Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Unterhalt für Kind über 18


08.04.2005 10:55 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle



Hallo!
Zum Thema Unterhaltspflicht gegenüber Kindern über 18 Jahren habe ich zwar schon einiges im Archiv gefunden, bin mir aber nicht sicher, ob es diesen Sachverhalt voll abdeckt. Mein Freund hat eine Tochter (18) und einen Sohn (16) aus erster Ehe. Seit der Scheidung vor ein paar Jahren lebt der Sohn bei ihm, die Tochter bei der Mutter. Es wurde seitdem einvernehmlich weder gegenseitiger Ehegattenunterhalt noch Kindesunterhalt gezahlt; beide Elternteile sind berufstätig. Jeder Elternteil bekommt das Kindergeld für das bei ihm lebende Kind.
Die Tochter ist nunmehr 18, hat die mittlere Reife und nimmt z.Zt. mangels Ausbildungsplatz an einer ABM-Maßnahme teil, für die sie mtl. 250,-€ erhält. Offiziell wohnt sie noch bei der Mutter, hält sich jedoch faktisch mehr bei ihrem Freund auf-ein Auszug ist also vermutlich nur eine Frage der Zeit. Also steht nun auch das Thema Unterhaltspflicht der Eltern an-insbesondere, da ihr Freund seinen eigenen Eltern gegenüber sehr klagefreudig ist.
Wenn ich die bisher gelesenen Beiträge richtig verstanden habe, sind für ein in Ausbildung befindliches Kind ab 18 beide Elternteile wieder barunterhaltspflichtig, je nach deren Leistungsfähigkeit, und der Unterhaltsbedarf ist mit ca. 600,-€ anzusetzen.
Gilt diese Zeit zwischen Schule und Beginn einer Ausbildung als Ausbildungszeit, d.h. gilt diese Regelung in diesem Fall auch? Wenn ja: Wie erfolgt die Berechnung bzw. Aufteilung? Wird für jeden Elternteil einzeln gerechnet, also 300,-€ und dann die Leistungsfähigkeit berücksichtigt? Oder muss zusammen 600,-€ (abzgl. Kindergeld und selbstverdientes Geld) erreicht werden und das Einkommen der Elternteile bestimmt nur die Aufteilung des Restbetrages? Zudem würde ich gern wissen, ob es bei der Unterhaltsberechnung von Belang ist, dass der Tochter Kost und Logis bei der Mutter zur Verfügung stehen würden oder ob eine nunmehr Volljährige trotz damit verbundener Mehrkosten für die Eltern selbst entscheiden kann, ob sie dort weiterhin wohnen möchte oder nicht (gravierende Streitigkeiten gibt es bisher nicht).
Wenn nein: Wie sieht es mit der Unterhaltspflicht dann aus und wirkt es sich für die Eltern aus, wenn die Tochter Sozialhilfe beantragt?
Ab Mitte des Jahres dann wird die Tochter voraussichtlich eine Ausbildung beginnen und eine Erzieherinnenschule besuchen. Eine Ausbildungsvergütung erhält sie nicht, lediglich sind mehrere bezahlte Praktika vorgesehen.
Wie wirkt sich diese Veränderung auf den Unterhaltsanspruch aus? Und wie wird das zeitweise zu erwartende Entgelt für die Praktika angerechnet, im jeweiligen Monat oder im Jahresschnitt anteilig? Wird es vorher in die Unterhaltshöhe miteinberechnet ?(Ich denke nicht, dass die Höhe des Entgelts schon vorher bekannt sein wird wie vermutlich auch die Praktikum-Stellen selbst.)
Vielen Dank für Ihre Hilfe!
Mit freundlichen Grüßen,
Motte

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Ratsuchende,

Sie gehen zunächst zutreffend davon aus, dass der Bedarf mit 600,00 EUR anzunehmen ist ( das sollte aber noch einmal genau überprüft werden, da es von OLG zu OLG Bezirk unterschiedlich sein kann ).

Die Unterhaltsberechnung ist wie folgt vorzunehmen:

Das Einkommen beider Elternteile ist festzustellen. Bei Ihrem Freund ist dabei noch der Sohn zu berücksichtigen. Wenn das Einkommen beider Elternteile errechnet ist, wird der Betrag, der über den Selbstbehalt des jeweiligen OLG Bezirkes, festgestellt.

Dann wird errechnet, wieviel jeder Elternteit anteilsmäßig nach dem verbleibenden Betrag an Unterhalt zu zahlen hat. Beispiel: Vater 1.500 EUR verbleibender Betrag, Mutter 950,00 EUR. Bedarf 600,00 EUR. Der Vater hat anteilsmäßig 61,22 % zu tragen und die Mutter 38,78 %. In Zahlen im Beispielsfall 367,32 EUR für den Vater und 232,68 EUR für die Mutter.

Auf den Bedarf der Tochter sind eigene Einkünfte anzurechnen. Zur Zeit belaufen sich diese auf die genannten 250,00 EUR, die von den 600,00 EUR abzuziehen sind.

Gleiches gilt auch für Zeit der weiteren Ausbildung.

Absolviert die Tochter ab Mitte des Jahres die Erzieherinnenschule und bezieht Einkünfte aus Praktika, sind dieses Beträge auf das Jahr umgerechnet ebenfalls abzuziehen. Hier ist die Tochter verpflichtet, sich danach zu erkundigen, welche Einkünfte in der Regel aus den Praktika erzielt werden. Dieser Betrag ist dann anzurechnen. Steht er genau fest, wird eine Anpassung erfolgen.

Sollte die Tochter Sozialhilfe beantragen, werden die Eltern auch zum Unterhalt herangezogen. Man könnte in diesem Fall versuchen, dieses zu umgehen, dass man damit argumentiert, dass der Tochter eine Unterkunft bei der Mutter zur Verfügung steht. Das kann aber nur ein Versuch sein, da das volljährige Kind entscheiden kann, wie es zukünftig leben möchte. Damit ist auch Ihre Frage nach der Entscheidungsbefugnis der Tochter gleich mit beantwortet worden.

Ich hoffe, Ihnen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle

Nachfrage vom Fragesteller 08.04.2005 | 11:42

Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort.
Zur Klarstellung möchte ich aber noch einmal nachfragen: Der Unterhaltsanspruch besteht auch, wenn das Kind NICHT in Ausbildung ist? (Oder zählt eine ABM-Maßnahme als Ausbildung?)
Ich hatte einige Beiträge so verstanden, dass ein volljähriges Kind, das nicht in der Ausbildung ist, zuerst einmal selbst verpflichtet ist, für seinen Unterhalt aufzukommen?
Vielen Dank nochmals,
Motte

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.04.2005 | 12:01

Danke für Ihre Nachfrage.

Richtig ist zwar, dass ein volljähriges Kind verpflichtet ist, für seinen eigenen Unterhalt aufzukommen. Bei der ABM Maßnahme ist es aber so, dass diese im Zusammenhang mit einer Arbeitssuche des Kindes zu sehen ist.

Gegebenenfalls sollte noch geklärt werden, um was für eine Maßnahme es sich genau handelt.

Eine Unterhaltspflicht würde nur dann entfallen, wenn das Kind gar keine oder nur sehr geringe Anstrengungen zur Erlangung eines Ausbildungsplatzes oder des Beginnes einer weiterführenden Ausbildung macht.

So wie Sie den Fall schildern, macht die Tochter eine ABM Maßnahme und überbrückt damit die Zeit bis zum Beginn des Schulbesuches. Dieses ist ihr zuzubilligen, wenn klar ist, dass sie ein klares Ziel vor Augen hat und nur Zeit überbrücken muß.

Um das Verhalten der Tochter richtig einschätzen zu können, bitten Sie diese, dem Vater alle Bewerbungsunterlagen vorzulegen, um zu sehen, ob diese sich tatsächlich ausreichend bemüht hat.

Mit freundlichen Grüßen

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER