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Umsatzsteuer an Amazon abführen, auch bei Kleingewerbe?


| 18.09.2008 08:06 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Reinhard Schweizer



Guten Morgen,
ich habe eine kleines Online-Antiquariat auf Kleingewerbebasis. Daher führe ich keine Umsatzsteuer ab und habe auch keine UST-ID. In einem Händlerforum erfuhr ich nun, dass man auch als Kleingewerbler Umsatzsteuer auf Gebühren abzuführen habe, wenn man bei ebay oder amazon verkauft. Amazon sitzt in Luxemburg und dies sei der Grund.
Hier die Quelle, auf die man sich beruft:
http://www.internetrecht-rostock.de/kleinunternehmer-steuern.htm
Zitat: „Kleinunternehmer als Steuerschuldner?
Grundsätzlich wird bei einem Kleinunternehmer die geschuldete Umsatzsteuer für seine Leistungen nicht erhoben.
Von diesem Grundsatz gibt es aber Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist die zu zahlende Umsatzsteuer beim Übergang der Steuerschuld nach § 13b UStG.
Trägt sich ein Onlinehändler bei eBay als Unternehmer ein (hinterlegen der USt-ID-Nummer), so erhält er eine Netto-Rechnung. Die Umsatzsteuer wird nicht ausgewiesen! Doch warum ist das so?
Der deutsche Onlinehändler ist verpflichtet die Umsatzsteuer für die Leistung von eBay in Deutschland zu zahlen. Dies sind jetzt 19%. Und hier macht der Kleinunternehmer keine Ausnahme. Würde er in Deutschland die Umsatzsteuer nicht für eBay zahlen, so würde niemand zahlen. Der Kleinunternehmer ist hier der Schuldner.
Die vom Kleinunternehmer gezahlte Umsatzsteuer zahlt er nicht für seine (hierfür müsste er ja nicht zahlen) sondern für die Leistung von eBay. Bekannt dürfte sein, dass ein Kleinunternehmer keine Vorsteuer ziehen darf. Dementsprechend ist der Abzug der nach §13b für die Leistungen von eBay geschuldete Steuer als Vorsteuer auch nicht möglich. D. h. der Kleinunternehmer zahlt die Steuer, darf sie aber nicht gleichzeitig wieder als Vorsteuer ziehen.
Beispiel:
Tax ist Kleinunternehmer und hat bei eBay 100 Artikel eingestellt. eBay stellt eine Netto-Rechnung über 21,74 €. Tax muss in Deutschland 19% Umsatzsteuer auf den Nettobetrag zahlen. Dies sind 3,48 €. In Summe zahlt er also 25,22 €, da ein Kleinunternehmer die Vorsteuer nicht gelten machen kann. (Zahlen sind ausgedacht und entsprechen nicht den aktuellen Gebühren)“ Zitatende

Meine Frage ist nun : Muß ich auf die Gebühren von Amazon USt abführen, und wenn ja bekomme ich dazu eine UST-ID ohne auf die Kleingewerberegelung verzichten zu müssen ?
Mein Steuerberater sagte, sobald ich eine UST-ID habe, optiere ich zur „Regelumsatzsteuer“ ?! Bei deutsche-anwaltshotline.de habe ich telefonisch einen Steuerrechtler befragt, dieser meinte ich müsse keine Steuern zahlen, könne aber trotzdem eine UST-Id bekommen ohne auf die Kleingewerberegelung verzichten zu müssen.
Bin jetzt etwas verwirrt, ob der vielen verschiedene Aussagen.
Vielleicht können Sie Klarheit schaffen.
Vielen Dank

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Online-Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gerne wie folgt beantworten möchte:

Ihre Verwirrung ist verständlich, aber die Rechtslage ist eindeutig:

Sie müssen auf die Gebühren von Amazon bzw. Ebay die Umsatzsteuer an Ihr zuständiges Finanzamt abführen, obwohl Sie eigentlich nur Kleinunternehmerin sind!

Dazu im Einzelnen:

Amazon bzw. Ebay erbringen umsatzsteuerrechtlich eine auf elektronischem Wege erbrachte sonstige Leistung i. S. des § 3 Abs. 9 UStG.
Diese sonstige Leistung wird nach § 3a Abs. 4 Nr. 14 i. V. mit Abs. 3 Satz 1 UStG hier in Deutschland ausgeführt, da Sie hier Ihr Unternehmen betreiben.
Die von Amazon bzw. Ebay erbrachten Leistungen sind deshalb umsatzsteuerpflichtig.
Diese Steuerschuld wird nun nach § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i. V. mit Abs. 2 UStG auf den Leistungsempfänger (also auf Sie) übertragen, da es sich bei Amazon bzw. Ebay um einen im Ausland ansässigen Unternehmer handelt (laut Allgemeine Geschäftsbedingungen liegt der Sitz jeweils in Luxemburg!).
Die Übertragung der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger findet auch dann statt, wenn dieser „nur“ ein Kleinunternehmer ist (§ 19 Abs. 1 Satz 3 UStG).

Sie müssen also in der USt-Jahreserklärung die von Amazon bzw. Ebay berechneten Gebühren angeben (bei § 13b UStG – Empfänger schuldet die Steuer) und 19 % Umsatzsteuer abführen.
Ein Vorsteuerabzug steht Ihnen als Kleinunternehmerin jedoch nicht zu (§ 19 Abs. 1 Satz 4 UStG).

Sofern Sie dies in der Vergangenheit (aus Unkenntnis) falsch gemacht haben, sollten Sie UMGEHEND eine berichtigte USt-Erklärung des betreffenden Jahres abgeben. Dies gilt dann als strafbefreiende Selbstanzeige, sodass Sie keine steuerstrafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben.

Ferner sollten Sie beim Bundeszentralamt für Steuern eine Wirtschafts-Identifikationsnummer (früher: Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) beantragen. Dies kann man auch als Kleinunternehmerin und gilt insbesondere auch nicht als Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung.
Amazon bzw. Ebay stellen dann anschließend entsprechende Netto-Rechnungen aus.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in der Sache weiterhelfen konnte.

Mit besten Grüßen

Reinhard Schweizer
Rechtsanwalt, Dipl.-Finanzwirt

Nachfrage vom Fragesteller 26.09.2008 | 08:02

Vielen Dank!
Ich habe jetzt eine berichtigte Umsatzsteuererklärung veranlasst und eine USt-ID beantragt.
Meine Nachfrage ist nun:
Muß ich die USt-ID nur dort angeben, wo ich dann auch umsatzsteuerpflichtig bin, also nur bei Amazon ? Oder muß ich sie auf allen Plattformen, auf denen ich verkaufe (www.zvab.de, www.antbo.de, www.booklooker.de...) und auf all meinen Rechnungen und auf meiner Homepage angeben?
Vielen Dank
Beste Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.09.2008 | 11:31

Sehr geehrte Fragestellerin,

Sie müssen die USt-ID auf allen Plattformen angeben.

Mit besten Grüßen

Reinhard Schweizer
RA, Dipl.-Fw.

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