Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Umgangsrecht Großeltern Jugendamt

27.05.2011 14:06 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Grübnau-Rieken, LL.M., M.A.


Meine Familie und ich sind seit 1 Jahr in ein anderes Bundesland gezogen, weil es eine neue Arbeitsstelle gab.

Eins der Kinder hat einen leiblichen Vater, der uns gemeinsam mit den Großeltern gerichtlich an diesem Umzug wollte. Das Sorgerecht sollte entzogen und das Kind in einer Pflegefamilie untergebracht werden, er selbst hatte keinen Platz dafür. Das Gericht hat dem erwartungsgemäß nicht zugestimmt, es gab nicht die geringste Veranlassung außer dem beruflichen Umzug.

Seither gibt es weder Anrufe, E-Mails, Postkarten, Briefe geschweige denn Geschenke zu Ostern, Weihnachten, Geburtstag - weder vom leiblichen Vater noch von den Großeltern.

Unsere Tochter (12) hat damals dem Jugendamt auch in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass sie niemanden "von denen" mehr sehen wolle, und daran hat sich auch nichts geändert. Sie fühlt sich zutiefst betrogen, dass sie aus ihrer Familie gerissen werden sollte.

Darüber hinaus sagte unsere Tochter, dass sie von ihren Großeltern permanent dazu angehalten wurde, den Eltern Widerstand zu leisten und nur auf die Großeltern zu hören, keine Hausaufgaben zu machen wenn sie nicht wolle und vieles mehr. Sie war so hin und hergerissen, dass sie in psychologische Behandlung musste und sogar der Verdacht seitens des Therapeuten geäußert wurde, dass es sexuelle Nötigung seitens der Großeltern gegeben haben könnte. Ihre Schulleistungen ließen immer weiter nach, ein Zusammenleben mit den beiden Geschwistern immer problematischer. Seit wir umgezogen sind und der Kontakt abgebrochen wurde, geht es ihr immer besser. Die Noten werden besser, der Umgang ist herzlich und offen und eine psych. Behandlung ist absolut nicht mehr notwendig.

Nun erhielten wir vom Großvater nach 13-monatigem Schweigen einen Brief. Dieser soll über das Jugendamt im Beisein der Kinder vorgetragen werden. Wir haben natürlich große Angst, dass Altes wieder aufgewärmt wird, was unserer Tochter und auch den anderen Kindern nicht gut tut. Kinder verzeihen vieles relativ schnell und/oder bemerken dann nicht, wie sie wieder in die gleiche Situation geraten.

Kurz: Wir möchten diesen Umgang in jeder Form verhindern.

Meine Fragen:

Bin ich verpflichtet, den Brief im Beisein der Kinder vorzulesen?

Falls der leibliche Vater erneut einen Umgangs- oder sogar Sorgerechtsprozess initiiert: Bekomme ich Probleme, wenn ich den Umgang zu den Großeltern aus den genannten Gründen noch verbiete?

Muss ich einen Kontakt mit den Großeltern überhaupt zustimmen oder kann ich ihn auch gegen den Willen des leiblichen Vaters, der sich ansonsten überahupt nicht kümmert, verbieten?

Die Großeltern sind noch jung und es ist in Ordnung, wenn die Kinder in 3-4 Jahren Kontakt aufnehmen, wenn sie es selbst wollen. Momentan halte ich es aber für absolut verkehrt und sogar gefährlich, da gerade meine Tochter sich aktuell so gut in der neuen Situation gefunden hat und definitiv keinen Kontakt wünscht.

Vielen Dank für Ihre kurzfristige Rückmeldung,
der Termin wurde bereits für Montag angekündigt.

Leider bin ich finanziell nicht in der Lage, mehr zu bieten. Ich hoffe dennoch um eine zeitnahe Antwort, vielen lieben Dank!

Sehr geehrte(r) Fragensteller(in),

aufgrund des von Ihnen vorgetragenen Sachverhaltes komme ich zu folgender Einschätzung:

1. Umgangsrecht der Großeltern

Da die Großeltern nach Ihrer Schilderung den Umgang gegenüber Ihnen nicht positiv gestalten haben, liegt es an Ihnen, den weiteren Umgang zu verweigern. Dies folgt auch aus der Rechtsprechung, wonach das Erziehungsrecht der personensorgeberechtigten Eltern vorgeht (OLG Hamm, Beschluß vom 23. 6. 2000 - 11 UF 26/00).

Im Mittelpunkt steht stets das Kindeswohl. So sieht es auch das Gesetz nach § 1685 I BGB vor, wo es heißt: "Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient."

"Großeltern haben nur dann ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient. Der diesbezügliche Nachweis muss von den Großeltern geführt werden", so das OLG Hamm in dem bereits zitierten Beschluss.

Die Haltung der Großeltern spricht eher dagegen, dass Sie dem Kindeswohl förderlich gegenüber stehen. Im Zusammenhang mit dem Brief empfehle ich, dies deutlich gegenüber dem Jugendamt zu kommunizieren.

Wollen die Großeltern Umgang, so müssen sich diese an das Familiengericht wenden, welches eine Stellungnahme des Jugendamtes einholt. Hier kommt dem Brief dann die entsprechende Wirkung zu.

Die Großeltern ihrerseits befürchten, dass Sie den Kindern den Brief nicht werden zukommen lassen, weswegen sie den Brief über das Jugendamt zukommen lassen wollen, da dieses unterstützend auch den Umgangsberechtigten nach § 1685 Hilfe angedeihen lässt.

Nach OLG Koblenz (Beschluss vom 29.09.1999 - 11 UF 386/99) ist "Eine am Kindeswohl orientierte, nicht unverständliche Ablehnung des Umgangs durch den sorgeberechtigten Elternteil kann sich aber gegenüber dem Kontaktwunsch des Kindes durchsetzen, wenn die umfassende Abwägung aller Einzelfallumstände nicht doch den Umgang erfordert."

Vor dem Hintergrund der psychischen Beeinträchtigung Ihrer Kinder ist es meiner Einschätzung nach nicht zumutbar und unverantwortlich, von Ihnen zu verlangen, den Brief im Beisein Ihrer Kinder zu verlesen.

Es wird also abgewogen werden müssen, ob das Recht der Großeltern, die Kindern kontaktieren zu dürfen gegenüber dem Recht des Kindes auf ungestörten, nicht psychisch belastende Entwicklung überwiegt.

Ich empfehle, dass Sie im Gespräch mit dem Jugendamt den Inhalt des Briefes erkunden, um dann abzuwägen, ob Sie einer weiteren Kontaktaufnahme zustimmen wollen oder nicht.

2. Umgangsrechtsprozess

Sollte der leibliche Vater einen Prozess anstrengen, kann Ihnen nicht negativ zur Last gelegt werden, dass sie den Großeltern den Umgang veweigert haben, denn der Kindesvater macht ein eigenes Umgangsrecht geltend, welches unabhängig von den Großeltern ist.

Auch hier wird es um die Frage gehen, ob ein Umgang mit dem Kindsvater förderlich für das Wohl der Kinder ist.

Abschließend ist zu sagen, dass eine Kontaktaufnahe, die von Ihrer Tochter unerwünscht ist, so lange gilt, bis sie Gegenteiliges äußert. In diesem Zusammenhang ist Ihre Tochter wohl bereits vom Jugendamt oder Gericht angehört worden?

Wenn dies nicht der Fall ist, wird man die Kinder im Umgangsrechtsverfahren befragen ohne Beisein Ihrer Person.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen haben zu können und verbleibe

mit den besten Grüßen

Michael Grübnau-Rieken

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 67819 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Herr Hagena hat uns sehr verständlich unter Benennung der Rechtsquellen eine detaillierte Bewertung eines Sachverhaltes in den Rechtsgebieten Erb- und Kaufvertragsrecht zur Verfügung gestellt. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ich bin sehr dankbar für Herrn Rechtsanwalt Shaladis´Hilfe. Er ist sehr sehr freundlich und hilfsbereit und hat mir in meinem nicht ganz so einfachen Fall sehr weitergeholfen. Vielen Dank! Ich empfehle Rechtsanwalt Shaladi uneinigeschränkt ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr zügige und kompetente Beratung. Gerne wieder. ...
FRAGESTELLER