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Umzug in die Schweiz, was machen wegen Kleinunternehmerregelung in Deutschland?

24.02.2019 17:03 |
Preis: 70,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Guten Tag,

bisher bin ich in Deutschland einer Vollzeitstelle nachgegangen und habe nebenher unter der Kleinunternehmerregelung als Designer für kleinere Kunden in Deutschland gearbeitet (Jahresumsatz ~ 6000€).

Nun fange ich ab 1. März eine Vollzeitstelle in der Schweiz an und werde auch meinen Wohnsitz komplett in die Schweiz verlagern.

Meine Frage(n):
Wie soll/kann ich vorgehen um weiterhin nebenher für Kunden in Deutschland zu arbeiten ohne mit meinem Gehalt der Vollzeitstelle in der Schweiz, in irgendeiner Weise in Deutschland steuer- oder abgabenpflichtig zu werden? Gibt es vielleicht etwas vergleichbares wie die Kleinunternehmerregelung in der Schweiz?

Die Antwort kann auch sein, dass es aus steuerlicher Sicht gar keinen Sinn macht dieser Nebentätigkeit weiterhin nachzugehen.

Zusatzfrage: da ich dieses Jahr (2019) von Januar bis Februar in Deutschland Vollzeit gearbeitet habe und Einnahmen innerhalb der Kleinunternehmerregelung gehabt habe, und nun ab März in der Schweiz arbeite, muss ich dadurch einen Teil meines Schweizer Gehalts in Deutschland versteuern?

Vielen Dank für Ihre Hilfe. Ich freue mich auch über Hinweise auf etwaige "Stolpersteine" die ich in meiner Unerfahrenheit bei diesem Thema übersehen könnte.

Beste Grüße!

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Lassen sie uns zunächst mit ihrer "Zusatzfrage" beginnen, also dem Wegzug aus Deutschland unter dem Steuerjahr.

Sie sind in Deutschland so lange sie hier gewohnt haben, unbeschränkt steuerpflichtig gewesen. Sie haben hier gelebt, in Vollzeit gearbeitet und eventuell auch schon ihr Kleinunternehmen betrieben. Sie sind also bis zum Umzugstag in Deutschland mit ihrem gesamten Einkommen steuerpflichtig. Nachdem sie umgezogen sind, stehen grundsätzlich ihrem neuen Aufenthaltsland unbeschränkt alle Steuern zu. Das bedeutet für sie , dass Einkommen, welches vor Umzug erzielt wurde in Deutschland voll besteuert wird und Einkommen, dass in der Schweiz erzielt wurde, dort versteuert wird. Wie sie sicher wissen, unterliegt die Einkommenststeuer bestimmten Steuersätzen die sich nach der Einkommenshöhe richten.Das Einkommen in einem Umzugsjahr wird zwar nur im jeweiligen Land versteuert, wo die Umsätze erzielt wurden, jedoch wird zur Bestimmung des Steuersatzes auch das Einkommen aus dem Land berücksichtigt ( Progressionsvorbehalt) , in dass sie verzogen sind. Das heißt sie müssen für 2019 sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland eine Steuererklärung abgeben, sie versteuern jeweils nur die Einkünfte aus unselbständiger Arbeit, die im jeweiligen Land erzielt wurden, aber der Steuersatz wird nach dem Gesamteinkommen (aus beiden Ländern) berechnet.

Fazit: Sie versteuern jeweils ihr Einkommen nur in dem Land, in dem es verdient wurde, da sie einen kompletten Wohnwechsel vornehmen, aber der Steuersatz ist nach dem gesamten Einkommen zu ermitteln (Progressionsvorbehalt).

2. Gibt es in der Schweiz eine Kleinunternehmerrreglung?

Ja die gibt es . In der Schweiz sind KLeinunternehmer bis 100.000 CHF von der Umsatzsteuer befreit, unabhängig davon , ob sie ihre Umsätze in der Schweiz oder im Ausland erzielen und ihren Sitz im IN-oder Ausland haben.

Dies ergibt sich aus Art. 10 Abs. 2 MWSTG ( Schweiz). Dieser lautet:
"Von der Steuerpflicht ist befreit, wer:
a. innerhalb eines Jahres im In- und
Ausland weniger als 100 000
Franken Umsatz aus Leistungen
erzielt, die nicht nach Artikel 21
Absatz 2 von der Steuer
ausgenommen sind;....

Der Umsatz berechnet sich nach den vereinbarten Entgelten ohne die Steuer.
Der Sitz im Inland sowie alle inländischen Betriebsstätten bilden zusammen ein Steuersubjekt."

Dabei betrifft § 21 MWStG nur gemeinwohl orientierte Dienste wie z.B. Postunternehmen und bestimmte Vereine. Diese sind von der Steuer ausgenommen, so dass auch die Kleinunternehmerreglung für diese nicht gilt.

Bei der Kleinunternehmerregelung müssen sie beachten, dass alle Umsätze ihres Unternehmens weltweit zusammen gerechnet werden und die 100.000 CHF nicht überschreiten dürfen.

Fazit: Es gibt in der Schweiz eine KLeinunternehmerregelung, nach der sie keine Mwst abführen und ausweisen müssen, wenn sie mit dem gesamten Unternehmen im In- und Ausland weniger als 100.000 CHF umsetzen.

3. Wie soll/kann ich vorgehen um weiterhin nebenher für Kunden in Deutschland zu arbeiten ohne mit meinem Gehalt der Vollzeitstelle in der Schweiz, in irgendeiner Weise in Deutschland steuer- oder abgabenpflichtig zu werden?

Ihr Einkommen aus Anstellung versteuern sie in der Schweiz. Deutschland hat hier keinen Anspruch auf eine Steuereinnahme.

Die Versteuerung der Umsätze aus dem Unternehmen hingegen richtet sich nach dem DBA Deutschland Schweiz, hier speziell Art. 7.

Dieser besagt:
(1) Gewinne eines Unternehmens eines Vertragstaates können nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, daß das Unternehmen seine Tätigkeit im anderen Vertragstaat durch eine dort gelegene Betriebstätte ausübt. Übt das Unternehmen seine Tätigkeit in dieser Weise aus, so können die Gewinne des Unternehmens in dem anderen Staat besteuert werden, jedoch nur insoweit, als sie dieser Betriebstätte zugerechnet werden können.
(2) Übt ein Unternehmen eines Vertragstaates seine Tätigkeit in dem anderen Vertragstaat durch eine dort gelegene Betriebstätte aus, so sind in jedem Vertragstaat dieser Betriebstätte die Gewinne zuzurechnen, die sie hätte erzielen können, wenn sie eine gleiche oder ähnliche Tätigkeit unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen als selbständiges Unternehmen ausgeübt hätte und im Verkehr mit dem Unternehmen, dessen Betriebstätte sie ist, völlig unabhängig gewesen wäre.
(3) Bei der Ermittlung der Gewinne einer Betriebstätte werden die für diese Betriebstätte entstandenen Aufwendungen, einschließlich der Geschäftsführungs- und allgemeinen Verwaltungskosten, zum Abzug zugelassen, gleichgültig, ob sie in dem Staat, in dem die Betriebstätte liegt, oder anderswo entstanden sind.
(4) Soweit es in einem Vertragstaat üblich ist, die einer Betriebsstätte zuzurechnenden Gewinne durch Aufteilung der Gesamtgewinne des Unternehmens auf seine einzelnen Teile zu ermitteln, schließt Absatz 2 nicht aus, daß dieser Vertragstaat die zu besteuernden Gewinne nach der üblichen Aufteilung ermittelt; die Art der angewendeten Gewinnaufteilung muß jedoch so sein, daß das Ergebnis mit den Grundsätzen dieses Artikels übereinstimmt.
(5) Auf Grund des bloßen Einkaufs von Gütern oder Waren für das Unternehmen wird einer Betriebstätte kein Gewinn zugerechnet.
(6) Bei Anwendung der vorstehenden Absätze sind die der Betriebstätte zuzurechnenden Gewinne jedes Jahr auf dieselbe Art zu ermitteln, es sei denn, daß ausreichende Gründe dafür bestehen, anders zu verfahren.
(7) Dieser Artikel gilt auch für Einkünfte aus der Beteiligung an einer Personengesellschaft. Er erstreckt sich auch auf Vergütungen, die ein Gesellschafter einer Personengesellschaft von der Gesellschaft für seine Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft, für die Gewährung von Darlehen oder für die Überlassung von Wirtschaftsgütern bezieht, wenn diese Vergütungen nach dem Steuerrecht des Vertragstaates, in dem die Betriebstätte gelegen ist, den Einkünften des Gesellschafters aus dieser Betriebstätte zugerechnet werden.
(8) Gehören zu den Gewinnen Einkünfte, die in anderen Artikeln dieses Abkommens behandelt werden, so werden die Bestimmungen jener Artikel durch die Bestimmungen dieses Artikels nicht berührt.

Ich empfehle ihnen also zunächst lediglich einen Firmensitz zu haben, und ihre Kunden z.B. direkt aus der Schweiz zu beliefern. Dies vereinfacht die Sache sehr. Die Versteuerung der Unternehmensgewinne obliegt vereinfacht gesagt, dem Land, in dem die Betriebsstätte ist. Der Steuersatz mit dem die Einnahmen aus dem Betrieb zu versteuern sind, obliegt wieder dem Progressionsvorbehalt, sprich er richtet sich nach ihrem gesamten Einkommen.
Haben sie nun ihren Firmensitz in Deutschland und liefern von dort aus an Kunden, so werden die Einnahmen aus diesem Gewerbe in Deutschland einkommenssteuerpflichtig. Dies gilt nur für diese Einnahmen, das Einkommen aus der Schweiz unterliegt nicht der Steuerpflicht in Deutschland, wird aber zur Bestimmung des Steuersatzes herangezogen.
Haben sie ihren Unternehmenssitz in der Schweiz, so versteuern sie ihre Einnahmen aus dem Gewerbe in der Schweiz, auch wenn sie ihre Umsätze in Deutschland erzielen. Sie versteuern also sowohl ihre Unternehmseinnahmen als auch ihr Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit nur in der Schweiz.

Fazit: Die Versteuerung der Einnahmen aus dem Unternehmen richtet sich nach dem Unternehmenssitz. Ich empfehle, diesen auch in die Schweiz zu verlegen, weil sie dann immer nur eine Steuerklärung abgeben müssen, auch wenn sie Umsätze in Deutschland machen. Sie sind nach dem Umzug und der Umverlegung des Unternehmenssitzes in die Schweiz nur in dieser steuerpflichtig.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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