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Überbauungsrecht bei Grenzbebauung


| 25.03.2007 11:14 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Stefanie Helzel



Mein Haus grenzt an das des Nachbarn, der mir eröffnete, dass er sein Haus einschließlich der auf der Grenze stehenden Wand wärmedämmen werde, dazu ebenfalls eine Dachsanierung vornehmen lassen werde. Überstand der Wärmedämmung 12-13 cm, des Pultdaches zusätzliche 5 cm.
Muss ich den Maßnahmen zustimmen?
Verändern sich dadurch Eigentums- rechte? Wie ist es mit Folgekosten durch Schäden (zB Wasserschäden), die an meinem Haus entstehen könnten?
Sind die Maßnahmen baurechtlich genehmigungspflichtig? Das Altdach ist asbesthaltig (Platten).
Muss ich die Belästigungen durch die Maßnahmen ertragen? (Gerüstbau auf dem Balkon, der an die zu dämmende Wand angrenzt, Abbau der Holztreppe vom Balkon in den Garten, Entfernuntg eines bewachsenen Rankgitters im Garten)
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gern wie folgt beantworten möchte.

1.
Wenn ich Ihre Schilderungen richtig auffasse, werden durch die geplante Wärmedämmung und die Dacherneuerung die Grundstücksgrenzen überschritten.

Einen solchen Überbau müssen Sie nicht ohne weiteres dulden. Möchte der Nachbar für seine Erneuerungen Flächen Ihres Grundstückes in Anspruch nehmen, bedarf dies Ihrer Zustimmung, da dadurch Ihr Eigentum beeinträchtigt wird. Sie können diesen Maßnahmen zustimmen, im Gegenzug der Leistung einer Geldentschädigung an Sie.

Sie sollten dieser Maßnahme daher sofort widersprechen, damit Ihnen mangels Widerspruchs keine Duldungspflicht auferlegt werden kann. Ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung, darf Ihr Nachbar nicht einseitig diesen Überbau durchsetzen.

2.
Nach Anlage 2 zur hessischen BO sind genehmigungsfreie Bauvorhaben die Errichtung, Aufstellung oder Anbringung von: 2.4 Außenwandverkleidungen, Verblendungen, Dämmputz, Wärmedämmverbundsysteme, Verkleidungen und Verblendungen von Balkonbrüstungen, ausgenommen bei Hochhäusern, sowie Anstrich und Verputz baulicher Anlagen,
2.5 Dächer von bestehenden Gebäuden einschließlich der Dachkonstruktion und der Dämmung unter den Vorbehalten des Abschnitts V Nr. 1 und 3.
Zumindest was das Dach anbelangt, besteht jedenfalls eine Meldepflicht Ihres Nachbarn gegenüber der zuständigen Baubehörde, unter die erforderlichen Bauvorlagen einzureichen.

3.
Sollten Sie sich mit Ihrem Nachbarn dahingehend einigen, dass er den Überbau vornehmen darf oder findet Ihr Nachbar eine Isolierungsmöglichkeit, die keinen Überbau begründet – entsprechendes gilt für das Dach – besteht nach den Grundsätzen des Hessischen Nachbarrechts (s.u.) eine Verpflichtung Ihrerseits, gewisse Beeinträchtigungen zu dulden, wenn das Vorhaben nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand ohne Inanspruchnahme Ihres Grundstückes durchgeführt werden kann. Dadurch entstandene Schäden, können Sie von Ihrem Nachbarn ersetzt verlangen.

4.
Grundsätzlich sind Bauten so zu errichten, dass der Nachbar keinen Schäden ausgesetzt wird. Sollte dies dennoch der Fall sein, wie die von Ihnen angesprochenen Wasserschäden, hat der Nachbar diese ebenfalls zu ersetzen.


Ich hoffe, Ihnen eine erste Orientierung vermittelt zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Stefanie Helzel
- Rechtsanwältin -

Für eine weitergehende Wahrnehmung Ihrer Interessen, können Sie mich gerne unter

info@123kanzlei.net

kontaktieren.

Bitte beachten Sie, dass diese Antwort die von Ihnen geschilderten, wesentlichen Aspekte des Falles umfasst, jedoch weitere Tatsachen relevant sein könnten, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen würden.

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§ 28 Inhalt und Umfang

(1) Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks müssen dulden, daß ihr Grundstück von dem Eigentümer und den Nutzungsberechtigten des Nachbargrundstücks zwecks Errichtung, Veränderung, Unterhaltung oder Beseitigung einer baulichen Anlage betreten wird und daß auf oder über ihm Gerüste aufgestellt sowie die zu den Bauarbeiten erforderlichen Gegenstände über das Grundstück gebracht oder dort niedergelegt werden, wenn und soweit das Vorhaben anders nicht zweckmäßig oder nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten durchgeführt werden kann, die mit der Duldung verbundenen Nachteile oder Belästigungen nicht außer Verhältnis zu dem von dem Berechtigten erstrebten Vorteil stehen und das Vorhaben den baurechtlichen Vorschriften entspricht.

(2) Das Recht ist mit tunlichster Schonung auszuüben. Wird das betroffene Grundstück landwirtschaftlich oder gewerbsmäßig gärtnerisch genutzt, so darf das Recht nicht zur Unzeit geltend gemacht werden, wenn sich die Arbeiten unschwer auf einen späteren Zeitpunkt verlegen lassen.


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"Vielen Dank, Frau Rechtsanwältin, ich weiß jetzt, wie ich mich verhalten werde.
Ich denke, eine vernünftige Lösung , die auf die Interessen beider Seiten eingeht, wird sich finden lassen.

Herzliche Grüße "