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Umzug des vater nach Scheidung ... 1 gemeinsame Tochter

| 02.01.2020 19:54 |
Preis: 50,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Anja Holzapfel


Hallo.
Ich befinde mich seit 1.4.2019 im Scheidungsverfahren, das hoffentlich bald abgeschlossen ist.
Wir haben einen gemeinsamen Anwalt, den die Kindesmutter (1 gemeins. Tochter) in Auftrag gegeben hat.
Alles bisher einvernehmlich geklärt. Ich sehe unsere Tochter alle 14T am Wochenende sowie 50% der Ferien.

Nun habe ich eine neue Beziehung begonnen, welche ca. 700km weit entfernt von meinem und unserem (Tochter mit Mutter wohnt in der gleichen Stadt wie ich, ca. 5km voneinander entfernt) Wohnort lebt und ich möchte bald dort hinziehen.
Kann aber von dort die 2-Wochenenden-im-Monat-Regel nicht mehr wahrnehmen und da ich wohl vom neuen Arbeitgeber auch keine 30T Urlaub mehr bekommen werde, wird es auch mit 50% der Ferien knapp.
Zudem klappt die Beziehung zw. meiner Tochter und der neuen Freundin so schlecht, dass sie es ablehnt, meine Tochter mit in den gemeinsamen Urlaub zu nehmen. So müsste die Kindesmutter also dafür sorgen, dass die Tochter eine 4. Woche in den Sommerferien irgendwo unter (Betreuung) kommt. Oder kann sie mich verpflichten, dass ich mich darum kümmern muss. Also ggf. auch ohne Rücksicht auf die neue Beziehung. (was wäre dann, wenn ich nach Australien auswandern wollte...?)

Kann ich sie dann in einer Betreuung anmelden, während "meiner Ferienhälfte") und müsste die Mutter ihr Einverständnis dafür geben?
Vielleicht kann ja jemand ein paar Tips da lassen.
Danke schon mal.

Sehr geehrter Fragesteller,


Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:


Sowohl Ihre Tochter als auch Sie haben ein Recht und auch eine Pflicht zum Umgang. In aller Regel werden Elternteile aber nicht gegen ihren Willen zum Umgang verpflichtet, weil die höchstrichterliche Rechtsprechung davon ausgeht, dass ein erzwungener Umgang dem Kind eher schadet als nützt.

Wenn Sie den Umgang also ablehnen oder nur teilweise wahrnehmen wollen, wird es aller Voraussicht nach kaum dazu kommen, dass Sie zur Wahrnehmung verurteilt werden. Möglich ist aber, dass Sie für die Ferienbetreuung (Stichwort: Mehrbedarf) aufkommen müssen, wenn die Mutter arbeitet und Sie „Ihren Anteil" an den Ferien nicht übernehmen wollen oder können.

Gleichwohl erlauben Sie mir folgenden Hinweis: Bei allem Verständnis dafür, dass Ihnen Ihre neue Beziehung wichtig ist - von Kindern wird man nicht „mitgeschieden". Geben Sie Ihrer Tochter nicht das Gefühl, dass sie weniger wichtig ist als eine Frau, die Sie erst seit kurzem kennen. Verlangen Sie Ihrer Partnerin Verständnis und Entgegenkommen für Ihre Tochter ab - sie hat sich nicht für einen ungebundenen Mann, sondern für einen Partner, der Vater ist, entschieden. Es besteht die Gefahr, dass Sie Ihre Tochter endgültig verlieren, wenn Sie nicht trotz der Entfernung ernsthaft versuchen, Ihrer Tochter gerecht zu werden. Die Entscheidung Ihrer Partnerin gegen einen gemeinsamen Urlaub halte ich für ein ganz problematisches Zeichen an Ihre Tochter. Bedenken Sie auch: Sollte die Beziehung irgendwann scheitern, werden Sie es bitter bereuen, wenn Sie dafür den Kontakt zu Ihrer Tochter verloren haben. Solche Beziehungsabbrüche lassen sich im Regelfall später nicht wieder kitten.

Unter diesem Aspekt möchte ich Ihnen dringend anraten, mit der Mutter und Ihrer Tochter nach Lösungen zu suchen. Wenn 14-tägige Besuche nicht möglich sind, versuchen Sie, zumindest einmal pro Monat und dann möglichst über verlängerte Wochenenden (Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, 1. Mai, 3. Oktober, usw.) zuverlässig Termine zu vereinbaren - und zuverlässig einzuhalten! Umso mehr sollten Sie dann aber versuchen, einen angemessenen Teil der Ferien für Ihre Tochter zu reservieren. Mit gutem Willen ist vieles möglich. Wenn Ihre Tochter aber den Eindruck bekommt, dass Sie sie nicht sehen wollen, weil Ihre Freundin das nicht zulassen will, wenn Sie lieber zwei Wochen mit der Freundin Urlaub machen als mit ihr, werden Sie Ihre Tochter vermutlich langfristig verlieren.

Es geht hier nicht um die Frage, wie weit Sie der Mutter organisatorisch entgegenkommen müssen. Es geht für Sie darum, Ihrer Tochter gerecht zu werden und - im Rahmen Ihrer Möglichkeiten - trotz der Entfernung Verantwortung zu übernehmen und Interesse am Kind zu zeigen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie hier gute Lösungen für sich, Ihre Tochter und alle anderen Beteiligten finden.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.



Mit freundlichen Grüßen aus Wunstorf

Anja Holzapfel
-Rechtsanwältin-
-Fachanwältin für Familienrecht-

Nachfrage vom Fragesteller 03.01.2020 | 17:22

Hallo und vielen Dank für Ihre nette, ehrliche, hilfreiche und schnelle Antwort.

Natürlich weiß ich, dass meine Tochter an erster Stelle stehen muss. Und das tut sie grundsätzlich auch.

Dennoch fällt es mir schwer, einzusehen, dass ich mein weiteres Leben nur nach Ihr richten soll. Wo die (neue) Liebe hinfällt kann man sich auch nicht immer aussuchen. Mein Interesse ist es, allen Gegebenheiten gerecht zu werden.
Ich habe auch gar nicht vor, mich mehr von meiner Tochter zu entfernen bzw. distanzieren, als eh schon geschehen.

Meine neue Partnerin hat ihr und uns schon mehrfach (große) Zugeständnisse gemacht. Leider lehnt meine Tochter diese, bewusst oder unbewusst, ab.

Ich bin momentan daran, meine (Noch-)Frau bei einem zeitnahen Gespräch evtl. von einer therapeutischen Beratung für uns 3 (bei Diakonie o. Ä.) zu überzeugen. Auch weil für das derzeitige allg. Verhalten des Kindes eine solche Beratung sinnvoll sein könnte.

Mir geht es nun vorrangig darum, nur für eventuelle Härtefälle zu wissen, welche Möglichkeiten ich habe, auch auf (m)einem Standpunkt (ggf. Umzug, evtl. eine Woche weniger Ferienbetreuung Sommerferien, …) zu bestehen, ohne direkt Konsequenzen befürchten zu müssen.
Da wir uns von einem Anwalt vertreten lassen, den die Kindesmutter bestimmt hat und was ja eigentl auch gut so und gewollt ist, habe ich Angst, falls nun doch noch Streitigkeiten auftauchen, dass das ganze Verfahren in Gefahr gerät … oder ist so etwas eher auszuschließen?

OK, ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Zeit für mich nehmen und hoffe, auch durch Ihre Antworten, einen großen Teil dazu beitragen zu können, dass wir uns weiterhin in den Hauptfragen einig sind und das ganze Verfahren so sanft wie möglich für Alle abschließen können.

ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Viele Grüße vom Rhein.


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.01.2020 | 17:47

Sehr geehrter Fragesteller,

danke für Ihre offene Rückmeldung. Die Idee, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und dies auch gemeinsam mit Ihrer Ehefrau anzugehen, halte ich für einen wirklich guten Gedanken. Wenn es Probleme gibt, dass Ihre Tochter die neue Partnerin akzeptiert, kann dies natürlich nicht bedeuten, dass Sie sich von Ihrer Freundin trennen. Den Umzug kann Ihnen ohnehin niemand verbieten. Der Ursache für die Ablehnung auf den Grund zu gehen und nach Lösungsansätzen zu suchen, ist sicher richtig. Auch damit zeigen Sie Ihrer Tochter, dass sie Ihnen wichtig ist und dass Sie ihr helfen wollen.

Gerade wenn Sie wegen der neuen Beziehung weit wegziehen, ist es wichtig, Ihrem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass Sie sich Gedanken machen, wie eine enge Bindung zu ihr aufrechterhalten werden kann.

Sie schreiben immer von einem gemeinsamen Anwalt, den Ihre Frau beauftragt hat. Ich möchte hier etwas richtigstellen: Es gibt im Scheidungsverfahren keinen gemeinsamen Anwalt. Ihre Frau hat einen Anwalt, Sie haben keinen. Der Anwalt vertritt IMMER nur eine Partei im Scheidungsverfahren, alles andere wäre unzulässig. Für die reine Scheidung mit Versorgungsausgleich ohne sonstige Folgesachen brauchen Sie rechtlich keinen eigenen Anwalt, weil Sie der Scheidung persönlich zustimmen können.

Wenn hier aber etwas streitig ins Verfahren eingeführt wird, also z. B. ein Antrag auf Umgang oder Sorgerecht gestellt wird, sollten Sie einen eigenen Anwalt beauftragen.

Bevor Sie über den Umgang gerichtlich streiten, sollten Sie beim Jugendamt um eine Beratung bitten. Überlegen Sie sich, welche Betreuungszeiten Sie zuverlässig anbieten können. Vermutlich will auch die Mutter nur, dass der Umgang „gut läuft" und dass sie die Ferien nicht völlig allein organisieren muss. Vielleicht - wenn entsprechende Mittel vorhanden sind - können Sie sich auch an den Kosten für eine Jugendfahrt o. ä. beteiligen, so dass ein Teil der Ferien „fremdbetreut" verbracht werden kann? In den wenigsten Fällen habe ich erlebt, dass es um die rechnerischen 50 % der Ferien geht. Meistens geht es darum, dass sich nicht ein Elternteil aus der Verantwortung stiehlt und den anderen mit der Betreuung allein lässt.


Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter, dass es eine gute Lösung für alle gibt.


Mit freundlichen Grüßen

Anja Holzapfel

Bewertung des Fragestellers 05.01.2020 | 21:04

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