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Unfallversicherung Privat


03.08.2017 09:18 |
Preis: 28,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von



Ich hatte einen Unfall auf der Arbeit. Dabei hab ich mir das Handgelenk so schwer verletzt das es versteift werden mußte. Mein Tarif bei der Unfallversicherung sagt, das für Hand 90% veranschlagt wird. Ist ein Maxi Tarif einer Versicherung. Laut einem Urteil vom Bundesgerichtshof, wird bei einem versteiften Handgelenk der volle Handwert der privaten Unfallversicherung fällig. Unabhängig ob die Finger noch beweglich sind. Das ist ein Urteil vom Bundesgerichtshof. Heißt das dann jetzt das ich bei meiner privaten Unfallversicherung wo ich einen Vertrag abgeschlossen haben mit 100.000 Grundkapital und 350% Progression aufgrund deren Gliedertaxe 90% Handwert, 350.000 Euro bekomme? Außerdem habe ich 1500 Euro invalidenrente mit drin. Die wären ja fällig bei einem versteiftem Handgelenk. Denn ich bin dann ja locker über 50%.... Hab ich Recht???
03.08.2017 | 12:07

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich habe das Urteil ebenso gelesen, dieses wird auch als "Handgelenkrechtsprechung" des BGH bezeichnet.
Soweit ist Ihre Annahme korrekt.

Die AUB die für die Versicherungen gelten sind jedoch fakultativ, das bedeutet, dass abweichende Vereinbarungen möglich sind. Demnach wäre Ihr Vertrag zumindest auf solche etwaigen Vereinbarungen hin noch einmal durchzulesen.

Sollten diese nicht existieren, dann haben Sie mit Ihrer Schilderung Recht. Denn dann wäre eine Funktionsunfähigkeit einer Hand im Handgelenk gegeben, welche die Invalidität zu 55 % begründet. Das steht aber so nicht im Gesetz, sondern wird durch hoheitliche Rechtsprechung so ausgelegt. Siehe Hierzu BGH:

"Versicherungsbedingungen sind so auszulegen, wie sie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs verstehen muß. Dabei kommt es auf die Verständnismöglichkeiten eines Versicherungsnehmers ohne versicherungsrechtliche Spezialkenntnisse an (BGHZ 123, 83, 85). Es ist nicht maßgeblich, was sich der Verwender der Bedingungen bei ihrer Abfassung vorgestellt
hat. Die Entstehungsgeschichte der Bedingungen, die der Versicherungsnehmer typischerweise nicht kennt, hat bei der Auslegung außer Betracht zu bleiben (BGH, Urteil vom 17. Mai 2000 - IV ZR 113/99 - VersR 2000, 1090 unter 2 a).
Die Wortwahl "Hand im Handgelenk" kann den Versicherungsnehmer, der die Bedeutung der Formulierung "im Gelenk" zu erschließen sucht, zu einem Verständnis führen, daß auf die Funktionsunfähigkeit des Gelenks selbst und nicht auf die Funktionsunfähigkeit des Teilgliedes Hand abzustellen ist. In diesem Verständnis kann sich der Versicherungsnehmer
insbesondere dadurch bestätigt sehen, daß die Gliedertaxe Teilbereiche eines Gliedes - so des Armes - auch mit Wendungen beschreibt wie "eines Armes bis" (oberhalb des Ellbogengelenks - unterhalb des Ellbogengelenks); Entsprechendes gilt für Teilbereiche des Beines. Wenn einerseits mit der Wendung "bis" ausdrücklich Gliedabschnitte beschrieben werden, deutet im Gegensatz dazu die Wendung "im" auf eine Lokalisierung der Funktionsunfähigkeit gerade im Gelenk selbst hin. Liegt also vollständige Funktionsunfähigkeit des Handgelenks durch dessen Versteifung vor, kann der Versicherungsnehmer die Gliedertaxe dahin verstehen, daß allein deshalb ein Invaliditätsgrad von 55%zugrunde zu legen ist. Selbst wenn trotz der Funktionsunfähigkeit des Handgelenks die Hand selbst noch teilweise funktionsfähig geblieben
sein sollte, muß das den Versicherungsnehmer nicht notwendig zu einer anderen Einschätzung führen. Denn er darf auch berücksichtigen, daß es in § 7 I (2) a AUB 88 einleitend heißt: "Als feste Invaliditätsgrade gelten- unter Ausschluß des Nachweises einer höheren oder geringeren Invalidität...". Zwar erkennt der Versicherungsnehmer auch, daß der Verlust einer Hand im Handgelenk der Funktionsunfähigkeit im Gelenk bei verbleibender Teilfunktionsfähigkeit der Hand in seinen Auswirkungen nicht gleichstehen muß, gleichwohl aber der gleiche Invaliditätsgrad - also eine gleich hohe Entschädigung - in Betracht kommt. Der Versicherungsnehmer kann das auf die mit der Gliedertaxe vorgenommene pauschalisierende Bewertung des Invaliditätsgrades zurückführen, deren versicherungswirtschaftliche oder medizinische Rechtfertigung sich ihm ohnehin nicht erschließt. Das gilt auch und gerade mit Blick auf die Gleichstellung von Verlust und Funktionsunfähigkeit von Gliedern oder
Gliedteilbereichen."

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Vicky Neubert, Dipl.-Jur.

Nachfrage vom Fragesteller 04.08.2017 | 07:18

Naja, man muß schon Abitur haben um ihre Antwort zu verstehen. Also bei mir im Vertrag steht nur, bei vollständiger Funktionsbeeinträchtigung eines Gliedmaßes. Dies wäre ja gegeben, da die Hand nur noch als Beihand zu gebrauchen ist. Und das Urteil des Bundesgerichtshofes sieht das ja so vor. Davor können sich die Versicherer ja nicht drücken.
Eine Frage habe ich noch.
Bei mir im Vertrag steht für Funktionsverlust Hand 90%. Normalerweise gibt es für eine Hand ja nur 55%. Wie muß ich das verstehen? Ich verstehe das so, das dann mit 90 % von dem Invalidenkapital ( 100 000 Euro) abgerechnet wird. Schließlich zahl ich dafür ja auch die höhrere Prämie. Stimmt das???

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.08.2017 | 16:41

Das Urteil welches ich angegebenen habe ist das Urteil des BGH zu der Handgelenkrechtsprechung. Dieses habe ich nur noch einmal mit den wichtigsten Stellen wiedergegeben, da Sie sich auf dieses Urteil des BGH bezogen haben.
Es ist korrekt, dass es für die Hand generell nur 55 % gibt. Sofern in Ihrem Vertrag nichts Weiteres als der Passus mit den 90 % steht, würde ich es genauso wie Sie verstehen. Ein Anruf bei der Versicherung mit der entsprechenden Nachfrage scheint mir dennoch hilfreich um Unklarheiten zu beseitigen. Denn alles was über das Mindestmaß des BGH hinaus geht kann an besondere Bedingungen geknüpft sein.

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