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Unterhalt volljähriges Kind nach langer Pause

19.12.2017 13:04 |
Preis: 51,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Meine Tochter (jetzt 26 J.) wurde in der 11. Klasse (Realschulabschluss wurde noch verliehen) von der Gesamtschule verwiesen. Sie hat in den folgenden 3 Jahren lediglich gejobbt und keine Anstrengungen unternommen, ihre Ausbildung fortzusetzten. Danach hat se versucht, das Abitur über eine Fernakademie nachzuholen, dies aber nach 2,5 Jahren erfolglos wegen mangelnder Credits abgebrochen. Nach einem Jahr Pause hat sie dann vor 1,5 Jahren mit der Fachoberschule begonnen, um die Fachhochschulreife zu erlangen.

Meine Frage: bin ich nach den langen Zeiten der Untätigkeit überhaupt noch unterhaltspflichtig? Derzeit zahle ich noch, möchte aber nach dem Erlangen der Fachhochschulreife meine Zahlungen einstellen (fallls sie ein Studium beginnen sollte).

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Sehr geehrter Ratsuchender,

offenbar hat Ihre Tochter nach dem Ende der Schulausbildung keine Anstrengungen unternommen, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden.

In dieser Zeit waren Sie nicht zum Unterhalt verpflichtet.

In der Rechtsprechung wird nun höchst unterschiedlich entschieden, ob diese lange Phase ohne eine Ausbildung anzustreben zum gänzlichen Ausschluss des Unterhalts führt.

Dieses wird Einzelfall sein. Der BGH hat einem Volljährigen einen Unterhaltsanspruch nach drei Jahren der Pause zugebilligt, allerdings lag der Sachverhalt so, dass das volljährige Kind wegen eines ungünstigen Notendurchschnitts versucht hat sich mit Praktika zu qualifizieren.

Das liegt hier nicht vor.

Aber offenbar wird nun die Hochschulreife angestrebt. Ich habe Sie so verstanden, dass Sie derzeit noch Unterhalt zahlen, weil Sie vermutlich das angestrebte Ziel auch unterstützen.

Man wird klären müssen, aus welchem Grund die Credits nicht erreicht wurden. Es kann durchaus sein, dass es die falsche Wahl der Tochter war, den Abschluss auf einer Fernakademie zu erreichen. Allerdings kommt der Abbruch meines Erachtens nach zu spät.

Obwohl Eltern verpflichtet sind, den Volljährigen eine Berufsausbildung zu ermöglichen, obliegen auch den Volljährigen Pflichten, die sie einzuhalten haben. Dazu zahlt, gewissenhaft und zielstrebig eine Ausbildung zu beenden.

Dieser Pflicht dürfte Ihre Tochter nach Ihrer Darlegung nicht nachgekommen sein, so dass ein weiterer Unterhaltsanspruch entfallen sein könnte. Das gilt dann aber auch nicht erst für ein mögliches Studium, sondern würde auch zum jetzigen Zeitpunkt gelten.

Aber es ist nicht auszuschließen, dass ein Gericht wegen einer besonderen Lebenslage der Tochter dieses anderes einschätzt. Auf die BGH -Entscheidung dazu hatte ich oben schon verwiesen.

Allein nach Ihrer Darstellung halte ich einen Anspruch nicht mehr für gegeben.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle

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