Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.170
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Unklarheiten über Art der Tätigkeit, Einsatz priv. PKW und Außendienstanteil


31.12.2012 14:06 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht



Ich verfüge über 3 Berufsausbildungen, Chemikant, Diplomingenieur Kunststofftechnik und Qualitätsmanagement. Wegen schlechter Zukunftsperspektive habe ich meinen letzten Arbeitgeber (Industrieunternehmen) verlassen und ein Jobangebot eines großen technischen Dienstleisters (größerer Konzern) angenommen. Der Stellenanzeige, auf welche ich mich beworben habe war lediglich zu entnehmen, dass Diplomingenieure gesucht werden, die Tätigkeiten vielvältig sind und die Chancen groß. Im Vorstellungsgespräch stellte sich heraus, dass man zur Zeit einen Diplomingenieur Kunststofftechnik sucht, der im Tankanlagenbereich (VAwS) mitarbeiten soll. Ich verwies darauf, dass ich meine Qualifikationen im QM-Bereich einbringen und aufrecht erhalten möchte. Vertraglich bin ich als "Sachverständiger" eingestellt worden. Des Weiteren steht im Vertrag, dass ich mich dazu verpflichte, für Dienstwagen einen privaten Pkw zu nutzen.

Nach Dienstantritt stellte sich heraus, dass nicht genügend Arbeit für mich auf dem Arbeitsgebiet Kunststoffe vorhanden ist. Deshalb wurde ich angehalten, Kundenakquise zu betreiben. Die älteren Kollegen sind schon 20 Jahre dabei und haben innerhalb dieser Zeit Kunden von Vorgängern übernommen und alle relevanten Kunden auf dem Fachgebiet Kunststoffe abgegrast. Daher gestaltet es sich schwierig, auf dem Gebiet Kunststoffe Fuß zu fassen. Zwecks Auslastung werde ich daher von einem Fachgebiet ins andere hin und her geschult und im Vergleich zu den Altkollegen sehr wechselnd beansprucht. Dies führt dazu, dass man garnicht richtig dazu kommt, sich in die gewünschte Fachrichtung auf dem aktuellen Stand zu halten oder Kenntnisse vertiefen zu können. Nun soll ich mich auch noch rein Formell mit der Prüfung von metallischen Werkstoffen auseinandersetzen. Da Ausbildung zu teuer sei, wird erwartet, dass ich mir das Wissen dazu durch Normenstudium aneignen. Da dies für den Arbeitgeber keine produktiven Tätigkeiten sind, geschieht dies Zuhause.

Seit Arbeitsaufnahme nutze ich meinen privaten PKW für Dienstreisen. Nicht alle Schäden, welche mir auf Dienstreisen am Fahrzeug entstanden sind wurden vom AG übernommen. Des Weiteren bin ich ca. 20.000 km durchschnittlich jährlich mit privat pkw gefahren. Auf Rat des Betriebsrats hin habe ich, wie in den betrieblichen Regelungen vorgesehen, einen Dienstwagen beantragt. Dem jeweiligen Vorgesetzen steht die Entscheidung frei, diesen zu genehmigen oder abzulehnen. Dieser wurde mir verwehrt, da es fraglich ist, ob ich wegen den relativ wenigen Kunden wieder auf eine solche Fahrleistung komme.

Fragen:
Ist der Arbeitgeber im Sinne der Gleichberechtigung von Mitarbeitern nicht dazu verpflichtet, innerhalb einer Fachgruppe "gleichwertiger" Mitarbeiter (Kunststofftechnik) die vorhandene Arbeit (Kunststofftechnik) so zu verteilen, dass für jeden eine möglichst gleichmäßige Auslastung mit Tätigkeiten ähnlichen Schwierigkeitsgrades, Belastung etc. entsteht?
Kann ich mich weigern in Arbeitsgebieten eingesetzt zu werden, da sie nicht meiner beruflichen Ausbildung und perönlichen Eignung entsprechen?
Wie wäre Nachzuweisen, dass diese Tätigkeiten für mich nicht annehmbar sind?
Kann der Arbeitgeber verlangen, sich eine notwendige Ausbildung über Normenstudium anzulesen?
Bin ich dazu verpflichtet, meinen privaten PKW für Dienstreisen zu nutzen?
Kann der Arbeitgeber von mir verlangen > 50% der Arbeitszeit im Außendienst unterwegs zu sein und mehrmals die Woche in irgendwelchen billigen Hotels zu übernachten?

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes in der gebotenen Kürze beantworten möchte. Für eine eingehendere Beratung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

Zunächst kommt es im Wesentlichen darauf an, welches Aufgabengebiet Ihnen im Arbeitsvertrag zugewiesen wurde. Nach Ihren Angaben sind Sie als „Sachverständiger" eingestellt worden und Ihr Aufgabengebiet ist somit wahrscheinlich nur rahmenmäßig umschrieben worden. Hierzu werden meist Klauseln verwendet, nach denen eine Zuweisung auch zu anderen Arbeiten möglich ist. Demnach kann die Zuweisung nach den Kräften und Fähigkeiten des Arbeitnehmers erfolgen. Im Rahmen dieser vertraglichen Aufgabengebiets kann der Arbeitgeber Sie also aufgrund seines Direktionsrechts gemäß § 106 GewO Zeit, Ort und Art Ihrer Leistungspflicht bestimmen. Sie können also nur dann bei der Prüfung von metallischen Werkstoffen eingesetzt werden, wenn dieser Arbeitsbereich auch von Ihrem Stellenprofil im Arbeitsvertrag gedeckt ist. Sofern Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen in Ihrem Betrieb existieren und auf Sie anwendbar sind, müssten diese natürlich auch berücksichtigt werden.
Sofern Sie Arbeiten verrichten sollen, die nicht dem Stellenprofil entsprechen, könnte zudem eine Versetzung in eine andere Abteilung in Betracht kommen. Eine Versetzung löst aber regelmäßig Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates aus. Sofern diese Mitbestimmungsrechte nicht beachtet wurden, ist die Versetzung unwirksam.

Aufgrund des Grundsatzes der Gleichbehandlung kann ein Anspruch auf Zuweisung bestimmter Tätigkeiten erwachsen. Dies ist meist dann der Fall, wenn Sie z.B. als Einziger Überstunden ableisten müssten oder Ihnen geringwertige Tätigkeiten zugewiesen werden, die nicht Ihrer Qualifikation entsprechen. Der Arbeitgeber ist indes nicht daran gehindert, die Aufgaben im Betrieb z.B. nach persönlicher Eignung des Arbeitnehmers zu verteilen, sofern seine Zuweisung dem billigen Ermessen entspricht. Das billige Ermessen ist ein unbestimmter Rechtsbegriff und setzt lediglich voraus, dass die jeweiligen Interessen gegeneinander abgewogen und angemessen berücksichtigt wurden. Die Zuweisung entspricht jedoch dann nicht billigem Ermessen, wenn der Arbeitgeber z.B. willkürlich handelt oder sich von nicht nachvollziehbaren Gründen (z.B. persönliche Sympathien) leiten lässt. Ob dies hier geschehen ist, hängt jedoch stark von den Umständen des Einzelfalles ab, sodass diese Frage nicht mit absoluter Sicherheit beantwortet werden kann. Unter der Berücksichtigung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts würde ich allerdings eher davon ausgehen, dass die Zuweisung des Arbeitgebers nicht willkürlich bzw. unbillig war.
Die Zuweisung zu einer anderen Arbeit kann ebenfalls auch in fachfremde Gebiete erfolgen, sofern dies nicht den Bestimmungen des Arbeitsvertrages zuwiderläuft und die o.g. Grenzen der Unbilligkeit nicht überschritten werden. Ob eine Pflicht zur Weiterbildung besteht, kann sich nur aus dem Arbeitsvertrag ergeben. Die Kosten hierfür sind jedoch regelmäßig vom Arbeitgeber zu tragen. Dies gilt nicht, wenn Sie schon aufgrund berufsrechtlicher Gesichtspunkte dazu verpflichtet wären (z.B. wegen der Arbeit mit Chemikalien, etc.). Eine Pflicht zur zusätzlichen Ausbildung besteht grundsätzlich nicht, sofern diese nicht Ihrem Tätigkeitsprofil entspricht. Dies kann lediglich im Einvernehmen mit dem Arbeitnehmer geschehen.

Gleiches gilt für die Verpflichtung im Aussendienst tätig zu werden.

Sie können sich also nur dann weigern der Zuweisung Ihres Arbeitgebers nachzukommen, wenn der Arbeitsbereich nicht den vertraglich festgelegten entspricht oder die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates bei einer Versetzung missachtet wurden. Gleichfalls können Sie die Arbeit nur dann verweigern, wenn die Arbeit für Sie unzumutbar wäre, weil Sie z.B. aus Krankheitsgründen oder wegen einer Behinderung die Arbeit nicht verrichten dürften. Sie haben dann Anspruch auf einen sogenannten „leidensgerechten" Arbeitsplatz. Also einem Arbeitsplatz, der Ihren Leiden entspricht. Sie sollten jedoch bedenken, dass eine unzulässige Weigerung für Sie unangenehme Konsequenzen (Abmahnung, Kündigung) nach sich ziehen könnte.

Aufgrund des Arbeitsvertrages können Sie in der Tat dazu verpflichtet werden, Ihren privaten PKW zu nutzen, wenn dies Ihre Tätigkeit erfordert.
Sofern Sie zur dienstlichen Nutzung Ihres privaten PKW´s verpflichtet wurden, muss der Arbeitgeber Ihnen sämtliche Auslagen erstatten. Jedoch nur dann, wenn diese Auslagen auch dienstlich veranlasst waren. Wenn Sie also z.B. Umwege gefahren sind oder Auslagen hatten, die Ihnen privat zu Gute gekommen sind, müssen Sie diese selbst tragen.
Bei Unfällen mit dem privaten PKW kann der Arbeitgeber auch verpflichtet werden, für die Schäden aufzukommen. Regelmäßig wird dieser Anspruch jedoch auf die Versicherungen übergehen, sodass Sie keinen eigenen Anspruch gegen den Arbeitgeber haben. Zusätzlich ist zu beachten, dass sie bei grober Fahrlässigkeit selbst für die Schäden aufkommen müssen. Bei einem Verkehrsunfall, den Sie wegen „normaler" Fahrlässigkeit verursacht haben, kommt es immer auf den Einzelfall, insbesondere auf die wirtschaftliche Bedeutung für den Arbeitnehmer an. Grundsätzlich sind die Schäden wegen „normaler" oder „mittlerer" Fahrlässigkeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufzuteilen.
Hinsichtlich der Übernachtungen im Hotel sind Sie verpflichtet die Kosten gering zu halten. Leider können Sie nicht auf eine Übernachtung im Luxushotel bestehen, gleichzeitig kann Ihnen nicht zugemutet werden in einer „schäbigen Absteige" zu übernachten. Vielmehr sind Ihnen die Hotelkosten im angemessenen und üblichen Umfang zu erstatten. Regelmäßig werden dies Hotelkosten der mittleren Preiskategorie sein.

Ich hoffe sehr, dass Ihnen meine Antwort weitergeholfen hat und stehe für Rückfragen natürlich jederzeit zur Verfügung. Sofern Sie mit meinen Leistungen zufrieden waren, bitte ich um eine positive Bewertung.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr!

Mit freundlichen Grüßen
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60124 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Meine Frage wurde verständlich und ausführlich beantwortet. Vielen herzlichen Dank! ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Klar und unumwunden im Ganzen zu empfehlen ! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antworten auf meine Fragen waren ausführlich und verständlich. ...
FRAGESTELLER