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Umsatzsteuersonderprüfung Buchhaltungsfehler

16.11.2017 21:32 |
Preis: 25,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Uns ist bezügl. Handwerksbetrieb eine Anordnung zur Umsatzsteuer-Sonderprüfung zugestellt worden. (Prüfzeitraum 1,5 Jahre)

Daraufhin haben sofort begonnen, die Buchführung noch einmal auf Sortierung und Vollständigkeit zu prüfen. Dabei sind uns direkt 3 Punkte aufgefallen.

Punkt 1: Es tauchte auf den Auszügen eine Gutschrift von etwa 400 Euro auf, die keine Rechnungsnummer enthielt, aber im Nachhinein mit etwas Recherche klar einer Zahlung von einem Kunden zuzuordnen war. Der dazugehörige Betrag tauchte aber nicht unserer Buchführung auf, da zu diesem Betrag schlicht von uns nie eine Rechnung ausgestellt wurde. Dies wurde vergessen und auch der zahlende Kunde hat es nicht bemerkt (obwohl ein städtischer Verein).

Punkt 2: Eine relative große Zahlung (um die 2100 Euro) fand sich ebenfalls in den Auszügen, aber nicht in den Büchern. Hier wurde allerdings eine Rechnungsnummer angegeben. Daher konnten wir uns auf die Suche machen. Wir fanden die Digitalversion der Rechnung auch, aber nicht die Druckversion (anhand der Druckversionen im Belegeordner haben wir unsere Buchführung erstellt). Die Lösung lies sich schnell finden, die Rechnung war im Belegordner, allerdings durch Klebstoffflecken (wir sind ein kleberverabeitender Betrieb ohne Büro, bei uns findet die Buchhaltung in der Werkhalle statt). mit einer Rechnung davor verklebt, so dass sie beim Umblättern nicht auffiel.

Punkt 3: Auf den Auszügen fand sich eine Anzahlung (Materialkosten, etwa 1000) für einen Auftrag, die dann später der Rechnung zugeordnet wurde. Auf der Rechnung wurde aber scheinbar nur der Arbeitsaufwand in Rechnung gestellt. Das heißt, auch der Kunde bekam eine viel zu kleine Rechnung, bemerkte es allerdings auch nicht.

Das sind die drei Makel (Gesamtwert also 3500-4000 Euro, Umsatzsteuerwert demnach etwa 760 Euro).




Dazu muss man sagen, dass wir mehr oder weniger überfordert mit der Buchführung sind. Wir waren bis Mitte des besagten Jahres nach telefonischer Fehlinfo durch das FA in dem Glauben, weiterhin Kleinunternehmer zu sein. Eines Tages stellte sich dann heraus, dass wir Umsatzsteuer abführen müssen, diese müssen wir natürlich abführen, obwohl wir sie den Kunden nie in Rechnung gestellt haben). Ebenso änderten sich somit natürlich auch die Buchführungspflichten, sodass wir seitdem mit allem hinterher hängen. Beispielsweise haben wir für das Jahr 1 gar keine Voranmeldungen mehr abgegeben, weil dann schon die Jahreserklärung fällig war. Ebenso verhält es sich in Jahr zwei. Hierzu sei erwähnt, dass wir über 6 Monate hinweg immer wieder angemahnt wurden, wir mögen doch bitte die Umsatzsteuer des Jahres 2016 abgeben, wobei wir immer wieder anführten, dies bereits getan zu haben und dies auch belegten, bis das Finanzamt uns dann mitteilte: "Mag sein dass Sie die abgegeben haben, aber die wird nicht bearbeitet, bis die EÜR dazu vorliegt". Natürlich wurden auch Säumniszuschläge für die Umsatzsteuererklärung verlangt, obwohl sie bereits abgeben wurde. Interessanterweise hatte das FA die Steuererklärung des Vorjahres aber auch bearbeitet, obwohl noch keine EÜR vorlag. Auch für das laufende Jahr liegen noch keine Umsatzsteuervoranmeldungen vor, (allerdings wird seit 3 Wochen daran gearbeitet), da wir bisher durch immer neue Nachfragen des FA noch mit alten Steuersachen beschäftigt waren, z.b. mit der Umsatzsteuererklärung 2016 (Prompt nach Bearbeitung kam auch schon die Prüfungsanordnung). Hinzu kommt dass beide Unternehmenspartner hauptberuflich eigentlich Studenten sind, einer noch nebenbei mit privat sehr belastenden Umständen (Krebserkrankung des Bruders, Pflegebedürftigkeit der Mutter, etc)


Nun unsere Fragen:

a) Wie bewerten Sie die Punkte 1-3 hinsichtlich zu erwartender Strafe, bzw kann hier von fehlendem Vorsatz ausgegangen werden?

b) Ist das Verhalten des FA zulässig, eine Umsatzsteuererklärung einfach nicht zu bearbeiten, bis die EÜR dazu eingereicht wurde? Das wirkt fast so als ginge man von Fehlern in der Buchhaltung aus, und versuche noch den Steuerpflichtigen dazu zu zwingen, auf Basis der eventuell fehlerhaften Buchführung noch mehr steuerrelevante Erklärungen abzugeben.

c) Können wir jetzt noch an das FA herantreten und mitteilen, dass uns im Zuge der Vorbereitungen auf die Sonderprüfung selbst Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind, und wir diese nachmelden möchten? Würde das vor einer Strafe schützen? Besonders hinsichtlich Berufserlaubnis nach dem Studium wäre eine hohe Strafe von mehr als 90 TS zu vermeiden.

Ich bedanke mich vielmals vorab.
22.11.2017 | 20:03

Antwort

von


(139)
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte Ihre Frage auf Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben. Bitte beachten Sie, dass schon geringe Abweichungen im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Bewertung führen können.

Mit der Überprüfung Ihrer Buchhaltung haben Sie zunächst vollkommen richtig gehandelt. Dass hierbei Fehler aufgetaucht sind, ist dann nicht schlimm, wenn Sie folgendes beachten: Reichen Sie umgehend eine berichtigte Umsatzsteuerjahreserklärung bzw. Voranmeldung für die betroffenen Zeiträume ein. Dadurch erreichen Sie auf Grund der relativ niedrigen "hinterzogenen" Steuer eine strafbefreiende Selbstanzeige. Die daraufhin festgesetzte Umsatzsteuer muss jedoch auch umgehend abgeführt werden für die strafbefreiende Wirkung.

Da Sie angeben, dass Sie mit der Buchführung überfordert sind, muss ich Ihnen dringend raten zukünftig auf einen Steuerberater zurückzugreifen. Des Weiteren führt diese Angabe dazu, dass Sie für die Erklärungen 2016 bereits seit dem 31.05.2017 überfällig mit der Erklärungsabgabe sind.

Eine Umsatzsteuerjahreserklärung kann durch das Finanzamt nur durch Abgleich mit der eingereichten Gewinnermittlung überprüft werden. Solange diese nicht vorliegt, kann insbesondere in Erstattungsfällen (Vorsteuerüberschuss) keine Verarbeitung stattfinden.

Ich hoffe Ihre Frage (auch dem Einsatz entsprechend) umfassend beantwortet zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein, nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 24.11.2017 | 11:12

Sehr geehrter Herr RA Krueckemeyer,

wir bedanken uns für die Beantwortung unserer Frage. Eine kleine Nachfrage habe ich dennoch.
Sie schrieben von einer strafbefreienden Selbstanzeigen, wenn wir noch vor der Prüfung berichtigen.

Nun hat allerdings ein befreundeter Jurist (nicht als Anwalt tätig) eine anonyme Anfrage beim FA gestartet - und erhielt hier die Information, dass eine strafbefreiende Selbstanzeige in dieser Situation schon nicht mehr möglich ist, da die Anordnung der Prüfung bereits ergangen und dem zu Prüfenden bekannt ist. Können Sie das bestätigen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.11.2017 | 11:45

Sehr geehrter Fragesteller,

Vielen Dank für die Nachfrage.

Ob eine Selbstanzeige strafbefreiend wirkt liegt grundsätzlich im Ermessen des Sachbearbeiters. Angesichts der Höhe will aber selbst bei einer Strafanzeige keine Verfolgung aufgenommen. In jedem Fall würde eine Strafanzeige jetzt für sie nur positiv bewertet. Die Fehler in der Buchhaltung werden spätestens bei der Betriebsprüfung aufgedeckt.

Ich bleibe daher dabei dass die Selbstanzeige für Sie nunmehr der sicherste Weg ist. Angesichts der geringen Höhe entspricht es nicht meiner Erfahrung, dass Hier eine Strafverfolgung aufgenommen wird.

Ich hoffe Ihre Fragen mehr beantwortet zu haben. Über eine positive Bewertung würde ich mich freuen. Sollten weitere Nachfragen bestehen können Sie mich gerne via E-Mail kontaktieren.


Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt

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