Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
499.757
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Umsatzsteuer Voranmeldung

| 23.08.2018 13:04 |
Preis: 68,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Ansatz der Einfuhrumsatzsteuer in der Umsatzsteuervoranmeldung
Unterschied zwischen Reverse-charge-Verfahren und innergemeinschaftlicher Erwerb bzw. Einfuhrumsatzsteuer im Hinblick auf den Vorsteuerabzug.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe eine Frage zum korrekten Ausfüllen der USt-Voranmeldung für die folgenden Vorfälle:

1. Warenlieferung aus Europa
Die Lieferung aus Europa (Bekleidungsartikel) sind in 89 (Steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe) und 61 (Vorsteuerbeträge aus dem innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen) einzufügen, richtig? Wie sieht hierbei die Behandlung des Vorsteuerabzuges aus? Es ist ja nicht das Reverse Charge Verfahren, aber dennoch ist die Behandlung ähnlich?


2.Warenlieferung außerhalb Europa
Die Lieferungen von außerhalb Europa (Accesoires und Bekleidungsartikel) kommt in die Felder 52/53/67 (andere Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers) und das Reverse Charge Verfahren greift, oder?

Haben Sie eventuell noch Beispiele für Vorfälle, die die Punkte 46/47/67 und 52/53/67 betreffen?

Wenn Sie noch ein Beispiel für eine Werklieferung haben wäre das auch sehr hilfreich. Ein fertiges Produkt ist ja keine Werklieferung, oder?

Ich danke Ihnen vielmals!
23.08.2018 | 18:56

Antwort

von


(17)
Tackheide 74a
47804 Krefeld
Tel: 02151 4467408
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller.

Auf der Grundlage der erteilten Infomationen beantworte ich Ihnen die Frage wie folgt:

Der Vorsteuerabzug richtet sich nach § 15 Umsatzsteuergesetz; Umsatzsteuergesetz (UStG)


§ 15 Vorsteuerabzug
(1) Der Unternehmer kann die folgenden Vorsteuerbeträge abziehen:

1.
die gesetzlich geschuldete Steuer für Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. Die Ausübung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den §§ 14, 14a ausgestellte Rechnung besitzt. Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausführung dieser Umsätze entfällt, ist er bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet worden ist;
2.
die entstandene Einfuhrumsatzsteuer für Gegenstände, die für sein Unternehmen nach § 1 Absatz 1 Nummer 4 eingeführt worden sind;
3.
die Steuer für den innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen für sein Unternehmen, wenn der innergemeinschaftliche Erwerb nach § 3d Satz 1 im Inland bewirkt wird;
4.
die Steuer für Leistungen im Sinne des § 13b Absatz 1 und 2, die für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. Soweit die Steuer auf eine Zahlung vor Ausführung dieser Leistungen entfällt, ist sie abziehbar, wenn die Zahlung geleistet worden ist;



1. Die Voraussetzungen eines innergemeinschaftlichen Lieferung liegen grundsätzlich vor, wenn ein Unternehmer aus der EG Ihnen einen Gegenstand liefert. Der Ort der Lieferung befindet sich hier in dem anderen EG-Staat, weil sich der Ort der Lieferung grundsätzlich dort befindet, wo die Lierung beginnt und nicht dort, wo sie endet. Sie ist grundsätzlich im anderen EG-Staat steuerfrei und hier nicht als Lieferung, sondern als innergemeinschaftlicher Erwerb steuerbar und steuerpflichtig. Diese Umsatzsteuer schulden Sie als Unternehmer und können sie zugleich als Vorsteuer gem. § 15 Absatz 1 Nr. 3 UStG als Vorsteuer geltend machen.

2. Bei der Einfuhr aus nicht EG-Staaten - Drittländern - gibt es begrifflich keinen innergemeinschaftlichen Erwerb, sondern eine Einfuhr. Demzufolge wird Einfuhrumsatzsteuer erhoben. Diese Einführumsatzsteuer können Sie gem. § 15 Abs. 1 Nr. 2 UStG als Vorsteuer geltend machen. Hierbei handelt es sich nicht um das reverse-charge-Verfahren. Die Einfuhrumsatzsteuer ist demnach unter Kennziffer 62 einzutragen (s. auch http://umsatzsteuer-voranmeldung.taxpool.net/Umsatzsteuer-Voranmeldung-2018.pdf )

3. In den Fällen unter 1. und 2. befand sich der Ort der Lieferung grundsätzlich nicht in Deutschland. Der Umsatz war daher in Deutschland nicht steuerbar. Das (deutsche) Reverse-charge-Verfahren setzt jedoch gerade voraus, dass der Umsatz in Deutschland steuerbar und steuerpflichtig ist. Sonst entsteht keine Umsatzsteuerschuld. Also könnte die Umsatzteuerschuld dann auch nicht verlagert werden. Das übliche Reverse-charge Verfahren ergibt aus § 13b Absatz 5 Umsatzsteuergesetz.

Mit den unter 1. und 2. genannten Fällen hat dieses Verfahren gemein, dass der Empfänger einer Leistung im Ergebnis Steuerschuldner ist und er die eigene Steuerschuld als Vorsteuer geltend machen kann (hier gem. § 15 Absatz 1 Nr. 4 UStG).

Nur Informationshalber füge ich die - z. T. schwer verständlichen - Gesetzestexte bei. Aus der Bezugnahme in § 13 Absatz 5 Umsatzsteuergesetz unter anderem auf § 13 Absatz 1 UStG ergibt sich, dass das (deutsche) reverse-charge Verfahren eine Steuerpflicht der Lieferung/sonstigen Leisung in Deutschland voraussetzt.

§ 13b UStG

(5) In den in den Absätzen 1 und 2 Nummer 1 bis 3 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer, wenn er ein Unternehmer oder eine juristische Person ist; in den in Absatz 2 Nummer 5 Buchstabe a, Nummer 6, 7, 9 bis 11 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer, wenn er ein Unternehmer ist. In den in Absatz 2 Nummer 4 Satz 1 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer unabhängig davon, ob er sie für eine von ihm erbrachte Leistung im Sinne des Absatzes 2 Nummer 4 Satz 1 verwendet, wenn er ein Unternehmer ist, der nachhaltig entsprechende Leistungen erbringt; davon ist auszugehen, wenn ihm das zuständige Finanzamt eine im Zeitpunkt der Ausführung des Umsatzes gültige auf längstens drei Jahre befristete Bescheinigung, die nur mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder zurückgenommen werden kann, darüber erteilt hat, dass er ein Unternehmer ist, der entsprechende Leistungen erbringt. Bei den in Absatz 2 Nummer 5 Buchstabe b genannten Lieferungen von Erdgas schuldet der Leistungsempfänger die Steuer, wenn er ein Wiederverkäufer von Erdgas im Sinne des § 3g ist. Bei den in Absatz 2 Nummer 5 Buchstabe b genannten Lieferungen von Elektrizität schuldet der Leistungsempfänger in den Fällen die Steuer, in denen der liefernde Unternehmer und der Leistungsempfänger Wiederverkäufer von Elektrizität im Sinne des § 3g sind. In den in Absatz 2 Nummer 8 Satz 1 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer unabhängig davon, ob er sie für eine von ihm erbrachte Leistung im Sinne des Absatzes 2 Nummer 8 Satz 1 verwendet, wenn er ein Unternehmer ist, der nachhaltig entsprechende Leistungen erbringt; davon ist auszugehen, wenn ihm das zuständige Finanzamt eine im Zeitpunkt der Ausführung des Umsatzes gültige auf längstens drei Jahre befristete Bescheinigung, die nur mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder zurückgenommen werden kann, darüber erteilt hat, dass er ein Unternehmer ist, der entsprechende Leistungen erbringt. Die Sätze 1 bis 5 gelten vorbehaltlich des Satzes 10 auch, wenn die Leistung für den nichtunternehmerischen Bereich bezogen wird. Sind Leistungsempfänger und leistender Unternehmer in Zweifelsfällen übereinstimmend vom Vorliegen der Voraussetzungen des Absatzes 2 Nummer 4, 5 Buchstabe b, Nummer 7 bis 11 ausgegangen, obwohl dies nach der Art der Umsätze unter Anlegung objektiver Kriterien nicht zutreffend war, gilt der Leistungsempfänger dennoch als Steuerschuldner, sofern dadurch keine Steuerausfälle entstehen. Die Sätze 1 bis 6 gelten nicht, wenn bei dem Unternehmer, der die Umsätze ausführt, die Steuer nach § 19 Absatz 1 nicht erhoben wird. Die Sätze 1 bis 8 gelten nicht, wenn ein in Absatz 2 Nummer 2, 7 oder 9 bis 11 genannter Gegenstand von dem Unternehmer, der die Lieferung bewirkt, unter den Voraussetzungen des § 25a geliefert wird. In den in Absatz 2 Nummer 4, 5 Buchstabe b und Nummer 7 bis 11 genannten Fällen schulden juristische Personen des öffentlichen Rechts die Steuer nicht, wenn sie die Leistung für den nichtunternehmerischen Bereich beziehen.

(1) Für nach § 3a Absatz 2 im Inland steuerpflichtige sonstige Leistungen eines im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmers entsteht die Steuer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Leistungen ausgeführt worden sind.




Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass dieses Forum eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern vor allem dafür gedacht ist, eine erste rechtliche Einschätzung zu ermöglichen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen könnte die rechtliche Beurteilung Ihres Anliegens anders ausfallen.

Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen


Nachfrage vom Fragesteller 24.08.2018 | 17:47

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!


Also verstehe ich es richtig dass im Fall 1 (Warenlieferung aus EU-Land) dieKennzifern 89/61 gelten und im Fall 2 wird die Einfuhrumsatzsteuer in Kennziffer 62 eingetragen.

Die Kennziffern 52/53/67 werden von Fall 2 nicht betroffen und bleiben somit leer.

Ist das korrekt?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.08.2018 | 19:33

Sehr geehrter Herr Fragesteller,

Sie haben alles zutreffend erfasst.

1. innergemeinschaftlicher Erwerb in Kz 89
Vorsteuer hieraus in Kz. 61


2. Einfuhrumsatzsteuer in Kz. 62
Die Kz. 52/53/67 bleiben leer, weil kein Fall des § 13b Umsatzsteuergesetz vorliegt (keine steuerpflichtige Lieferung/sonstige Leistung im Inland)

Wenn Sie nur fertige Textilien ein- und verkaufen, beziehen und erbringen Sie keine Werklieferung. Hauptanwendungsfall einer Werklieferung ist z. B. die Errichtung eines Bauwerkes durch einen Bauunternehmer. Die Werklieferung ist in § 3 Abs. 4 Umsatzsteuergesetz definiert:

"§ 3 Lieferung, sonstige Leistung

(4) Hat der Unternehmer die Bearbeitung oder Verarbeitung eines Gegenstands übernommen und verwendet er hierbei Stoffe, die er selbst beschafft, so ist die Leistung als Lieferung anzusehen (Werklieferung), wenn es sich bei den Stoffen nicht nur um Zutaten oder sonstige Nebensachen handelt. Das gilt auch dann, wenn die Gegenstände mit dem Grund und Boden fest verbunden werden."

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben.


Mit freundlichen Grüßen

Franz Meyer
Rechtsanwalt


Ergänzung vom Anwalt 23.08.2018 | 19:42

Die Einfuhrumsatzsteuer selbst brauchen Sie nicht anzugeben. Die haben Sie ja schon beim Zoll bezahlt. Nur die entsprechende Vorsteuer müssen Sie eintragen.

Ergänzung vom Anwalt 23.08.2018 | 19:42

Die Einfuhrumsatzsteuer selbst brauchen Sie nicht anzugeben. Die haben Sie ja schon beim Zoll bezahlt. Nur die entsprechende Vorsteuer müssen Sie eintragen.

Bewertung des Fragestellers 24.08.2018 | 19:44

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Perfekt. Gerne wieder!
"
Stellungnahme vom Anwalt:
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Franz Meyer »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 24.08.2018
5/5,0

Perfekt. Gerne wieder!


ANTWORT VON

(17)

Tackheide 74a
47804 Krefeld
Tel: 02151 4467408
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Erbrecht, Familienrecht, Steuerrecht, Insolvenzrecht, Strafrecht