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Teilweise maschinenschriftliches Testament?

| 02.11.2012 09:15 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Hallo,
ich habe gelesen, dass nur ein "handgeschriebenes" Testament Rechtsgültigkeit hat.
Ich habe mein Testament geschrieben ... per Computer ... und es sind 4 Seiten geworden. Der wichtigste Punkt im Testament ist die Erbmasseverteilungshistorie, da alles andere bereits außertestamentarisch mit Banken und Versicherungen geregelt ist. Jede Seite dieses maschinengeschriebenen Testaments wurde von mir extra unterschrieben und, logisch, sowieso die letzte Seite.

Mit steht absolut nicht der Sinn danach, weder zu einem Notar zu latschen, noch die gesammelten 4 Seiten handschriftlich abzupinnen.

Nun habe ich eine handschriftliche Testamentsversion verfasst, die kurz die Erbfolge handschriftlich skizziert aber ganz klar sagt, dass jeder Punkt im maschinenschriftlichen Testament integraler Bestandteil der handschriftlichen Version ist und somit nicht mehr extra erwähnt wird in der handschriftlichen Version.

Kann ich das machen und erlangt das maschinenschriftliche Dokument mit diesem Querverweis aus der handschriftlichen Version Rechtsgültigkeit, wenn ich dann dereinst über die "Wupper" wandere?

Vielen Dank schon mal für die Antwort.

Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Frage beantworte ich wie folgt:

Es ist zunächst richtig, dass ein Testament handschriftlich verfasst werden kann. Dies ist in § 2247 BGB geregelt. Aus dieser Vorschrift geht hervor, dass der Erblasser „ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten" kann, die .neben Vor- und Zunamen des Erblassers auch Ort und Zeitpunkt der Erklärung enthalten soll. Wenn diese Angaben fehlen, hängt die Gültigkeit davon ab, ob sich die notwendigen Feststellungen auf andere treffen lassen. Bezüglich der eigentlichen Testamentsverfügung gibt es allerdings keine Einschränkungen, d.h. sie muss in vollem Umfang handschriftlich verfasst sein.

Ein wesentlicher Grund dieser Regelung ist, dass man bei einem vollständig geschriebenen Text am ehesten feststellen kann, ob Urheber tatsächlich derjenige ist, von dem die Unterschrift stammt. Dies würde dadurch unterlaufen, dass sich ein wesentlicher Teil der Regelungen in maschinenschriftlichen Dokumenten befindet. Insbesondere dann, wenn auf einen vollständig maschinenschriftlichen Text verwiesen wird, der aufgrund des handschriftlichen Testaments einbezogen werden soll, gilt für diesen maschinengeschriebenen Text wieder die Einschränkung, dass der von Ihnen verfasste Text unter Umständen relativ leicht ohne Ihr Wissen gegen einen anderen Text ausgetauscht werden könnte. (Es ist eben ein Unterschied, ob man nur Datum und Unterschrift, oder einen kompletten Text handschrifltich fälschen muss.)

Lediglich dann, wenn das handschriftliche Testament alle wesentlichen Verfügungen enthält und ein nicht dem Formerfordernis entsprechendes Schriftstück lediglich der Erläuterung dient, kann es berücksichtigt werden.

Mit einem teilweise maschinenschriftlich verfassten Testament hatte sich vor einigen Jahren das Oberlandesgericht Hamm zu entscheiden. In einem Beschluss vom 10.01.2006 (Aktenzeichen: 15 W 414/05) stellte das Gericht fest:

„Zur Wahrung des Formerfordernisses der eigenhändigen Niederschrift muss es deshalb bei der vom Landgericht bereits zitierten, auch vom Senat vertretenen obergerichtlichen Rechtsprechung bleiben, dass eine Bezugnahme auf ein nicht der Testamentsform entsprechendes Schriftstück nur dann der Formwirksamkeit der Verfügung nicht entgegensteht, wenn diese lediglich der näheren Erläuterung einer Verfügung dient, die in einem der Testamentsform entsprechenden Schriftstück eine hinreichende Grundlage findet. Kann hingegen die inhaltliche Bestimmung der letztwilligen Verfügung nur aus dem in Bezug genommenen maschinenschriftlichen Schriftstück gewonnen werden, ist die Testamentsform nicht mehr gewahrt."

Nach dieser Entscheidung reicht es für die Testamentsform nicht aus, wenn sich nur aus dem maschinenschriftlichen Teil, auf den der handschriftliche Textteil Bezug nimmt, die Erbeinsetzung ergibt. In diesem Fall hatte das zur Folge, dass nicht der im maschinenschriftlichen Teil benannte Erbe zum Zuge kam, sondern das Erbe nach der gesetzlichen Erbfolge verteilt wurde.

Angewendet auf Ihre konkrete Fragestellung heißt das also:

Soweit die maschinenschriftlichen Ausführungen, auf die Bezug genommen wird, lediglich der Erläuterung dienen, können sie im Streitfall zur Auslegung herangezogen werden.

Sie müssen aber unbedingt damit achten, dass die wesentlichen Verfügungen – also Benennung der Erben oder Vermächtignisnehmer, Bezeichnung der Zuwendung oder der Quote – sich vollständig im handschriftlichen Testament befinden.

Sollte ich mich unklar ausgedrückt oder einen Aspekt vergessen haben, nutzen Sie bitte die einmalige kostenlose Nachfragefunktion.

Nachfrage vom Fragesteller 02.11.2012 | 10:43

Hallo, vielen Dank. Die Erbenbenennung und Verteilungsquotierung habe ich handschriftlich berücksichtigt und Bezug zum maschinenschriftlichen Teil genommen bzw. nochmals darauf hingewiesen, dass die im maschinenschriftlichen Teil meinen Wünschen entsprechen.

Eine gesetzliche Erbfolge gibt es derzeit nicht ... das wäre der Staat, würde ich mich heute "verabschieden". Die Erben selbst und deren Reihenfolge habe ich selbstverständlich handschriftlich auch benannt und auch die einzelnen Quotierungen.

An dem maschinenschriftlichen Testament könnte auch so nichts mehr gefummelt werden, da alle direkten kommenden Erbnehmer bereits im Besitz einer entsprechenden von mir unterzeichneten pdf des maschinenschriftlichen Testaments sind.

Die Erbnehmer, die für den Fall greifen, dass meine unmittelbaren Erbnehmer alle verstorben sein sollten, sind Charity-Orgas.

Handschriftlich habe ich mir NUR die Adressen und sonstig Nebensächliches erspart, weil 4 Maschinenseiten, Sie wissen selbst, dass sowas handschriftlich schnell in einem "Roman" ausartet.

Also tackere ich hand- und maschinenschriftlich jetzt zusammen, erstelle eine pdf und versende neu. Ist das richtig so? Da, Ihren Angaben gemäß ja alles im handschriftlichen Testament ist, was beinhaltet sein MUSS, also Erbnehmer und Quotierung und Datum und Ort, inkl. meiner Unterschrift.

Nochmals also vielen Dank ... und auch für die Nachricht, dass ich nicht noch extra einen Notar konsultieren muss und es folglich ausreicht, wenn nach meinem Dahinscheiden sämtliche Erbnehmer ihre Kopie des Testaments + 1x Original beim Nachlassgericht einreichen.

Dann kann ich jetzt das Thema "Todesfall" zur Seite legen und LEBEN ... ;-).

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.11.2012 | 10:50

Ja, wenn alles Wesentliche im handschriftlichen Testament enthalten ist, können Sie die maschinenschriftliche - als pdf-Datei umgewandelte - Ergänzung beifügen.

Es ist auch nicht zwangsläufig notwendig, dass jeder Erbe sein eigenes Exemplar hat. Sie könnten auch ein handschriftliches Testament beim Nachlassgericht hinterlegen. Das würde dann nach Ihrem Tod eröffnet.

Bewertung des Fragestellers 02.11.2012 | 10:44

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FRAGESTELLER 02.11.2012 5/5,0
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