Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Unfallversicherung - Leistungskürzung durch vollständig ausgeheilten Vorschaden

08.03.2018 11:32 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger


Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Frau hatte 2015 einen Ski Unfall. Die Folge war ein gebrochenes Steißbein und ein gebrochenes Schulterblatt. Nun, drei Jahre später, wurde die abschließende Beeinträchtigung durch einen Gutachter eingeschätzt. Aus diesem Gutachten geht hervor, dass der Gutachter einen Schaden in Abzug bringt, welcher vollständig ausgeheilt war. Meine Frau hatte sich im Jahr 2013 schon einmal das Steißbein gebrochen, dieser Schaden ist allerdings vollkommen ausgeheilt gewesen und es gab keinerlei Beschwerden mehr. Dieser Schaden wurde der Unfallversicherung auch gemeldet, aber wie gesagt, es wurde nicht reguliert, da keine Beschwerden vorhanden waren und man eine Invalidität nicht hätte begründen können.

Die Schulter wurde im Gutachten mit 1/5 Armwert bewertet, was soweit auch in Ordnung ist. Jedoch wird der Unfall aus 2013 zu 50% in Abzug gebracht. Die Einschätzung des Gutachter besagt, 10% der Vollinvalidität für das Steißbein, jedoch 50% Abzug als Mitwirkungsanteil des Unfalls aus 2013, somit nur 5% der Vollinvalidität, auf das Steißbein bezogen.

Dies sehen wir als ziemlich unfair an und möchten daher die Frage stellen, ob dieser Abzug berechtigt ist.

Mit freundlichen Grüßen
Fam. Meier

Sehr geehrte Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Gemäß den Allgemeinen Bedingungen zur Unfallversicherung wird der Invaliditätsgrad um die Vorinvalidität gemindert, wenn betroffene Körperteile oder Sinnesorgane oder deren Funktionen bereits vor dem Unfall dauernd beeinträchtigt waren. Mitgewirkt bei den Unfallfolgen haben Krankheiten und Gebrechen, wenn sie zusammen mit dem Unfallereignis die Gesundheitsschädigung oder deren Folgen ausgelöst oder beeinflusst haben. Nachdem der Steißbeinbruch aus dem Jahr 2013 zum Zeitpunkt des Skiunfalls vollständig ausgeheilt war und Ihre Ehefrau insofern keine Beschwerden mehr hatte, lag keine vorbestehende Krankheit, sondern allenfalls ein mitwirkendes Gebrechen i.S.d. § 182 VVG vor. Voraussetzung hierfür ist ein vorbestehender Zustand, der über einen normalen Verschleiß oder über das Maß einer unkritischen Normvariante hinausgeht, wobei es nicht darauf ankommt, ob deswegen vor dem Unfall eine akute Behandlungsbedürftigkeit bestanden hat oder nicht, (vgl. OLG Karlsruhe 12. Zivilsenat, Urteil vom 30.12.2016 - 12 U 97/16; BGH, VersR 2016, 1492; OLG Schleswig, VersR 2014, 1074). Geht ein Degenerationszustand über das alterstypische Maß hinaus, ist er insgesamt als Gebrechen anzusehen.

Nach der Rechtsprechung stellen beispielsweise eine Schädigung des Knorpels im Knie (vgl. OLG Hamm NJW-RR 2010, 764; OLG Düsseldorf r+s 2005, 300) oder eine O-Bein-Fehlstellung (Vgl. OLG Hamm NJW-RR 2010, 764) keine Gebrechen dar, wenn sie bis zum Unfall zu keinen Einschränkungen im Lebensalltag geführt haben. Die Tatsache, dass der ausgeheilte Steißbeinbruch aus dem Jahr 2013 von Ihrer Ehefrau nicht als vitalitätseinschränkend wahrgenommen wurde und sie ihre Lebensumstände offensichtlich auch nicht entsprechend angepasst hatte, spricht gegen die Anrechnung einer Vorinvalidität. Eine aufschlussreichere Beurteilung setzt allerdings die Kenntnis des Gutachtens voraus und hier insbesondere mit welcher Begründung der Gutachter den Mitwirkungsanteil des Steißbeinbruches – im Sinne einer conditio sine qua non – bejahrt hat. Ohne Vorliegen eines Gegengutachtens dürfte es jedoch schwierig sein, den Versicherer außergerichtlich von dem Nichtbestehen der Mitwirkung durch den Steißbeinbruch zu überzeugen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mit für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
J. Petry-Berger
Rechtsanwältin

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 68620 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ich bin sehr zufrieden, auf ganzer Linie Empfehlenswert. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr schnelle, ausführliche und verständliche Antwort. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER
4,8/5,0
Prima, vielen Dank! ...
FRAGESTELLER