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Untehalt für die Kinder in voller Höhe?


11.05.2005 18:01 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Hallo,

Meine Exfrau und ich sind sein 1998 getrennt und seit 2003 geschieden.
Unsere beiden Kinder (16 und 9 Jahre alt) sind bei meiner Exfrau mit festen Wohnsitz gemeldet.
Meine Exfrau und ich haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, das den beiden Kindern natürlich auch zu Gute kommt.
Meine Exfrau beansprucht für sich keinen Unterhalt, das sie die Ansicht vertritt, selber arbeiten zu können.
Beide sind wir berufstätig.

Für unsere Kinder haben wir das gemeinsame Sorgerecht in erweiterter Form.

D.h. im wöchentlichen Rhythmus leben die Kinder von Montag bis Sonntag sowohl bei meiner Exfrau, als auch in der Folgewoche von Montag bis Sonntag bei mir.
Mit anderen Worten:
In der einen Hälfte des Monats werden die Kinder von meiner Exfrau betreut und in der zweiten Hälfte des Monats von mir.

Meine Exfrau und ich wohnen nur wenige Straßen voneinander entfernt.

Wenn die Kinder von Montag bis Sonntag bei mir sind, dann muss man sich das so vorstellen:
Am Montag Abend hole ich die Kinder bei meiner Exfrau ab und wir gehen zu mir nach Hause. Dort essen wir zu Abend und unterhalten uns über allgemeine Belange. Die Kinder schlafen dann bei mir in ihrem Kinderzimmer.
Am Morgen frühstücken wir zusammen (meine Kinder und ich) und meine Kinder gehen dann zur Schule. Ich fahre dann zur Arbeit.
Wenn die Kinder aus der schule kommen, dann gehen sie zu meiner Exfrau nach Hause, wo sie dann von ihr bis zum Abend betreut werden.

Laut Düsseldorfer Tabelle bin ich verpflichtet, für meine Kinder die Summe X an Unterhalt an meine Exfrau zu bezahlen.

Nun meine Frage:
Muss ich die ganze Summe an Kindesunterhalt bezahlen oder nur anteilig?
Schließlich werden die Kinder zur Hälfte des Monats doch von mit betreut (Verpflegung, Strom, Wasser, usw)

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen
11.05.2005 | 18:26

Antwort

von


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63450 Hanau
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Sehr geehrter Ratsuchender,

nach Ihren Schilderungen, muss davon ausgegangen werden, dass Sie nicht den vollen Unterhalt bezahlen müssen. Die Berechnung ist äußerst kompliziert.


Nach der Rechtsprechung des OLG Düsseldorf wird in einem solchen Fall der Unterhalt wie folgt bemessen:

Das Einkommen beider Eltern wird zusammengezählt und anhand des Ergebnisses der Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle abgelesen. Auf diesen Unterhalt wird ein bestimmter Betrag aufgeschlagen, wenn es infolge der gemeinsamen Betreuung zu Mehrkosten kommt. Das kann z.B. der Fall sein, weil in beiden Elternwohnungen in Kinderzimmer vorgehalten werden muss. Heraus kommt ein bestimmter Betrag x. Sodann wird berechnet, welchen Anteil an diesem Betrag x jeder Elternteil zahlen muss. Zu diesem Zweck zieht man vom bereinigten Nettoeinkommen jedes Elternteils (also nach Abzug von berufsbedingten Aufwendungen und anrechenbarer Schulden) den "großen" Selbstbehalt ab und setzt die verbleibenden Beträge in Relation zueinander.

Die Berechnung möchte ich Ihnen anhand eines Beispiels (Stand 2001)erläutern:

Unterhaltsberechnung für ein 8-jähriges Kind. Angenommen, der Vater verdient netto 3.500,- DM, die Mutter netto 2.500,- DM. Zusammen sind dies 6.000,- DM, so dass nach der Düsseldorfer Tabelle ein Unterhalt von 711,- DM,- DM zu zahlen ist. Da bei beiden Eltern ein Kinderzimmer vorhanden ist, was zu Mehrkosten von 200,- DM führt, wird dieser Betrag aufgeschlagen. Der Bedarf des Kindes ist also 911,- DM.

Dieser Betrag wird auf beide Elternteile gemäß folgender Rechnung aufgeteilt: Zunächst werden für beide Elternteile ihre Einsatzbeträge errechnet, indem man von ihrem Nettoeinkommen den Selbstbehalt abzieht. Dies ergibt für den Vater: 3.500,- DM ./. 1.960,- DM = 1.540,- DM, für die Mutter: 2.500,- DM ./. 1.960,- DM = 540,- DM.

Zusammengerechnet ergeben die Einsatzbeträge 2.080,- DM. Die Eltern haften also für den Unterhalt i.H.v. 911,- DM im Verhältnis 1540:540. Mit anderen Worten: der Vater schuldet 1540/2080 x 911,- DM = 675,- DM, die Mutter schuldet 540/2080 x 911,- DM = 236,- DM.

Nunmehr kürzt jeder Elternteil "seinen" Unterhalt anteilig für die Zeit, während der sich das Kind bei ihm aufhält.

Hält sich das Kind die Hälfte der Zeit beim Vater und bei der Mutter auf, so kürzt jeder Elternteil seinen Unterhalt um 50%. In meinem Beispiel muss der Vater also noch 337,50 DM zahlen, die Mutter 118,- DM. Saldiert ergibt dies, dass der Vater noch 219,50 DM an die Mutter zu zahlen hat.


Ich rate Ihnen daher, sich den Unterhalt von einem Rechtsanwalt genau durchrechnen zu lassen. Gerne können Sie mich diesbezüglich kontaktieren.


Mit freundlichen Grüßen

Marcus Alexander Glatzel
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Marcus Alexander Glatzel, Dipl.-Jur.

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