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Tod weil Kassenpatient


25.09.2005 22:26 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht



Meine Mutter ist im Februar an Überzuckerung gestorben.
Im Krankenhaus musste ich erfahren, dass ihr Hausarzt sie seit anderthalb Jahre nicht untersucht hatte, sondern nur Insulin verschrieben hatte.

Der Arzt schrieb folgendes:

„Ihre Mutter hat die letzte Konsultation eines ärztlichen Mitarbeiters in unserer Praxis im Oktober 2003 wahrgenommen. Danach waren von ihr nur noch Rezepte und u.a. natürlich auch für Insulin abgeholt worden. Da Ihre Mutter nicht entmündigt war, bestand für uns keine Möglichkeit, sie in einer engere Betreuung einzubinden.

Der Wille Ihrer Mutter, letztendlich keine ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, war hier vermutlich die Ursache, dass sie uns nicht konsultierte. Daß sich der weitere Verlauf so ungünstig auswirkte, ist bedauernswert, aber letztlich von unserer Seite aus leider nicht zu ändern gewesen.“

Meiner Meinung nach wurde sie in der Praxis durchgeschleust, weil sie nur Kassenpatientin war und sich nicht wehrte. Solche Fälle mangelnder Betreuung werden wg. der demografischen Entwicklung vermehrt Auftreten; das ´sozialverträgliche Frühableben´ wird vielleicht sogar gefördert, wenn man nichts tut.

Es kann doch nicht sein, dass ich beweisen muss, dass meine Mutter voll zurechnungsfähig war. Durch Zeugenaussagen könnte ich das schon machen.

Aber es kann doch nicht sein, dass ein Arzt ohne Untersuchung Insulin verschreibt. Welche gesetzlichen Regelungen gibt es? Wie soll ich weiter vorgehen?

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Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,


Ihre Anfrage beantworte ich anhand der von Ihnen gemachten Angaben wie folgt:

Zunächst unterstelle ich der guten Ordnung halber, dass die von Ihnen gemachten Angaben der Richtigkeit entsprechen.

Es ist grundsätzlich sehr schwierig, abschließende Angaben zu einer rechtlichen Angelegenheit zu machen, wenn - wie vorliegend - lediglich ein sehr kleiner und selektiver Ausschnitt aus einer Gesamtheit an Tatsachen geschildert wird. Eine ausführliche und abschließende Beantwortung Ihrer Anfrage (und damit auch eine geeignete Handlungsempfehlung) ist daher erst möglich, wenn der gesamte Sachverhalt zur Beurteilung vorliegt und eventuell die Krankenunterlagen Ihrer Mutter ausgewertet wurden. Die hier gegebene Antwort kann daher zunächst nur den Bereich des Möglichen aufzeigen.


Grundsätzlich könnte den Erben Ihrer verstorbenen Mutter ein Anspruch auf Schmerzensgeld (z.B. wegen erlittener Schmerzen infolge einer unterlassenen sachgerechten Behandlung) und Schadensersatz (z.B. Beerdigungskosten) zustehen, wenn dem behandelnden Arzt / den behandelnden Ärzten eine Pflichtverletzung aus dem ärztlichen Behandlungsvertrag nachzuweisen ist.

Eine solche Pflichtverletzung könnte in dem Vorliegen eines (evtl. groben) Behandlungsfehlers zu suchen sein. Ein Behandlungsfehler liegt regelmäßig vor, wenn dem behandelnden Arzt ein Diagnosefehler (z.B. unterlassene Befunderhebung oder Fehlinterpretation von Befunden), ein Therapiefehler (z.B. Fehler im Bereich der Therapiewahl oder bei der Auswahl der diagnostischen Methode) oder ein Organisationsfehler nachzuweisen ist.

Gleichzeitig könnte eine Pflichtverletzung vorliegen, wenn dem behandelnden Arzt ein Aufklärungsfehler nachzuweisen ist (er also Ihre Mutter nicht ausreichend über die Bedeutung ihrer Krankheit und die Notwendigkeit weiterer Behandlung aufgeklärt hätte).


Die Auffassung des Arztes, man habe Ihre Mutter nicht in eine „engere Betreuung einbinden“ können, ist - isoliert betrachtet - nicht ganz richtig. Aus dem ärztlichen Behandlungsvertrag folgt die vertragliche Pflicht, den geschuldeten Eingriff fachgerecht durchzuführen. Hierzu gehört es auch, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt aus beruffachlicher Sicht seines Bereichs vorausgesetzt und erwartet werden können. Sollten sich also aus der Sicht des behandelnden Arztes Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes Ihrer Mutter ergeben haben, so wäre er meines Erachtens ein weiteres ärztliches Tätigwerden angezeigt gewesen.

Sollte Ihre Mutter tatsächlich ernsthaft jedwede ärztliche Behandlung verweigert haben, so könnte dies aber dazu führen, dass ein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz gar nicht besteht. Dies wäre durch zusätzliche Erkundigungen auch auf Behandlerseite aufzuklären. Der Einwand, Ihre Mutter sei nicht „zurechnungsfähig“ gewesen müsste - soweit erheblich - ohnehin vom behandelnden Arzt bewiesen werden, da es sich hierbei um einen allenfalls für ihn günstigen Umstand handelt.

Letztendlich hängt eine Handlungsempfehlung aber davon ab, was genau der Inhalt des zwischen Ihrer Mutter und dem behandelnden Arzt geschlossenen Behandlungsvertrages war, da sich nur hieraus der Umfang der ärztlichen Beratung und Tätigkeit erschließt. Insoweit ergibt sich zumindest aus dem Brief des Arztes, dass Ihre Mutter eine ärztliche Behandlung zuletzt im Oktober 2003 in Anspruch genommen haben soll. Ohne eine Einsicht in die Krankenunterlagen dürfte diese Frage aus der Ferne nicht zu beantworten sein.

Schließlich könnte sich der behandelnde Arzt auch einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt sehen, wenn Ihre Mutter in der Praxis lediglich „durchgeschleust“ worden sein sollte und ihr Tod durch rechtzeitiges Tätigwerden des Arztes hätte verhindert werden können. Für die Beurteilung dieser Frage reichen die von Ihnen gemachten Angaben jedoch nicht aus.


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Prüfung der Rechtslage eine erste rechtliche Orientierung vermittelt zu haben. Wenn Sie eine abschließende Beurteilung Ihrer Angelegenheit erreichen möchten, so bietet sich die Beauftragung eines Rechtsanwaltes vor Ort an oder eines anderen Rechtsanwaltes Ihres Vertrauens an. Hier bietet sich die Inanspruchnahme eines Rechtsanwaltes an, der die Fachanwaltsbezeichnung „Fachanwalt für Medizinrecht“ führt, da ein Rechtsanwalt mit dieser Zusatzqualifikation einen Schwerpunkt seiner Ausbildung auf die Bearbeitung arzthaftungsrechtlicher/medizinrechtlicher Fälle gelegt hat.


Gerne bin ich auch bereit, Ihre weitere rechtliche Vertretung in der Angelegenheit zu übernehmen.



Mit freundlichen Grüßen


Jorma Hein
Rechtsanwalt und Mediator


Gisselberger Straße 31
35037 Marburg


hein@haftungsrecht.com
www.haftungsrecht.com
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