Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.170
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Überfall - wie gehts weiter?


07.05.2007 17:56 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Böhler



Guten Tag,

ich habe folgendes Anliegen:
im September vergangenen Jahres habe ich für mich heute unbegreiflich dummerweise 2 Straftaten begangen. Ich bin eigentlich ein sehr anständiger 22 Jähriger junger Mann, der zu diesem Zeitpunkt in einer finanziellen Kriese steckte.
Hierbei handelt es sich um 2 "kleinere" Überfälle, einmal auf einen Drogeriemarkt (30 Euro Beute) und eine kleine Bäckerei (100 Euro Beute). Bei der zweiten Tat wurde ich kurz darauf verhaftet, gab freiwillig die erste Tat zu und wurde zur Abgabe des Geständnisses, Fotos, Fingerabdrücke, DNA mit auf die Dienststelle genommen, die ich jedoch auf Grund meines festen Wohnsitzes, meiner vollsten Geständigkeit und "weisser Weste" nach ein paar Std. wieder verlassen konnte. Bis heute habe ich noch keine Vorladung zwecks Gerichtsverfahren erhalten, jedoch rechne ich jeden Tag damit.
Bei beiden Taten war ich mit einer Softair Pistole (frei ab 14J.) bewaffnet, die ich jedoch nicht aus meinem Hosenbund zog sondern einen Zettel mit meiner Geldforderung auf den Tresen legte.
Zwischen den beiden Taten lagen ca. 3 Wochen. Als "Begründung" ist zusagen: ich war zu diesem Zeitpunkt arbeitslos und erhielt von der Agentur für Arbeit auf Grund einer Sanktion lediglich einen Mietanteil überwiesen, jedoch kein Geld für weitere Nebenkosten. Ich habe Schulden von ca. 6000,00 Euro zu bezahlen und suchte eine Schuldnerberatung auf, wo ich jedoch keine richtige Hilfe erhielt sondern sich dieses nur weiter in die Länge zog. Fast täglich erhielt ich Briefe angefangen von Mahnungen, über Briefe von Inkasso und Rechtsanwälten, bis hin zu den "gelben Briefen" vom Gericht mit Mahn- u. Vollstreckungsbescheiden u. Besuchen vom GV. Da ich nicht mehr wusste wie ich meine Existenz sichern sollte, Angst vor Wohnungsverlust u.s.w. hatte u. dadurch mehr und mehr psychisch und physisch kaputt ging kam es zu diesen beiden Vorfällen die ich heute sehr bereue und definitiv niemals wiederholen würde. Seit meiner Aussage habe ich mir nichts mehr zu Schulden kommen lassen u. habe dieses selbstverständlich auch nicht vor.
Seit kurz nach dem Geschehen kann ich heute wieder eine feste Arbeit nachweisen u. meine Schulden in kleinen Beträgen abtragen. Ich habe und hatte auch nie was mit Alkohol/Drogenkonsum zutun sondern
meine Straftaten sind wirklich aus Not entstanden, auch wenn dieses nichts wirklich entschuldigt.

Meine Fragen dazu wären:

1. Welche Strafe kann mich ungefähr erwarten (oder bestenfalls bzw. schlimmstenfalls).

2. Kann ich ("durchschnittlich") auf "mildernde Umstände" hoffen (aufgrund keiner Vorstrafen, festem Job inzwischen, festem Wohnsitz, Schuldenabtragung u. daraus auch keiner Rückfallgefahr).

3. Da ich meine Wohnung, Arbeit, Freundin nicht verlieren möchte, ist da eine Bewährungsstrafe/m. Geldstrafe/Arbeitsstunden wahrscheinlich?

4. Wie soll ich allgemein am besten weiter vorgehen da ich bisher noch nichts schriftliches in der Hand habe und eine Gefängnisstrafe für mich das Ende von allem wäre.

Ich hoffe mir kann hier jemand meine Fragen (oder einen Teil davon) beantworten bzw. einschätzen und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Schilderung summarisch gerne wie folgt beantworte:

Ohne Akteneinsicht ist es natürlich schwierig, das auf Sie zukommende Strafmaß abzuschätzen (wichtig ist, ob die Staatsanwaltschaft von der Softair-Pistole weiß!), doch richtet sich Ihre Strafbarkeit nach den §§ 249 Abs. 1, 250 Abs. 1 Nr. 1a), 53 Abs. 1 StGB. Wenn Ihre Taten als Fälle schweren Raubes angesehen werden, was aufgrund des Mitführens der Softair-Pistole möglich ist, ist auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren zu erkennen. Allerdings wäre Ihnen in diesem Fall ein Pflichtverteidiger zu bestellen.

Bei einer Bewertung der Tat als schwerer Raub würde auch die Strafaussetzung zur Bewährung ausscheiden. Ansonsten wäre aufgrund Ihrer jetzigen Situation, dem Geständnis und den fehlenden Vorstrafen Bewährung denkbar, nicht aber eine Geldstrafe.

Ich rate Ihnen dringend, einen Verteidiger zu benennen und diesen mit Akteneinsicht zu beauftragen, um auf deren Grundlage eine Verteidigungsstrategie entwickeln zu können. Dieser Anwalt wird Ihnen ggf. auch als Pflichtverteidiger beigeordnet.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt

StGB § 249 Raub
(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

StGB § 250 Schwerer Raub
(1) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn
1. der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub
a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden,
c) eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt oder
2. der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht.
(2) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub
1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet,
2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 eine Waffe bei sich führt oder
3. eine andere Person
a) bei der Tat körperlich schwer mißhandelt oder
b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.
(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Nachfrage vom Fragesteller 08.05.2007 | 17:04

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich werde Ihren Ratschlag in Kürze befolgen.
Eine letzte Frage ergibt sich bei mir noch zwecks der angesprochenen Soft-Air Pistole:
Da die Polizei sie beschlagnamt hat und ich sie in meiner polizeilichen Aussage natürlich bei Tatvorgang erwähnen mußte gehe ich davon aus das die Staatsanwaltschaft spätestens bei der Verhandlung davon erfährt. Allerdings ist zusagen, das diese frei ab 14J. zu erwerben ist, nicht mit Plastikkugeln oder sonstigem geladen war und ich grundsätzlich nie jemandem damit lebensgefährlich verletzen wollte bzw. so dieses nicht einmal möglich gewesen wäre, ausserdem wurde diese meinerseits nicht auf eine Person gerichtet.
Könnte dieses sich zu meinem Vorteil auswirken?

MfG.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.05.2007 | 17:34

Sehr geehrter Fragesteller,

diesen Umstand sollte Ihr Verteidiger auf jeden Fall strafmildernd einbringen, nur ist es möglich, dass es für die Annahme einer Strafbarkeit wegen schweren Raubes ausreicht, dass die Waffe zur Bedrohung z.B. einer Kassiererin genügt hätte. Die objektive Ungefährlichkeit der Waffe und die Nichtverwendung bei den Überfällen könnte sich aber positiv für Sie auswirken.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60124 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Meine Frage wurde verständlich und ausführlich beantwortet. Vielen herzlichen Dank! ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Klar und unumwunden im Ganzen zu empfehlen ! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antworten auf meine Fragen waren ausführlich und verständlich. ...
FRAGESTELLER