videospiel eine sehr gute Geschichte hat, die sich für ein Buch oder ein Film eigne, wäre es da generell verboten, aus dem Verlauf und der Story dieses Spiels ein Buch zu formen? Die Story existiert bereits im Spielverlauf, jedoch hat noch nie jemand eine richtige Geschichte in Form eines Romans daraus geschaffen. D.h. man würde sozusagen die Geschichte lediglich darauf aufbauen, es jedoch zu seiner eigenen Geschichte formen.

Wäre dies nun Urheberrechtsverletzung oder ein eigenständiger Roman von dessen Schriftsteller?
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Frage möchte ich unter Berücksichtigung der mitgeteilten Informationen wie folgt beantworten:

Die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise ist dann zulässig, wenn es sich bei dem Buch um ein selbständiges Werk handelt, das in freier Benutzung des Videospiels geschaffen wurde, vgl. § 24 Urhebergesetz.

Ein in freier Benutzung geschaffenes Werk ist ein eigenständiges, von dem benutzten zu unterscheidendes Werk. Es erfordert also eine eigene sog. persönliche geistige Schöpfung im Sinne des § 2 Absatz 2 UrhG. Die freie Benutzung geht gegenüber dem verwendeten Werk völlig neue Wege und ist deshalb im Vergleich zu ihm als selbstständiges neues Werk anzusehen (BGH GRUR 1963, 42).
Das benutzte Werk dient hier lediglich als Inspiration. Die freie Benutzung weist gegenüber dem bestehenden Werk einen solchen Grad an Selbstständigkeit und Eigenart auf, dass dessen Züge in dem neuen Werk verblassen und in den Hintergrund treten (BGH NJW 1958, 460).

Im Gegensatz hierzu steht die Bearbeitung eines Werkes, vgl. § 23 UrhG. Bei dieser bleiben die Züge des benutzten Werkes deutlich erkennbar und sind prägend für den Charakter der Bearbeitung. Daher bedarf eine Bearbeitung auch der Genehmigung durch den Urheber.

Wie hoch die Anforderungen an das neu geschaffene Werk sind, richtet sich insbesondere nach der Gestaltungshöhe des benutzten Werkes. Je individueller und komplexer dieses ist, desto umfangreicher und origineller muss das neu geschaffene Werk sein. Je geringer der Grad der Originalität des benutzten Werkes aufweist, desto eher treten seine prägenden Züge hinter die der Neuschöpfung zurück.

Entscheidend ist daher, wieviele Gemeinsamkeiten zwischen dem Videospiel und dem Buch bestehen. Die dem Videospiel zugrunde liegende Idee kann als Handlungsgrundlage für das Buch dienen, es sei denn, diese würde etwas einmaliges, noch nie dagewesenes darstellen. Der konkrete Handlungsverlauf sollte allenfalls in seinen Grundzügen verwendet werden. Übereinstimmungen von Namen handelnder Personen oder Orten sollten nicht bestehen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen hilfreichen ersten Überblick verschaffen. Bei Unklarheiten nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion. Sollte weiterer Beratungsbedarf bestehen, können Sie sich gerne an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen,

Christian Mauritz
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 24.07.2007 | 19:28

Dankeschön erst einmal,
die Antwort hat mir schon um einiges weitergeholfen.
Nun noch ein kleiner Punkt: Die obengenannte Erklärung bezieht sich doch nur darauf, wenn der Autor danach ein gewinnbringendes Ziel verfolgt, richtig? Oder würde man sich allein schon mit dem Schreiben des Buches strafbar machen?

Ich dachte nämlich bisher, dass dies nur gilt, wenn man diese Idee auch verkauft.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.07.2007 | 17:07

Sehr geehrter Fragesteller,

Sie können das Buch zwar zu Ihrem privaten Vergnügen schreiben. Sobald Sie es jedoch veröffentlichen, vervielfältigen oder öffentlich zugänglich machen und es sich nicht um ein neues Werk, sondern eine zustimmungsbedürftige Bearbeitung handelt, greifen die Vorschriften des UrhG. Eine (gewerbsmäßige) Gewinnerzielungsabsicht ist hierfür nicht Voraussetzung.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Mauritz
Rechtsanwalt

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