Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Trennung und Immobilien Verkauf und Kauf

30.08.2014 11:27 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Anja Holzapfel


Zusammenfassung: Zur Berechnung des Zugewinns bei gleichzeitigem Verkauf einer gemeinsamen Immobilie unter Berücksichtigung des eingebrachten Vermögens

Folgender Fall ist zu klären

Ich, Anfang 2006 mit eigenem Bankkonto und 65000 Euro Guthaben.
Freundin, eigenes Konto ohne nennenswertem Guthaben (Gehaltseingang)

Aufgrund der Geburt unseres ersten Kindes schließen wir im Sep. 2006 die Ehe mit Zugewinngemeinschaft.

Im Juli 2007 erwerben wir gemeinsam eine Immobilie zum Preis von 195000 Euro, zzgl. Nebenerwerbskosten.

Ich schieße mein eigenes Bankguthaben dem Kauf bei, um damit die Finanzierung so gering wie möglich zu halten, die Neben Erwerbskosten in Bar zu entrichten.
Nun nach knapp 8 Jahren haben wir uns getrennt und die Ehe scheint nicht mehr zu retten.
Damit einher stehr der Verkauf der Immobilie, da sie es sich nicht leisten kann und ich aus finanziellen und emotionalen Gründen nicht daran festhalten möchte.

Nun die Fragen:

Kann und darf ich mit Verkauf der Immobilie meine eingebrachten 65000 Euro aus dem Verkaufserlös im Zuge einer Vorwertbefriedigung nach BGB geltend machen?

Kann meine "Noch" Ehefrau auf diese 65000 Euro Ansprüche erheben?

Kann und darf ich bereits während der Trennungszeit eine neue Immobilie erwerben, in die ich die 65000 Euro investrieren möchte, ohne dass meine "Noch" Ehefrau darauf Ansprüche erheben kann?

Würde der Erwerb und die neue mtl. Annuität einer neuen Immobilie (andere Immobilie ist noch nicht verkauft) abzugsfähig auf das zu bereinigende Nettoeinkommen, sodass nach Abzug meiner Zahlungsverpflichtungen das neue bereinigte Nettoeinkommen relevant für die Berechnung des Trennungsunterhaltes ist.

Mein Kentnisstand ist, dass mein mtl. Nettoeinommen um Kredite und sonstige Pflichtausgaben bereinigt wird, inkl. 5 % Werbungskostenpauschale, das verbleibende bereinigte Nettoeinkommen dann Basis zur Berechnung des Trennungsunterhalts ist.

Es würden dann ggf. zwei Kredite abgezogen werden, was dann ein noch einmal reduziertes bereinigtes Nettoeinkommen zur Folge hätte.

Kann meine Frau mit der noch austehenden Scheidung und sofern ich eine neue Immobilie erworben habe, irgendwelche Zugewinn relevanten Ansprüche an dieser neuen Immobilie geltend machen?

Sollte ich erst nach der Scheidung eine neue Immobilie erwerben, kann meine Frau auf die 65000 Euro Zugewinn Ansprüche geltend machen?

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen, möglichst Laienverständlich.

Sehr geehrter Fragesteller,



Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:


Kann und darf ich mit Verkauf der Immobilie meine eingebrachten 65000 Euro aus dem Verkaufserlös im Zuge einer Vorwertbefriedigung nach BGB geltend machen?
Kann meine "Noch" Ehefrau auf diese 65000 Euro Ansprüche erheben?

Wenn - wovon ich ausgehe - Sie und Ihre Frau je zur Hälfte Eigentümer sind, steht der Verkaufserlös (ggf. nach Ablösung der restlichen Verbindlichkeiten) zunächst beiden Parteien je zur Hälfte zu. Wenn Sie ein anderes Ergebnis wünschen, hätte entweder ein anderer Anteil (z. B. Sie 2/3, Ihre Frau 1/3 Eigentumsanteil) vereinbart und eingetragen werden müssen oder Sie hätten sich vertraglich die Rückforderung des eingebrachten Kapitals vorbehalten müssen.

Allerdings wird bei der Zugewinngemeinschaft am Ende der Ehe der Zugewinn ausgeglichen. Dabei wird isoliert für jeden Partner das Vermögen bei Heirat (Anfangsvermögen) und bei Zustellung des Scheidungsantrags (Endvermögen) ermittelt. Wer den höheren Zugewinn (Endvermögen minus Anfangsvermögen) erzielt hat, muss dem anderen die Hälfte der Differenz der Zugewinne auszahlen.

Soweit Sie bei Eheschließung das Vermögen von 65.000 € hatten, erhöht es Ihr Anfangsvermögen. Wenn beide bei Ende der Ehezeit im Wesentlichen ein halbes Haus abzüglich hälftiger Schulden besitzen, ist das Endvermögen vermutlich etwa gleich hoch. Weil Sie ein höheres Anfangsvermögen hatten, schuldet Ihre Frau Ihnen aller Voraussicht nach einen Zugewinnausgleich.

Auf diese Weise erhalten Sie voraussichtlich zumindest einen Teil des eingebrachten Geldes zurück. Allerdings muss hier eine genaue Auflistung des gesamten Vermögens zum Stichtag erfolgen, um den Zugewinn dann ordnungsgemäß zu ermitteln. Sie sollten sich hierfür an einen ortsansässigen, im Familienrecht erfahrenen Anwalt wenden, der alle Zahlen und Daten auswerten kann.


Kann und darf ich bereits während der Trennungszeit eine neue Immobilie erwerben, in die ich die 65000 Euro investrieren möchte, ohne dass meine "Noch" Ehefrau darauf Ansprüche erheben kann?

Ja, grundsätzlich dürfen Sie eine Immobilie kaufen. Allerdings muss Ihre Frau u. U. dem Erwerb zustimmen, wenn Sie über annähernd Ihr ganzes Vermögen verfügen (§ 1365 BGB). An der Zugewinnberechnung ändert das aber nichts, nur das dann auch der Wert des neuen Hauses abzüglich der darauf lastenden Schulden in die Berechnung mit einbezogen würde. Auf diese Weise können sie das eingebrachte Vermögen nicht "sichern". Wegen des Zugewinnausgleichs verlieren Sie das Geld ohnehin nicht vollständig.


Würde der Erwerb und die neue mtl. Annuität einer neuen Immobilie (andere Immobilie ist noch nicht verkauft) abzugsfähig auf das zu bereinigende Nettoeinkommen, sodass nach Abzug meiner Zahlungsverpflichtungen das neue bereinigte Nettoeinkommen relevant für die Berechnung des Trennungsunterhaltes ist.
Mein Kentnisstand ist, dass mein mtl. Nettoeinommen um Kredite und sonstige Pflichtausgaben bereinigt wird, inkl. 5 % Werbungskostenpauschale, das verbleibende bereinigte Nettoeinkommen dann Basis zur Berechnung des Trennungsunterhalts ist.
Es würden dann ggf. zwei Kredite abgezogen werden, was dann ein noch einmal reduziertes bereinigtes Nettoeinkommen zur Folge hätte.

Ich habe bei dieser Konstruktion erhebliche Bedenken: Schulden werden nur im angemessenen Rahmen abgezogen. Mutwillig zwei Kredite zu bedienen, um den Unterhalt zu kürzen, würde vermutlich im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung vom Richter nicht akzeptiert. Abzugsfähig bei einem neuen Kredit wäre ohnehin nur der Zins, nicht die Tilgung. Außerdem ist Ihnen der Wohnwert bei einer selbst genutzten Immobilie als Einkommen zuzurechnen. Es besteht das Risiko, dass Sie hier hohe monatliche Aufwendungen haben, aber dennoch einen ungekürzten Unterhalt zahlen müssen.


Kann meine Frau mit der noch austehenden Scheidung und sofern ich eine neue Immobilie erworben habe, irgendwelche Zugewinn relevanten Ansprüche an dieser neuen Immobilie geltend machen?
Sollte ich erst nach der Scheidung eine neue Immobilie erwerben, kann meine Frau auf die 65000 Euro Zugewinn Ansprüche geltend machen?

Wie oben dargestellt: Maßgeblicher Stichtag ist die Zustellung des Scheidungsantrags. Das Vermögen, das dann vorhanden ist, wird in die Berechnung mit einbezogen. Wenn Sie bis dahin eine neue Immobilie erwerben, erhöht diese Ihr Vermögen, der Kredit hierfür mindert das Vermögen. Ihre Frau hätte allerdings nie einen Anspruch auf die Immobilie, sondern allenfalls einen Zahlungsanspruch in einer bestimmten Höhe als Zugewinnausgleich, falls sich bei der Berechnung ergibt, dass doch Sie den höheren Zugewinn erwirtschaftet haben. Ob ein vorheriger oder späterer Erwerb sinnvoll ist, hängt von den einzelnen Zahlen ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.



Mit freundlichen Grüßen

Anja Holzapfel
-Rechtsanwältin-
-Fachanwältin für Familienrecht-

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70465 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle, kompetente und ausführliche Beratung! Dankeschön!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Habe etwas gewartet auf die Antwort, aber mein Angebot von € 25 war ja auch das Minimum, das man bieten kann, da stürzt sich nicht jeder Anwalt sofort darauf. Alles OK, ganz gutes System. Wer es sehr eilig hat, muss halt etwas ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen! ...
FRAGESTELLER