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Tiny House auf Freizeitgrundstück

05.09.2018 15:41 |
Preis: 66,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Guten Tag, von meinem Freizeitgrundstück im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (Oberbayern) möchte ich ca. 38% (2300 qm) verkaufen. Das Grundstück ist komplett eingezäumt, liegt im Außenbereich, hatte früher eine Privilegierung (Pferdezucht). Zu dem Grund führt eine geteerte, öffentliche Stichstrasse der Stadt Geretsried. Mein Grundstück hat folgende Infrastruktur in dem ehemals landwirtschaftlichen Nebengebäude (Scheune L14xB12xH9,55 m): Eine eigene Zufahrt, Frisch-Wasseranschluss, Abwasser-Anschluss (eigene Kleinkläranlage (für 4- Personen ausgelegt), Stromanschluss, Telefonanschluss (Festnetz). Eine kleine Wohnung 28 qm im Gebäude die seit vielen Jahren von meinem Sohn als Wohnsitz genutzt wird. Mein Sohn ist bei der Stadt Geretsried mit diesem Wohnsitz angemeldet. Die derzeitige Nutzung von Scheune und Grundstück ist dem Bauamt des Landkreises bekannt und wird toleriert. Nachdem das ursprüngliche Baurecht - unter der vorherigen Privilegierung (Pferdezucht), aus meinem Grundstücksteil weg-verlegt wurde, gilt mein Grundbesitz als Freizeitgrundstück im Außenbereich. Ich habe eine Fragen: Ist es mir rechtlich möglich die 2.300 qm Fläche zur Freizeitnutzung zu verkaufen, inkl. der Empfehlung dort einen Wohnwagen oder ein Tiny House (beides auf Rädern), mit Anschluss an die Infrastruktur aus meiner Scheune aufzustellen. Wohnwagen oder Tiny House wären, da auf Fahrgestell mit Rädern, TÜV geprüft. Diese sollen nur zu Freizeitzwecken nicht als Dauerwohnsitz genutzt werden. Ein Zaun soll das zu verkaufende Grundstück (derzeit Wiese) zu meinem Grund abgrenzen.
05.09.2018 | 16:58

Antwort

von


(219)
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte Ihre Frage gerne wie folgt:

zunächst einmal müssten Sie vor einem Verkauf das Grundstück teilen. Es muss daraus ein eigenes neues Grundstück werden. Anhand Ihrer Fragestellung gehe ich davon aus, dass das noch nicht geschehen ist. Es muss dies möglicherweise beim Bauamt beantragt werden, das Grundstück muss vermessen werden, eine notarielle Beurkundung ist notwendig. Wie das Grundstück dann eingestuft wird, ist noch gar nicht klar.

Geht man einmal davon aus, dass es auch als "Freizeitgrundstück" im Außenbereich eingestuft wird, so gilt folgendes: Zunächst einmal ist zu prüfen, ob es sich wirklich um ein „Freizeitgrundstück" handelt, da dieser Begriff gesetzlich so gar nicht definiert ist. Es handelt sich meist um Flächen, die als landwirtschaftliche Nutzfläche eingetragen sind.

Unabhängig davon, sind die Vorschriften für eine Nutzung aber streng. Im Außenbereich gemäß § 35 BauGB sind nur als Ausnahme privilegierte Bauvorhaben auf Antrag möglich. Meist können diese aber nur von Landwirtschaftsbetrieben gestellt werden und die Bauten werden auch nur dann genehmigt, wenn sie in einem tatsächlichen Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betrieb stehen.
Gemäß Artikel 57 Bayerische Bauordnung sind zwar Gebäude mit einem mit einem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 Kubikmeter verfahrensfrei, jedoch gilt dies nicht im Außenbereich. Die Tiny Houses können grundsätzlich darunter fallen, jedoch eben nicht im Außenbereich wie bei Ihnen.
Bei Wohnwagen kann etwas anderes gelten, da sie eben nicht als Gebäude gelten. Es gibt keine Vorschrift in der Bauordnung, die ein Abstellen des Wohnwagens auf einem Privatgrundstück verbietet. Allerdings kann ein Wohnwagen dann als bauliche Anlage angesehen werden, wenn er doch zu Wohnzwecken genutzt wird. Die Einstufung, ab wann das der Fall ist, ist naturgemäß schwierig und fließend. Man braucht dann auch für das Abstellen des Wohnwagens eine Baugenehmigung, weil im Außenbereich im Sine von § 35 BauGB öffentlich-rechtliche Belange entgegenstehen können. Das kommt dann aber auch auf die Beurteilung des Einzelfalles an, die die Behörde vornimmt.

Nach allen geschilderten Schwierigkeiten rate ich Ihnen, bevor Sie Ihr Vorhaben in die Tat umsetzen, beim Bauamt vorzusprechen. Es bringt Ihnen ja auch nichts, wenn Sie das Grundstück teilen und Versprechungen machen bezüglich Wohnwagen/TinyHouse, die dann doch untersagt würden.

Ich hoffe, Ihnen weiter geholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Draudt, Rechtsanwältin


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