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Terrassenüberdachung angrenzent zum Nachbarn, Nachbarrecht


09.06.2017 11:31 |
Preis: 60,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Zusammenfassung: Einhaltung von Abstandsflächen bei einer Überdachnung einer Terrasse auch bei einem genehmigungsfreien Vorhaben.


Guten Tag,
wir wohnen in einem Reihenhaus und möchten unsere Terrasse überdachen lassen (mit Polycarbonat Stegplatten um auf die Beschattung zu verzichten) sowie eine Trennwand (von 1,70-1,80m) zwischen uns und unserem Nachbar einrichten. Zurzeit sind unsere Terassen von einanander nicht getrennt, aber der Gründstuck mit Zaun von 1,40m zum Nachbar hin. Unsere Terasse ist 5,0m Breit und 3,0m tief/lang, so Groß soll auch die Überdachung werden. Leider ist unser Nachbar dagegen (es würde Ihm die Morgens sonne stielen, und er würde sich wie in Käfig füllen durch zubauten) und gibt keine Einverständniss dafür und hat uns gewarnt gegenklage einzureichen falls wir Überdachung errichten. Da wir südterasse haben und die Sonne von morgen bis Abends auf unsere Terasse scheint sehen wir das als kein Treftigen grund. Außerdem haben unsere Häuser (so wie von Nachbarn) eine zusätzliche Dachterasse wo man unbeschwert die Sonne von morgens bis Abends genissen könnte. Grund der gewünschte Überdachung und Trennung ist entstanden, weil wir ab und zu die Terasse auch beim schlechten wetter nutzen möchten, sowie unsere beide Kinder 2J & 7J von Sonne geschützt sind und auf der Terasse spielen können. Außerdem würde die kleine nicht auf den Nachbar Gründstück laufen. So wie ich Nachbarssicht verstehe geht es Ihm ums Licht und er evtl. mit Glasüberdachung leben könnte, gibt aber trotzdem keine schriftliche Einverständnis. Die Überdachung mit Glas und Markisse kostet min. das doppelte. Unsere Frage ist ob wir unbedingt Einverständnis des Nachbars brauchen? Tragen wir das Risiko das die Überdachung wierder zurückgebaut werden muss, falls Nachbar vor Gericht geht? Muss die Überdachung unbedingt mit Glas bedeckt sein oder Polycorbanat Stegplatten können auch verwendet werden. Und hat man durch eine oder andere Variante bessere oder schlechtere Chansen im Falle eines Streittfalles. Alternative währe vielleicht Milchglas zu verbauen was mehr licht durchlässt als Polycarbonat. Für Ihren Rat und schnelle Antwort Danke ich Ihnen Vorab. Mit Freundlichen Grüßen D. Milhaus
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Die Überdachnung der Terrasse stellt eine bauliche Maßnahme dar, die grundsätzlich den Regelungen der Hessischen Bauordnung unterfällt. So ist der Anbau in Form einer Überdachnung genehmigungsfrei, wenn der Inhalt von 40 m³ nicht überschritten wird, was hier vorbehaltlich der Höhe des Terrassenraumes nicht der Fall wäre. Allerdings sind noch mögliche besondere Regelungen eines Bebauungsplanes zu prüfen.

2. Soweit die Terrasse und damit die Überdachnung an die Grundstücksgrenzte heransreicht, bedarf es grundsätzlich der ausdrücklichen Zustimmung des Nachbarn. Nach § 6 HBO sind bei einer baulichen Anlage die Abstandsflächen zum Nachbargrundstück einzuhalten.

Von einer überdachten Terrasse geht als bauliche Anlage die Wirkung wie von einem Gebäude aus, so dass grundsätzlich die Abstandsflächen einzuhalten sind. Eine Ausnahme nach § 6 Abs. 8, 9, und Abs. 10 HBO greift hier leider nicht.

Nicht bei der Abstandsfläche zu berücksichtigen wären untergeordnete Bauteile, die nur 1,50 m vor die Außenwand hervortreten und zur Nachbargrenze 2 Meter entfernt bleiben, § 6 Abs. 6 HBO.

3. Im Ergebnis ist bei dem Vorhaben aufgrund der Größe von 3 m x 5 m eine Abstandsfläche von 3 Meter zum Nachbargrundstück einzuhalten, § 6 Abs. 5 HBO, welche ausdrücklich nicht für die Terrasse, aber für eine Überdachnung der Terrasse gilt.

4. Im Ergebnis empfehle ich, dass Sie hinsichtlich des Bauvorhabens sich zunächst an die Baugenehmigungsbehörde wenden, da ggfs. Besonderheiten eines Bebauungsplanes noch zu berücksichtigen sind.

Die Zustimmung des Nachbarn werden Sie aufgrund der Unterschreitung von der Abstandsfläche sowie zur Einhaltung der Brandschutzvorrichtungen einholen müssen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 19.06.2017 | 13:33

Sehr geehrter Anwalt, vielen Dank für Ihre Antwort. Laut unseren Bauamt bräuchten wir keine genehmigung. Da wir aber Wohngemeinschaft haben und nur sondernutzungsrecht für die Gründstücke sollte Nachbar zustimmung eingeholt werden. Ich möchte nochmal auf die Thematik Gericht (beschluß) angehen wie hoch der Risiko ist das die Überdachung zurück gebaut werden muss im Falle wenn Nachbar klagt. Wird ein Garten Pavilion (Breite 4m x 3m und Firsthöhe 2,70m) genauso wie Überdachung laut HBO betrachtet, oder kann ich diesen ohne Nachzufragen hinstellen ? Außerdem haben Sie uns noch keine Antwort gegeben was Trennwand (Höhe 1,80m) angeht und ob wir diese ohne Fragen zu müssen zw. unseren Gründstücken errichten können? Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.06.2017 | 16:03

Vielen Dank für die Rückmeldung.

Da es sich um Sondereigentum handelt, handelt es um ein Grundstück auf dem die Reihenhäuser sich befinden. Insoweit besteht keine Grundstücksgrenze zum Nachbarn, jedoch haben Sie an Ihrem Grundstück Sondereigentum und Sondernutzungrecht. Maßgebend für die Errichtung eines Anbaues ist dann die Teilungserklärung, Sieht diese einen Terrassenanbei und eine weiteren Ausbau vor, kann dieser erfolgen. Ist dies nicht geregelt, bedarf es der Zustimmung des Nachbar. Der Nachbar kann, wenn die Teilungserklärung einen entsprechenden Ausbau nicht regelt, den Rückbau verlangen.

Hinsichtlich der Höhe des Zaunes regelt das Hessische Nachbarrecht in § 15 eine Zaunhöhe von 1,20 m, soweit nicht die ortsübliche Einfriedigung eine andere Höhe vorsieht. Sind alle Zäune 1,40 m hoch dürfte dies der Ortsüblicheit entsprechen, so dass ein Zaun mit einer Höhe von 1,80 m nicht mehr von den Regelungen des Nachbarschaftsgesetz abgedeckt sind.

Im Ergebnis benötigen Sie für die Terrassenüberdachung die Zustimmung, wenn die Teilungserklärung einen solchen Anbau nicht erlaubt. Für einen Pavillion ist eine solche Zustimmung nicht erforderlich.

Ich hoffe dies hilft Ihnen weiter.

Mit besten Grüßen

Marcus Schröter
Rechtsanwalt

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