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Umzug ins Ausland


27.02.2007 14:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Guten Tag,

Ich bin zurzeit Arbeitnehmer bei der Firma Siemens.
Arbeite als Service-Monteur im In- & Ausland.
Zu 80% bin ich im Ausland, bekomme mein Lohn aber in Deutschland ausgezahlt.
Da ich mir vor kurzen eine Immobilie zur Eigennutzung gekauft habe bin ich auch zu 100% in Deutschland Steuerpflichtig.

Durch meinen Beruf bin ich nun weniger als 100 Tage in Deutschland.

Nun zu meinem Anliegen

Ich spiele nun mit dem Gedanken ins Ausland zu ziehen und meine Wohnung als Postadresse zu deklarieren. (Wenn so was ueberhaupt moeglich ist )

- Inwiefern waere ich dann noch in Deutschland Steuerpflichtig???
- wenn eine beschraenkte Steuerpflicht besteht wie sind die Steuersaetze??

Waere gluecklich ueber paar fachliche Auskuenfte

mfg
Sehr geehrter Ratsuchender,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich wie folgt nach Ihren Angaben beantworten möchte.

Sobald die in Deutschland erzielten und dort ggf. auch ertragzuversteuernde Einkünfte 90 % übersteigen, kann auf Antrag die Behandlung als unbeschränkt Einkommensteuerpflichtiger beantragt werden.
Je nach Ländergruppen verschieden besteht auch eine Einkommensgrenze für im Ausland zu versteuernde Einkünfte.
Bei Ihnen ist bisher die Situation, dass durch den Wohnsitz im Inland unstreitig die unbeschränkte Einkommensteuerpflicht in Deutschland vorliegt.
Eine Wohnsitzverlegung würde erst einmal dazu führen, dass Sie in Deutschland beschränkt einkommensteuerpflichtig würden, zumal Sie nach Ihren Angaben wohl auch nach Umzug ins Ausland keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr in Deutschland hätten.
Dieser wäre gegeben, wenn Sie sich freiwillig mindestens sechs Monate in Deutschland aufhalten würden, was bei 100 Tagen kalenderjährlich nicht der Fall sein dürfte.
Außerdem ist nach Ihren Angaben wohl davon auszugehen, auch wenn Ihre Einsatzorte hinsichtlich den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit im Ausland sind, Sie aber aus Deutschland bezahlt werden, dass sämtliche Einkünfte in Deutschland erzielt werden.
Hinsichtlich der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung ist in erster Linie der Belegenheitsort maßgebend.
Eine Wohnsitzverlegung würde unter Umständen je nach Land zu einer Doppelbesteuerung führen, je nach dem was ein etwaiges Doppelbesteuerungsabkommen mit dem jeweiligen Land zum Ausdruck bringen könnte.

Die Einkommensteuer bei beschränkt Einkommensteuerpflichtigen beträgt mindestens 25 % des Einkommens.
Somit kommt der eigentlich vorgesehene Grundfreibetrag nicht zum Tragen, der bis zu einem zu versteuernden Einkommen von EUR 7.664,00 keine Einkommensteuer anfallen würde.
Des Weiteren besteht auch keine Steuerprogression, wobei von einem niedrigeren Eingangssteuersatz ausgegangen wird.
In dieser Form verstößt diese Regelung gegen EU-Recht, so dass die Finanzbehörden, um nicht etwaig eine direkte Anwendung einer diesbezüglichen EU-Richtlinie auszulösen, bei Bürgern innerhalb der EU die Einkommensteuer in der Höhe, wie bei unbeschränkt Einkommensteuerpflichtigen, es sei denn die 25 %-Regelung ergäbe einen niedrigere Ertragsteuer.
Darüber hinaus sind auch privilegierte Kosten der Lebensführung wie Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bei der beschränkten Einkommensteuerpflicht nicht abzugsfähig.

Wenn Deutschland mit einem anderen Land ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, das gerade diese vermeiden soll, verzichtet meist das Land auf die Besteuerung, in dem die Einkünfte nicht erzielt werden.
In Ihrem Falle dürfte das Besteuerungsrecht in Deutschland verbleiben, so dass Sie sich nur die ungünstigere beschränkte Einkommensteuerpflicht „einfangen“ würden.
Deutschland hat jedoch nicht mit jedem Land ein derartiges Abkommen abgeschlossen.
In diesen Fällen hat Deutschland stets das Besteuerungsrecht, da diese ja gerade mangels eines Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung vermieden wird.
Unter Umständen rechnet der ausländische Staat die in Deutschland gezahlte Einkommensteuer auf deren Ertragsteuer an.
Die deutsche Ertragsbesteuerung ist dann endgültig, wenn eine derartige Anrechnung nicht in vollem Umfange oder überhaupt nicht erfolgt, was aber eine Frage bezüglich des jeweiligen ausländischen Staates sein dürfte.

Im Ergebnis dürfte eine Wohnsitzverlegung in das Ausland wohl eher von Nachteil denn von Vorteil sich ertragsteuerlich für Sie auswirken.


Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.


Mit freundlichen Grüßen
Bernd Zahn
Rechtsanwalt


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