Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

US-Erbrecht - Welche Ansprüche haben leibliche Kinder aus vorheriger Ehe?


| 18.08.2005 13:05 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Guten Tag,

ich habe eine österreichische Mutter und einen Vater mit amerikanischer Staatsbürgerschaft. Ich bin ein ehelich geborenes Kind und österreichischer Staatsbürger. Nach einer kurzen Ehe liessen sich meine Eltern in Österreich scheiden. Mein Vater sandte meiner Mutter bis zu meiner Volljährigkeit Alimente für mich nach Österreich.

Mein Vater zeugte nach der Scheidung von meiner Mutter in Deutschland mit einer anderen Frau ein uneheliches Kind - meine heutige Halbschwester. Auch dieses unehelich gebliebene Kind wurde bis zur Volljährigkeit mit Alimenten versorgt.

Wir beide sind also leibliche Kinder dieses Vaters.

Mein Vater lebte fortan in den USA und heiratete nochmals - eine amerikanische Witwe mit zwei halbwüchsigen Kindern, die er großzog (heute meine Stiefgeschwister) und die den Namen der Mutter behielten).

Mein Vater erwarb ein Grundstück samt Haus im Bundesstaat Washington, in dem er zuerst mit Frau und Stiefkindern, dann ohne die erwachsen gewordenen Steifkinder, mehrere Jahrzehnte lebte.

Mein Vater verstarb im Dezember 2002 in den USA.

Seine Frau, die somit seit Jahrzehnten mit ihm im Haus lebte, wohnt seither alleine in diesem Haus. Mein Vater wollte, daß sie das bis zu ihrem eigenen Tod auch weiterhin darf, das ist mir bekannt.

Von einer testamentarischen Verfügung ist mir jedoch nichts bekannt.

Meines Wissens, sieht das amerikanische Erbrecht vor, allfällige Erben in einem testamentarischen Verfügungsfall direkt zu benachrichtigen.

Da ich (und meine Halbschwester in Deutschland) bis dato niemals eigens benachrichtigt wurden, kann daraus geschlossen werden, daß zumindest keine explizite Verfügung eines Erbteils (Haus und Grundstück) für uns leibliche Kinder in Europa vorliegt.

Meine Fragen:

Steht nach US-Erbrecht meiner Halbschwester und mir, also den leiblichen Kindern, ein Pflichtteil nach dem künftigen Tod der amerikanischen Frau meines Vaters zu (und wenn ja, in welchem Umfang)?

Oder würde sein gesamtes Vermögen (Haus und Grundstück) beim Tod der Gattin meines Vaters an die heute erwachsenen Stiefkinder übergehen?

Wie macht man - vorausgesetzt es steht uns leiblichen Kindern ein Pflichterbteil nach US-Erbrecht zu - dies gesetzlich konform geltend?

Und kann man - wie in Europa des öfteren üblich - eine Auszahlung dieses Anteils (Hypothekarische Bankkreditbesicherung des Erbteils) von seiner Gattin noch bei Lebzeiten einfordern?

Schönen Dank für eine baldige aufklärende Antwort !

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),


Ihre Frage beantworte ich anhand der von Ihnen übermittelten Informationen wie folgt:

1.
Wenn keine letztwillige Verfügung Ihres verstorbenen Vaters vorliegt, sind Ihre Halbschwester und Sie als seine leiblichen Kinder gleichermaßen BEREITS seit Dez. 2002 zu gesetzlichen ERBEN gemäß den Vorschriften des US-Staates, in dem der Erblasser verstorben ist, berufen, und sollten diese Rechte auch wahrnehmen.

Es stünden Ihnen beiden dann gleichberechtigt gegenüber der zweiten Ehefrau Ihres Vaters vorbehaltlich einer eingehenderen Prüfung jeweils ein Anteil von 3/8 am gesamten Nachlass samt Grundstück zu.
Dies alles unter der Voraussetzung, dass keine weiteren erbberechtigten Verwandten zur Zeit des Erbfalls vorhanden waren – ungeachtet der beiden Stiefkindern Ihres Vaters, die ohnehin erst nach dem Tod deren Mutter zum Zuge kommen.

Ich würde mich allerdings keinesfalls auf das bloße Ausbleiben einer Informierung durch das örtlich zuständige Nachlassgericht verlassen, auch wenn dort eine entsprechende Mitteilung von Amts wegen vorgesehen ist, da nicht klar ist, ob Ihre Anschrift dort bekannt oder ermittelbar ist.

2.
Falls Ihr Vater doch ein Testament errichtet haben und Ihre Halbschwester und Sie dabei übergangen haben sollte, stehen Ihnen beiden auch in den Vereinigten Staaten Pflichtteilsansprüche („COMPULSORY PORTION“) gegen die testamentarischen Erben zu, in der Regel in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

3.
Die Gefahr, dass der Nachlass Ihres Vaters WEGEN seiner Wiederverheiratung Ihnen vorenthalten werden könnte, besteht dann, wenn eine letztwillige Verfügung in Form eines von Ihrem Vater und seiner zweiten Ehefrau gemeinschaftlich abgefassten Testaments vorliegt, in welchem der Nachlass zunächst dem Überlebenden als Vorerbe, und erst nach dem Tod des Letztversterbenden den im Testament bestimmten Nacherben zugute kommt(oder wenn ein entsprechender Erbvertrag geschlossen wurde).

Hier könnte es ja durchaus sein, dass insoweit nur die Stiefkinder Ihres Vaters eingesetzt sind.
In diesem Fall müssten Sie nach dem Ableben der Ehefrau Ihres Vaters Ihre Pflichtteilsansprüche gegenüber den Stiefgeschwistern geltend machen.

Ansonsten kommen Sie beide natürlich auch als Nacherben in Betracht.

Dies alles ist hier Tatfrage.


4.
Es gilt also zunächst, das zuständige Nachlassgericht („SURROGATE COURT“) am Sterbeort in Erfahrung zu bringen und sich von dort die entsprechenden Informationen zu verschaffen.
Spätestens dann, wenn Sie Klarheit über die konkrete Nachlasssituation haben, sollten Sie die erforderlichen Maßnahmen über einen in den USA niedergelassenen Anwalt einleiten, der nach Testamentseinsicht und -prüfung also gegebenenfalls einen Erbschein beantragt oder nötigenfalls den Erb- bzw. Pflichtteilsanspruch gerichtlich geltend macht.

Im Internet gibt es Anwaltsuchdienste z.B. unter

http://lawyers.findlaw.com/lawyer/state.jsp (Suche nach Bundesstaat) oder

http://lp.findlaw.com/ (Suche nach Rechtsgebiet).

Unter http://lawcrawler.findlaw.com/ sind auch US-amerikanische Behörden auffindbar.


Weiter sollten Informationen über das Grundstück und etwa vorhandene Belastungen bei dem örtlichen Katasteramt / Grundbuchamt („REAL ESTATE RECORDING OFFICE“) innerhalb des Staates Washington in Erfahrung gebracht werden.

5.
Eine Auszahlung des Erb- oder Pflichtteils in Geld zu Lebzeiten der zweiten Ehefrau Ihres Vaters wird erst möglich sein, sobald Sie einen in den USA erwirkten Rechtstitel haben UND wenn das neben dem Grundstück vorhandene Vermögen zur Auszahlung ausreicht.
Andernfalls kann es erforderlich werden, dort eine Teilungsversteigerung zu veranlassen, etwa unter Berücksichtigung eines Wohnrechts der Witwe.
Eine wirtschaftlich sinnvolle Verwertung des Grundbesitzes durch Zwangsversteigerung wird möglicherweise erst nach dem Tod der Ehefrau Ihres verstorbenen Vaters in Frage kommen, wenn ein solches Wohnrecht eingetragen ist.

Mit der Eintragung einer Zwangshypothek können Sie auch nach amerikanischem Recht Ihre Rechte nur sichern und keine Verwertung vornehmen.


Ich hoffe, Ihnen mit diesen Auskünften eine erste Orientierung an die Hand gegeben zu haben.

Sollten meine Ausführungen noch Unklarheiten enthalten, nützen Sie bitte die einmalige kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 22.08.2005 | 15:58

Sehr geehrter Dr. Wolfram Geyer !

WOW !

So eine ausführliche Experten-Erstantwort hätte ich nicht erwartet.
Danke vielmals für diese klaren und höchst kompetenten Auskünfte.

Diese ermunterten mich zu zwei sofortigen, spontanen Taten um weiteres "Licht ins Dunkel" dieses Erbrechtsfalles zu bringen:

Ich loggte gestern online im US-Netzwerk Netronline (Nationwide Environmental Title Research, www.netronline.com) im örtlichen Katasteramt von Pierce County des Bundesstaates Washington ein um gegen CreditCard-Gebühren von US Dollar 33,50 einen "Property Detail Report" auszudrucken (habe ich als pdf-Datei - auch für Ihre allfällige spätere Einsichtnahme): Sieh da, das Haus ist unter dem Begriff "Primary Owner" auf die zweite Ehefrau meines Vaters eingetragen! Die Spalte "Secondary Owner" ist leer. Leider nicht ersichtlich ist das Datum dieser geänderten Eintragung.

Weiters fasste ich mir ein Herz und rief gestern additiv den Sohn (meinen Stiefbruder) dieser zweiten Ehefrau in USA an. Dieser teilte mir mit, dass es sehr wohl ein Testament (last will) meines Vaters aus den 70-er-Jahren gab (hat er zwar selbst nicht gesehen - besitzt aber seine Mutter= meines Vaters zweite Ehefrau). In diesem alten Testament verfügte mein Vater, dass nach Eintritt seines Todes, das Haus seiner Ehefrau verbleiben soll.

Was ich nun gerne zusätzlich wissen würde (wenn dies großzügiger Weise Ihrerseits als Zusatzfrage möglich ist):

Die Daten von uns zwei leiblichen Kindern in Europa sind der dortigen Großfamilie samt vielen Freunden (z.B. auch Lions-Club), als auch mit Sicherheit den US-Behörden bekannt (schon durch die Alimentenzahlungen zum Beispiel). Darüber hinaus war mein Vater in diesem Bundesstaat eine honorige Person öffentlichen Interesses, und viele US-Bürger kannten mich von oftmaligen Besuchen in USA gleichfalls. Hätten wir beiden Kinder in Europa daher nicht längstens bei der Überschreibung des Hauses auf die Ehefrau von Amts wegen von diesem "last will" in Kenntnis gesetzt werden müssen (Amtsversäumnis?)?

Denn logisch für die Zukunft weitergedacht, ginge ja ohne Benachrichtigung und daher auch ohne Einspruchsmöglichkeit der leiblichen Kinder, das im Besitz der Ehefrau befindliche Haus und Grundstück erbtechnisch nur noch auf die leiblichen Kinder der Ehefrau (also meine Stiefgeschwister) über und wir beiden leiblichen Kinder des Vaters würden im Todesfall der Ehefrau als in Frage kommende Erben gar nicht bedacht.

Ihrem Schreiben, sehr geehrter Herr Dr. Geyer, entnehme ich in Punkt 2, dass in der Regel auch in USA immer ein Pflichtteilsanspruch (Compulsory Portion) in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils besteht. Hiesse das konkret 3/16 für jedes der europäischen leiblichen Kinder, also mich und meine Halbschwester in Deutschland?

Müssen wir aus Verfallsfristensicht diesen Pflichtteilsanspruch noch bei Lebzeiten gegenüber der hochbetagten 88-jährigen Ehefrau meines Vaters geltend machen (wäre für sie sicher emotional hochgradig aufregend), oder kann das auch still und unauffällig beim zuständigen Nachlassgericht (Surrogate Court, siehe Punkt 4 Ihrer Antwort) für den Tag X (Eintritt des Todes der Ehefrau) geltend gemacht werden?

Der Sohn dieser zweiten Ehefrau meines Vaters (also mein Stiefbruder) erwähnte beiläufig im gestrigen Telefonat, dass die alte Dame eventuell vor hat, das Haus innerhalb eines Jahres dzu veräussern, in eine Alterspflegeheim zu ziehen und vom Hausverkaufserlös ihre Pflegeheimkosten zu bestreiten. Muss man in diesem Fall aus europäischer Sicht nicht versäumnishintanhaltend rechtens vorher handeln, bevor das Kapital "verloren" ist ? Denn nach dem derzeitigen Stand, würden wir ja in Europa vom Hausverkauf durch die Ehefrau wiederum keine Benachrichtigung seitens der Behörden erhalten, da derzeit die Ehefrau alleinige Eigentümerin ist.

Zum Abschluss konkret gefragt:
Wären Sie, sehr geehrter Herr Dr. Geyer interessiert, für uns Kopien der bei den Behörden aufliegenden Originaldokumente (Testament - "last will" am Nachlassgericht, "detailed real estate record" am Katasteramt) ausheben zu lassen ? Dann sieht man ja erst wirklich klar, ob alles obige (und auch die gestrige Sicht des Stiefsohnes hinsichtlich des Testamentes) überhaupt "realita" ist, und wie sich der Stand der Dinge derzeit darstellt.

Könnten Sie diese US-Amtsanfragen von München aus selbst erledigen, ohne vorläufig die - sicher teure - Hilfe eines US-Anwaltes in Anspruch zu nehmen?

Und was könnte mich Ihre fachliche Anwalts-Dienstleistung für diese erhellenden Fakten in etwa kosten?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.08.2005 | 16:12

Sehr geehrte Ratsuchende,

Sie scheinen es ja faustdick hinter den Ohren zu haben. Alle Achtung für Ihr persönliches Engagement in der eigenen Sache (und der Ihrer Halbschwester).

Zunächst aber herzlichen Dank für Ihre überschwängliche Bewertung.

Nach Ihren Recherchen verhält es sich höchstwahrscheinlich so, dass Ihnen Pflichtteilsansprüche gegenüber der zweiten Ehefrau Ihres Vaters zustehen.
Wenn diese allerdings aus ihrem derzeitigen Alleineigentum Pflegeleistungen finanziert, kann sich Ihr Anspruch mit der Zeit entsprechend verringern.

Ihre Pflichtteilsquote dürfte 3/16 betragen. Zutreffend lässt sich das aber erst anhand des Wortlautes der tatsächlichen sonstigen getroffenen letztwilligen Verfügungen ermitteln.
Pflichtteilsansprüche bestehen zu Lebzeiten der zweiten Ehefrau Ihres Mannes gegen diese, danach gegen die Stiefkinder.
Ein Verjährungs- oder Verfristungsproblem sehe ich hier noch nicht.

Auf Ansprüche wegen eines „Amtsversäumnis(ses)“ würde ich mich nach wie vor keineswegs verlassen. Generell sind nämlich Sie in der Pflicht, Ihre Ansprüche vollständig und rechtzeitig gelten zu machen.

Gerne übernehme ich (etwa auf Stundenbasis) Ihre weitere Vertretung von Deutschland aus. Der richtige Zeitpunkt, wann wir einen Kollegen vor Ort (zusätzlich) einschalten sollten, wird sich weisen. Billig wird Ihre Unternehmung aber in jedem Fall nicht. Das Nähere sollten wir zunächst telefonisch besprechen (ab morgen Vormittag).

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Tel.: +49 (0)89 – 300 92 21
Fax: +49 (0)89 – 30 54 14

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"WOW ! Dickes Lob - Dr. Geyer ist äußerst kompetent im Beantworten von Fragen zum Thema US-Erbrecht. Vor allem kann er juristisches "Fachchinesisch" lebendig und lesbar für Laien aufbereiten und kommt ohne das Verwenden der "Möglichkeitsform" in seinen Erläuterungen geradlinig auf den Punkt. So müssen exzellente Rechtsauskünfte aussehen. Alles daher wärmstens weiterzuempfehlen, was ich als österreichischer Staatsbürger sowohl für diese deutsche Homepage - aber ganz explizit auch hinsichtlich Neugeschäft für Herrn Dr. Wolfram Geyer - absichtsvoll machen werde. Wir leben ja längst in einer gemeinsamen europäischen Union und auch ohne Online-Schranken. Also macht das auch Sinn. Schön, dass das Internet so etwas ermöglicht. "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER