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Unterschlagung im Wert von 100,- EUR - welche Strafen können folgen?

23.08.2018 19:28 |
Preis: 35,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


22:00
Hallo!

Ich arbeitete bis vor wenigen Wochen (bis einschließlich 31.07.) in einer Buchhandlung in einem Bahnhof. Unter anderem verkauften wir auch direkt an der Kasse diverse digitale Shop-Gutscheine und Telefonkarten, u.a. Amazon, o2 und PaySafeCard. Der entsprechende Gutscheincode wurde über ein Empfangsgerät beim jeweiligen Anbieter direkt angefordert, ausgedruckt und dem Kunden schließlich ausgehändigt. Anfang Juli kam es zu einem Ereignis, bei dem ein Kunde einen Amazon-Gutschein im Wert von 100,- EUR kaufen wollte. Nachdem der Gutscheincode durch mich über das Gerät angefordert und ausgedruckt wurde, musste der Kaufvorgang abgebrochen werden, da die EC-Karte des Kunden nicht funktionierte. Der Kunde verließ wieder den Laden ohne Gutschein. Den ausgedruckten Gutscheincode habe ich neben die Kasse gelegt und wollte den getätigten Vorgang über Amazon wieder stornieren, damit für die Firma keine Kosten berechnet werden. Leider überkam es mich aber in einem schwachen Moment und ich notierte mir den Gutscheincode auf einem kleinen Blatt Papier und entsorgte anschließend den ausgedruckten Gutschein. Wenig später habe ich mich dann in meinen privaten Amazon-Account eingeloggt und den Gutschein meinem Kundenkonto hinzugefügt und anschließend diverse Artikel im Rahmen des Gutscheinwerts bestellt. Ende Juli war ich dann aufgrund einer Grippe für einige Tage außer Gefecht gesetzt und war somit ab Mitte Juli nicht mehr in dem Unternehmen arbeiten. Circa 2 Tage vor Ende meiner regulären Arbeitszeit hat mich mein Chef via WhatsApp angeschrieben, dass Ihn Amazon kontaktiert hätte, dass ein 100-EUR-Gutschein eingelöst wurden ist, und zwar auf meinen Namen, und er bat mich, dazu Stellung zu nehmen. Da ich schon seit Einlösen des Gutscheins ein schlechtes Gewissen hatte, habe ich ihm sofort alles gestanden, mich vielfach bei ihm entschuldigt und ihm auch die volle Kostenübernahme des entstandenen Schadens zugesichert. Daraufhin erhielt ich dann wenige Tage später per Post einen Brief, in dem mir mein Chef lebenslanges Hausverbot ausgesprochen hat und außerdem am Rande mitgeteilt hat, dass diese "Aktion" zur Anzeige gebracht wurde. Anfang August habe ich dann mein Gehalt für Juli überwiesen bekommen und sofort die Überweisung des entstandenen Schadens an meinen Chef veranlasst.

Vor wenigen Tagen habe ich dann von einer Kreispolizeibehörde in der Nähe Post bekommen, ich solle Anfang kommender Woche zur Anhörung bzw. Vernehmung erscheinen. Vorgeworfen wird mir laut dem Schreiben "Unterschlagung sonstiger Güter/Sachen - ohne Kfz".

Meine Fragen hierzu:

- Ist ein Erscheinen zu der Anhörung überhaupt erforderlich? Im Internet habe ich auf diversen Seiten gelesen, dass man nicht verpflichtet ist, bei einer durch die Polizei angeordnete Anhörung/Vorladung zu erscheinen (Ausnahme: Anordnung durch die Staatsanwaltschaft).

- Wie wahrscheinlich ist es, dass das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft mangels öffentlichen Interesses eingestellt wird? Der Schaden wurde wie bereits mitgeteilt umgehend bezahlt.

- Sollte es zu einer gerichtlichen Verhandlung kommen: Inwieweit ist es Ihrer Meinung nach ratsam, einen Anwalt hinzu zu ziehen?

- Sollte es zu einer Verurteilung kommen: Welche Strafen könnten auf mich hinzukommen? Ich bin leider kein unbeschriebenes Blatt. In meiner Schulzeit kam es zu einigen Delikten, u.a. mehrfacher Ladendiebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Bei dem Ladendiebstahl wurde ich zu 80 Sozialstunden verdonnert, für das Fahren ohne Fahrerlaubnis erhielt ich 2 Freizeitarreste. Der letzte "gerichtliche/polizeiliche" Kontakt fand 2015 statt, ist also schon eine Weile her.

Über Ihren Rat freue ich mich sehr und verbleibe mit freundlichen Grüßen
23.08.2018 | 20:28

Antwort

von


(30)
Uetzer Straße 4 a
31234 Edemissen
Tel: 05177-9867225
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

richtig, bei der Polizei müssen Sie nicht erscheinen. Übrigens hat erstmal die Polizei die Tat als Unterschlagung erfasst. Die Staatsanwaltschaft wird wohl selbst noch weitere in Frage kommende Tatbestände durchprüfen (z.B. § 263 a StGB, sog. "Computerbetrug") und dann entscheiden, ob insoweit hinreichender Tatverdacht besteht.

Eine Verfahrenseinstellung, wohl aber realistisch nur gegen Geldauflage nach § 153 a StPO, ist nicht außerhalb des Möglichen. Ratsam ist es daher, sich mit diesem Ziel schon im Ermittlungsverfahren verteidigen zu lassen.

Soweit Ihre Frage auf eine Einstellung mangels öffentlichen Interesses gerichtet ist, haben Sie sicherlich § 248 a StGB im Sinn. Mit 100 Euro Gutscheinwert ist jedoch leider schon die Geringwertigkeitsschwelle überschritten.

Wenn und soweit der Schaden beglichen ist, wird dieser Umstand auch im ungünstigsten Fall einer Verurteilung bei der Strafzumessung zu Ihren Gunsten berücksichtigt. Nicht ganz klar ist mir, ob der Schaden bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber entstanden ist- denn der Versandhändler hätte ja eventuell keine Veranlassung gehabt, Ihren Exchef zu kontaktieren, wenn der Gutscheinbetrag der Bahnhofsbuchhandlung endgültig belastet worden wäre. Diese Buchungsfragen spielen auch bei der Tatbestandsverwirklichung eine Rolle (z.B. Computerbetrug).

Zu Ihrer letzten Frage: Wie alt waren Sie im Tatzeitpunkt?

Freundliche Grüße
Stefan Pleßl, RA


Nachfrage vom Fragesteller 23.08.2018 | 21:06

Hallo Herr Pleßl,

vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung.

Aktuell bin ich 20 Jahre alt.

Besten Dank für Ihre Antwort!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.08.2018 | 22:00

Sehr geehrter Fragesteller,

wie Sie sicherlich wissen, kann dann noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen (auch darauf wird eine Strafverteidigung hinarbeiten), so dass die Sache doch noch glimpflich für Sie ausgehen könnte. Auf der anderen Seite ist nun wahrscheinlich, dass es zu einer Verhandlung kommt. 80 Sozialstunden für einen Ladendiebstahl sind viel. Mehr würde ich auch bei dieser Tat nicht erwarten, trotz der Vorbelastung, wenn noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt. Anbieten könnte man noch das Verfassen eines Aufsatzes zum Thema "Gelegenheit macht Diebe- wie und warum ich künftig widerstehe" oder so ähnlich.

Falls Sie sich zunächst entscheiden, unverteidigt zu bleiben, sagen Sie den Termin bei der Polizei höflich ab (verpflichtet sind Sie dazu aber nicht) und weisen Sie mit gleicher Post die Überweisung an Ihren ehemaligen Arbeitgeber nach. Versuchen Sie parallel die Sache im Strafverfahren nachweisbar, also mindestens per E-Mail, auch mit dem großen Onlinehändler zu klären (Besteht dort noch ein Schaden?), und gleichen Sie dort ggf. den Schaden aus.

Als Heranwachsender investieren Sie das Geld aber sicherlich gut in eine Strafverteidigerin oder einen Strafverteidiger, um die Weichen noch richtig zu stellen. Die Kenntnis Ihrer Lebensumstände ist dafür wichtig. Ich hoffe, Ihnen eine gute erste Orientierung gegeben zu haben und wünsche Ihnen einen guten Start ins Erwachsenenleben.

Freundliche Grüße
Stefan Pleßl, RA



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