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Unverschuldete Minusstunden


16.08.2007 00:33 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Elmar Dolscius



Hallo,

ich bräuchte dringend Hilfe. Das Problem ist etwas komplex aber hier ist die Beschreibung.

Ich bin seit Anfang April auf einem Campingplatz als Vollzeitkraft in der Kinderanimation angestellt ( Bin gelernte Kinderpflegerin ).
Ich bekomme 1100 .- brutto und um die 800 .- Euro netto als Gehalt. Meine Arbeitsstunden laut Vertrag betragen 173.


So, nun zum Problem. Da der Betrieb ein Saisonbetrieb ist, bin ich nur bis Ende September angestellt.
Am Anfang zu den Pfingsferien lief alles gut, bis nach den Ferien keine Kinder mehr am Platz waren. Daraufhin wurde ich für insgesamt drei Wochen heimgeschickt ( bis sie mich angerufen hatten, dass nun wieder Kinder da sind ). In dieser Zeit haben sich aber über 140 Minusstunden angesammelt, von meiner Seite her ja unverschuldet. So, nun habe ich die vergangenen Monate damit verbracht, meine Minusstunden abzubauen und gleichzeitig mein monatliches Soll zu erfüllen ( was natürlich fast unmöglich ist ).
Um diese Minusstunden zu minimieren, habe ich bereits meinen bezahlten Urlaub in Stunden umwandeln lassen, also nicht in Anspruch genommen. Dazu helfe ich noch am Campingplatz im Selbstbedienungsladen mit ( auf Anweisung ). So komme ich täglich auf zwischen 11 und 13 Std. .

Jetzt kommt das eigentliche Problem:

Mein Arbeitgeber will mich nun die letzten 2 Monate auf Teilzeit ( 550 .- brutto ) umstellen, damit ich die Minusstunden weg bekomme.

Meine Frage: Darf er das überhaupt? Eigentlich hätte er doch von vornherein dafür sorgen müssen, dass es gar nicht soweit kommt.
Und von dem Teilzeitgehalt ( ca 330.- netto ) kann ich meine Existenz nicht sichern, da ich eine Wohnung, die Spitkosten zur Arbeit und damit verbundene Dinge bezahlen muss. Das weiß mein Arbeitgeber auch, bis jetzt zeigt er aber bei diesem Punkt keine Einsicht. Da ich ja dann trotzdem den ganzen Tag und abends auch noch meine Arbeit verrichten müsste, könnte ich ja zudem keinen zweiten Job annehmen, um meine finanziellen Verpflichtungen abzusichern.

Wie gesagt, mein Vertrag ist bis Ende September befristet.
Auch hat mein Arbeitgeber anfangs mehrmals gesagt, ich bekäme 7,50 brutto in der Stunde. Laut meinen Berechnungen kommt bei mir ein Stundenlohn von 6,36 brutto und 4,84 netto zusammen, für eine ausgebildete Fachkraft ist das nach meiner Ansicht zu wenig.

Ich hoffe sehr, dass sie mir helfen können, denn ich weiß nicht mehr weiter. Die viele Arbeit nur der Minusstunden wegen schlägt mir auch sehr auf die Psyche.

Vielen Dank im Voraus,

Ramona Fiegl

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Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Frage summarisch auf der Basis der mitgeteilten Informationen. Ich weise darauf hin, dass die Frage nur auf dieser Basis beantwortet werden kann. Weitere, nicht mitgeteilte Informationen können eventuell zu einer anderen Antwort führen.

Grundlage Ihres Arbeitsverhältnisses ist Ihr Arbeitsvertrag. Dieser verpflichtet Sie zur Erbringung Ihrer Arbeitsleistung und den Arbeitgeber zur Zahlung des vereinbarten Lohns.

Als Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag ergibt sich, dass der AG dafür Sorge trägt, dass der AN auch Arbeit hat. Es kann nicht zu Ihren Lasten gehen, wenn keine Arbeit anfällt. Unabhängig also von der Tatsache, dass keine Kinder zu betreuen waren, haben Sie ein Anrecht auf die vereinbarte Bezahlung.

Des weiteren darf der AG den Arbeitsvertrag nicht einseitig in ein Teilzeitarbeitsverhältnis umwandeln. Dies würde nur über eine sog. Änderungskündigung gehen, die Sie im Zweifel gerichtlich überprüfen lassen können.
Auch ist es dem AG nicht erlaubt, Sie für Arbeiten einzusetzen, für die Sie nicht eingestellt worden sind. Der AG hat zwar in gewissem Umfang ein Direktionsrecht, die Arbeit in einem Selbstbedienungsladen gehört jedoch sicher nicht dazu.
Auch die Umwandlung Ihres Urlaubs in Arbeitszeit ist nicht rechtens. Auch in einem befristeten Arbeitsverhältnis haben Sie Anspruch auf Urlaub.

Hinsichtlich des angesprochenen Lohns muss ich Ihnen leider mitteilen, dass es in Deutschland nach wie vor keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt. Lediglich einige Tarifparteien haben sich auf einen Mindestlohn geeinigt. Auf Kinderpfleger trifft dies jedoch nicht zu. Allerdings ergibt sich eine gewisse Regelung aus § 138 BGB. Danach sind sittenwidrige Löhne nichtig. An ihre Stelle tritt ein Anspruch auf die übliche Vergütung nach § 612 Abs. 2 BGB. Als sittenwidrig werden Löhne generell dann betrachtet, wenn sie mindestens ein Drittel unterhalb des orts- bzw. branchenüblichen Lohnes liegen. Ob dies in Ihrem Fall zutrifft, kann von hier aus nicht beurteilt werden.

Jedenfalls sollten Sie von Ihrem AG den Lohn fordern, der Ihnen vertragsgemäß zusteht. Gleiches gilt für den Urlaub. Auch sollten Sie sich überlegen, ob Sie weiterhin die Arbeit in dem Selbstbedienungsladen ausüben wollen. Müssen tun Sie dies nicht.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort eine erste rechtliche Orientierung geben und wünsche Ihnen viel Erfolg in der Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Dolscius
Rechtsanwalt

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