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Umsatzsteuer Droppshipping / Firmensitz Ausland

20.04.2013 14:04 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Ich habe eine generelle Frage und hoffe auf Aufklärung zu diesem Fall.

Ich betreibe eine Firma im EU-Ausland (Kanarische Inseln) und würde nun gerne einen Online-Shop eröffnen. Geplant ist sowohl Dropshipping von Lieferanten in DE als auch ein eigenes Warenlager in DE.

Sprich der Kunde (aus DE) bestellt im Online-Shop (Firma/Betreiber sesshaft auf den kanarischen Inseln / EU-Ausland) die Lieferung erfolgt aber von DE (Lieferant) zum Kunden direkt.

Wie ist in diesem Falle nun steuertechnisch vorzugehen, wie ist es mit Vorsteuer-Abzug? Wenn ich Lieferungen in mein lokales Ladengeschäft bekomme so ist es defintiv ein Export und damit ohne USt. Würde ich von vom Ladengeschäft nach DE zum Endkunden versenden, dann wäre das in DE wieder ein Import inkl. aller Abgaben - soweit ist mir das auch klar. Wie verhält es sich aber nun, wenn mein Lieferant (in meinem Namen) direkt zum Endkunden verschickt? Wie wäre das zu regeln?

Verrechne ich die USt zum Endkunden weiter?
Wenn ja, wie führe ich diese ohne USt-ID ab?
Kann ich die Vorsteuer geltend machen?

Ich hätte angenommen, dass ich in dieser Konstellation nun der Bereitsteller zum Endkunden bin und deshalb (durch Ausland) keine Ust angebe - jedoch würde die Lieferung ja nicht durch den Zoll gehen.

Da ein reines Warenlager in DE ja noch keinen Betriebssitz darstellt, wie würde es sich mit eigenem Lager in DE verhalten?

Ich wäre über jede Hilfe in dieser Sache sehr dankbar

Sehr geehrter Fragesteller,

Vielen Dank für die eingestellte Frage. Diese möchte ich aufgrund ihrer Sachverhaltsangaben und in Ansehung des Einsatzes wie folgt beantworten.

Soweit Ihr Kunde als Verbraucher/Endkunde nicht Unternehmer (§ 2 UStG) ist, fällt zumindest einmal Umsatzsteuer an, auch bei einem grenzüberschreitendem innergemeinschaftlichen Erwerb.

Als Versender von den Kanarischen Inseln an deutsche Endkunden, ist die spanische Umsatzsteuer zu erheben. Soweit auf der deutschen Seite ein Unternehmer steht, kehrt sich die Pflicht der Entrichtung der Umsatzsteuerschuld auf diesen um, so dass der deutsche Unternehmer hier Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten hat, diese aber im Wege der Vorsteuererklärung von der Finanzbehörde zurück erhält.

So Sie denn einen deutschen Unternehmer dazwischen schalten und dieser lediglich als Erfüllungsgehilfe für Sie tätig wird, gilt das oben gesagte bezüglich dem deutschen Endkunden. Man spricht hier von einem sog. Reihengeschäft. Das Bundesfinanzministerium hat hierzu einen sehr umfassenden Katalog für die Anwendung dieser Umsatzsteuerfragen unter
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Umsatzsteuer/Umsatzsteuer-Anwendungserlass/Umsatzsteuer_Anwendungserlass_aktuell.pdf?__blob=publicationFile&v=24
zusammengestellt. Unter
http://www.ihk-nuernberg.de/de/media/PDF/Publikationen/Recht-Steuern/USt_Reihengeschaefte_EU_136.pdf
hat die IHK Nürnberg eine sehr hilfreiche Darstellung mit erklärenden Beispielen veröffentlicht.

Soweit sich aber der Weg der Waren, von dem des Vertrages unterscheidet, ist der Warenweg entscheidend für die Erhebung der Umsatzsteuer. Sollte also die Ware niemals ihren Weg auf die Kanarischen Inseln gefunden haben, sondern direkt nach Deutschland, in ein eigenes Warenlager oder in eines des beauftragten deutschen Versenders, fällt insoweit deutsche Umsatzsteuer an, soweit es sich auf der Seite des Endkunden nicht um einen Unternehmer handelt.

Eine deutsche USt ID ist nicht nötig, da diese auch zumindest eine deutsche Filiale erfordern würde. Jedoch ist nichts desto trotz eine umsatzsteuerliche Registrierung ausländischer Unternehmen in Deutschland möglich. Dies bezeichnet man als umsatzsteuerpflichtigen Handel für nicht im Inland ansässige Unternehmen.
Eine solche Umsatzsteuernummer muss vorhanden sein, bevor zu versteuernde Lieferungen anfallen.

Das dafür zuständige Finanzamt selbst konnte ich nicht ausfindig machen, jedoch erhalten Sie unter den link weiterführende Informationen. http://www.ofd.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=17533&article_id=67782&_psmand=110

Soweit weitere Fragen auftauchen, bitte ich darum diese im Wege der hier einmaligen kostenfreien Nachfragefunktion zu stellen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 20.04.2013 | 16:16

Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Bei Direktversand von den kanarischen Inseln kann doch die spanische MWSt nicht anfallen, da die Kanaren außerhalb des Anwendungsbereiches der USt sind (Ausfuhrlieferung). Das aber nur nebenbei da ja nicht Teil der Frage.

Als internationaler Versender muss ich also deutsche Kunden tatsächlich als Ausnahme behandeln oder müsste ich in diesem Fall (tatsächlicher Versendeort = DE, also Dropshipping) auch an andere europäische (End)Kunden (Verbraucher) dann die deutsche USt einheben. Dies nur zu meinem Verständis, weil der Warenwegs-Ursprung wäre ja nach wie vor DE in diesem Fall. Hat der Lieferant (in DE) nun die USt von mir (als Mittler) einzuheben oder nicht - ich hätte ja nach wie vor keine USt-ID - oder bekäme ich eine?

Für mich als Händler gestaltet sich dann alles als noch viel komplizierter wenn ich verschiedene Warenlager/Lieferanten nutze, die je nach Verfügbarkeit erst nach Bestellung+Bezahlung gewählt würden - sehe ich mich also eigentlich gezwungen pauschal von jedem europäischen Endkunden die landeseigene USt einzuheben und an die einzelnen Finanzämter abzuführen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.04.2013 | 22:43

Sehr geehrter Fragesteller,

Spanische Mehrwertsteuer: Ich kann hier nur spekulieren, hinsichtlich einer der deutschen Regelung gleichlautenden Umsatzsteuerregelung im spanischen Recht. Genau diese sollte es aber aufgrund der Harmonisierung des Umsatzsteuerrechts innerhalb der EU geben. Ein deutscher Händler, der innerhalb der EU Waren an Nicht-Unternehmer liefert hat hierfür stets Umsatzsteuer abzuführen, ob er diese von Kunden verlangt ist Sache des Unternehmers.
Daher gehe ich davon aus, dass es sich ebenso in Spanien verhält, aber wie Sie schon sagten, dies nur am Rande.

Soweit Sie die Ware ab Deutschland an Verbraucher in der EU versenden, ist die deutsche Mehrwertsteuer zu erheben und in Deutschland abzuführen. Hierfür benötigen Sie umsatzsteuerliche Registrierung ausländischer Unternehmen in Deutschland, wie oben beschrieben.

Ob der Lieferant hier die eigene USt-ID zu verwenden hat oder eben nicht, hängt von der Tatsache ab, ob er in eigenem Namen handelt oder im Auftrag eines anderen (also Ihnen). In diesem Fall tritt der Lieferant auf der zu erstellenden Rechnung nicht in Erscheinung, sondern Ihr Unternehmen mit der zugewiesenen deutschen USt-ID mit der deutschen Mehrwertsteuer.

Wenn Sie in Frankreich ein Warenlager unterhielten, müssten Sie die Prozedur wie beschrieben mit französischer USt-ID und französischer Mehrwertsteuer ebenso durchführen. Insoweit also nur landeseigene pro Versendungsort, aber nicht Lieferort des (End)Verbrauchers.
Also auch nur an die jeweiligen Finanzämter des jeweiligen Versender-Landes die erhobene USt abführen. Die deutsche Mehrwertsteuer ist in der französischen oder spanischen Finanzbehörde nicht gern gesehen.

Bei Unternehmern/Unternehmen als Empfänger der Ware handelt es sich regelmäßig um eine umsatzsteuerbefreite innergemeinschaftliche Leistung.

Gern stehe ich Ihnen auch künftig für Ihre rechtlichen Fragen auch gern außerhalb dieses Portals zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

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