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Ticketkauf über VIAGOGO

12.07.2018 12:19 |
Preis: 58,00 € |

Internetrecht, Computerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Dietrich


Ich habe im November 2017 bei der Ticketbörse VIAGOGO sehr teure Tickets (2) für das Event "Eric Clapton im Hydepark am 8.7.2018" gekauft und dafür 493,55 Britische Pfund bezahlt.
Ich habe die Tickets erst am 7.7.2018 per email als E-Tickets erhalten, als ich bereits in London war und keine Möglichkeit sah, sie herunterzuladen und auszudrucken. Bin daher sehr verärgert noch am gleichen Tag mit einem nicht geplanten Flug zurückgeflogen.
Der Vorbesitzer der Tickets (den ich über LinkedIN gefunden habe), sagte mir, dass er die Tickets erst ebenfalls am 7.7.2018 an VIAGOGO übersandt hat, die VIAGOGO dann offenbar an mich weitergeleitet hat.
Das heißt für mich, dass VIAGOGO zum Zeitpunkt meines Kaufs gar keine Tickets für mich hatte oder anders:
Welche Tickets habe ich da eigentlich gekauft?
Ich halte das a) für einen Verstoß gegen die eigenen - VIAGOGOs - AGBs und deshalb b) für einen regelrechten Betrug.
Sehen Sie eine Möglichkeit, dass ich mein Geld wieder bekomme?
Karl-Heinz Thunemann

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Grundsätzlich hat VIAGOGO die Leistung durch Übersendung des eTickets erbracht, es sei denn es war ausdrücklich ein ausgedrucktes Ticket oder ein früherer Zusendungstermin vereinbart. Meistens ist dies aber nicht der Fall und Sie haben es auch nicht erwähnt. Vorliegend haben Sie das Ticket rechtzeitig vor dem Konzert erhalten, wenn es einen Tag vorher zugegangen ist per E-Mail.

In den AGB von VIAGOGO heißt es dazu unter Ziff. 1.3 schlicht:

"Wenn Sie Tickets über die Website kaufen, garantiert viagogo Ihnen, dass Sie Tickets, für die Sie gezahlt haben, rechtzeitig vor der Veranstaltung erhalten."

Dies hat der Anbieter hier erfüllt.

Dass Sie dieses nicht herunterladen oder ausdrucken konnten, entzieht sich dabei dem Verantwortungsbereich von VIAGOGO. Dies wäre nur dann anders zu beurteilen, wenn sich die E-Mail aufgrund falscher Kodierung oder anderer technischer Unzulänglichkeiten nicht hätte öffnen lassen. Für die Empfangsbereitschaft des E-Mail Postfaches ist nach ständiger Rechtsprechung der Empfänger verantwortlich.

Ob der frühere Ticketbesitzer das Ticket auch erst am 7. Juli an den Anbieter gesendet hat, ist rechtlich unerheblich, solange es rechtzeitig ankommt. Wenn kein Ticket gekommen wäre, hätten Sie natürlich einen Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises und zudem auch einen zumindest teilweisen Schadensersatzanspruch bezüglich der Reisekosten nach London gehabt. So ist der Fall hier aber nicht gelagert.

Juristisch ist dieses Vorgehen daher auch kein Betrug im Sinne von § 263 StGB, auch wenn die Machenschaften von VIAGOGO durchaus diskussionswürdig sind. Aus Erfahrung kann ich Ihnen auch sagen, dass sich VIAGOGO regelmäßig stur stellt bei Reklamationen und selbst auf anwaltliche Schreiben nicht immer antwortet. Der Anbieter sitzt im Übrigen in der Schweiz (somit außerhalb der EU), was ein mögliches Gerichtsverfahren auch deutlich erschwert.

Ich sehe die Chancen, dass Sie Ihr Geld wieder bekommen, daher leider als eher gering an.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Dietrich
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 12.07.2018 | 16:15

In der ersten E-Mail von VIAGOGO vom Nov 2017 stand, dass ich die Tickets spätestens 3 Tage vor dem Event per UPS erhalten würde, was ja nicht der Fall war.
Zudem irritiert mich, dass ich Tickets bezahlt habe, die zu diesem Zeitpunkt bei VIAGOGO noch gar nicht vorhanden waren.
Wie hätte VIAGOGO reagiert, wenn der Vorbesitzer die Tickets NICHT an dem 1 Tag vorher an VIAGOGO geschickt hätte?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.07.2018 | 16:39

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die zusätzlichen Informationen.

Dies ändert die Rechtslage natürlich, wie oben schon angedeutet. In dem Fall hat sich VIAGOGO in Verzug befunden und Ihnen ist der Verzugsschaden zu ersetzen. Der Anspruch fußt auf § 286 BGB. Eine Mahnung an Viagogo war auch gemäß § 286 Abs. 2 BGB nicht erforderlich, da ein konkreter Termin vereinbart war.

Dies ist die juristisch-theoretische Seite. Praktisch ist die Durchsetzung allerdings mit Schwierigkeiten verbunden, aufgrund des ausländischen Sitzes von VIAGOGO.

Ich empfehle VIAGOGO erstmal selbst ohne Anwalt anzuschreiben und den Fall zu schildern. Wichtig ist dabei insbesondere, dass Sie klar machen, dass die Zusendung per UPS drei Tage vor dem Event vereinbart war. Setzen Sie zudem eine konkrete Frist zur Rückzahlung. Es empfehlen sich 14 Tage. Dadurch erreichen Sie nämlich, dass die Anwaltskosten später ersetzt werden müssen durch Viagogo, da der Anbieter in Verzug gesetzt wurde.

Viele Grüße
Alexander Dietrich
Rechtsanwalt

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