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Stuererklärung

| 25.04.2018 11:16 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Ab dem Jahr 2013 wurde meine Steuererklärung von einem Steuerberatungsbüro übernommen. Die Kosten sollten 1000€ betragen. Für das Jahr 2013 habe ich 1214€ (zu versteuerndes Jahreseinkommen lediglich 3700€) , für 2014 (Jahreseinkommen 8800€) 1613€ und für 2015 (Jahreseinkommen 42.865€) 1858€ bezahlt.
Es handelt sich um drei Mini-Unternehmen, von denen ab Mai 2017 nur noch eines besteht.
Der Inhaber des Steuerberatungsbüros hat zum Jahr 2018 gewechselt.
Für das Jahr 2016 (Jahreseinkommen 30.000€) wurde mir nun eine Rechnung über insgesamt 4300€ zugesandt.
In den vergangenen Jahren sei es versäumt worden, die Erfassung der Finanzbuchführung zu berechnen.
Ab dem Jahr 2016 seien nun die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgebühren berechnet worden. (also keine Nachberechnung der Jahre 2013-15).
Leider hatte ich auch die Unterlagen für das 1.Halbjahr 2017 bereits abgegeben. Auf die Rechnung hin habe ich mitgeteilt, dass ich meine Steuererklärung ab 2017 wieder selbst erledigen werde. (Für das Jahr 2016 hatte ich bereits eine Aufforderung des FA erhalten)
Die Daten seien bereits erfasst und die Steuererklärung könne sofort erstellt werden, wenn die restlichen Belege eingegangen seien. Ab 2018 könne ich sie ja dann wieder selbst erstellen.
Meine Frage: Ist der Betrag tatsächlich angemessen (Es sind ja wenige Belege, die ich selbst an einem Nachmittag erfassen könnte.) und hätte ich nicht VORHER über die Kosten informiert werden müssen?

Sehr geehrte Ratsuchende,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Ohne die fraglichen Rechnungen selbst ist eine Überprüfung deren Rechtmäßigkeit nur unzureichend möglich.

Aus dem Gesetz (Steuerberatervergütungsverordnung) StBVV ergeben sich tatsächlich Mindestbeträge, die einer Berechnung der Vergütung zu Grunde zu legen sind.
Zusätzlich jedoch kann der Steuerberater seinen individuellen Aufwand bei der Erstellung mit den erforderlichen Erklärungen anhand eines Gebührensatzes einregeln. Hier ist eine Einteilung in zehntel und zwanzigstel gebräuchlich.

Auf Nachfrage sollte der StB begründen können, warum er eben diesen Satz gewählt hat und nicht darunter oder darüber den Aufwand seiner Arbeit gesehen hat.

So wird er kaum damit argumentieren können, bei nur wenigen Buchungen im Jahr und vorsortierten Belegen mehr als 2 oder 3/10 für die Buchführung verlange zu können. Im Gegensatz kann er auch bei vielen unsortierten Belegen bei einer individuellen Vereinbarung auch höher als die Gebühren nach der Tabelle abrechnen oder aber nur den entsprechenden Höchstwert von 10/10 seiner Rechnung zugrunde legen.

Insoweit kann die Rechnung eines gewerblichen Unternehmers unter 60.000 Euro Gewinn oder 600.000 Euro Umsatz (EÜR) im geringsten Fall 419,83 Euro (brutto) betragen (vgl. Anlage).

Die von Ihnen angegebenen Werte lassen leider eine eindringlichere Prüfung nicht zu, so dass ich hier auf den entsprechenden Online-Rechner
http://steuerberatervergütung.de/
verweisen möchte.

Mit der Erklärung erst im kommenden Jahr wieder Ihre Steuererklärung selbst anfertigen zu können, müssen Sie sich keineswegs abspeisen lassen. Der Dienstvertrag mit dem StB kann jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden (§ 621 Nr. 5 BGB), außer Sie haben hier eine vom Gesetz abweichende Regelung getroffen.

Vorliegend sollten Sie den StB auffordern seine Rechnung für die bisherige Buchführung zu stellen, welche Sie auch bezahlen müssen und verlangen sowohl Ihre Belege als auch die bisher erstellten Buchführungsunterlagen (Journale, Summen und Saldenlisten) in Papierform und auch in einem für Sie verwendbaren digitalen Exportdatei heraus.

Sie können sich auch noch mit dem StB vorab über die Rechnung für 2017 verständigen und hier beispielsweise einen Festpreis vereinbaren.

Die Beschränkung auf die Jahre ab 2016 ist einfach der Verjährung geschuldet, denn auch bei der Leistungserbringung eines Steuerberaters gilt hier die 3 jährige Verjährungsfrist. Insoweit darf hier Ihr StB leider die bisherig nicht abgerechneten Tätigkeiten auch noch nachträglich in Rechnung stellen, außer Sie hatten eine entsprechende Vereinbarung mit dem Vorbesitzer. Eine solche Vereinbarung wäre aber im Zweifel nachzuweisen.
Hier sollten Sie jedoch die nachträglichen Rechnungen besonders prüfen, ob die abgerechneten Leistungen zum Beispiel nicht doppelt mit einer Postpauschale belegt wurden, etc.
Der Mindestsatz für Buchführungskosten beträgt übrigens 2/10, der Mindestbetrag lediglich 15.000 Euro (Gegenstandswert), so dass sich hier ein Nettobetrag in Höhe von 146,40 Euro ergibt. So der tatsächliche Gegenstandswert Ihrer Buchführung über den Mindestbetrag von 15.000 Euro liegt, ist selbstverständlich dieser Wert anzusetzen.

Man kann wie Sie es mit dem Vorbesitzer der Steuerkanzlei abgesprochen haben, durchaus über den Preis verhandeln. Jedoch lassen sich StB´s auf Festpreise ein und verweisen stets auf die gesetzlichen Vergütungen nach den Tabellenwerken der StBVV. Soweit sich der StB bei seiner Abrechnung der beauftragten Tätigkeiten nur auf diese bezieht, braucht er Sie nicht über die zu erwartenden Kosten hinzuweisen. Aufgrund des Gesetzescharakters der Vergütungsverordnung sind diese als allgemein bekannt zu unterstellen. So der StB jedoch davon abweicht oder abweichen möchte, muss er darauf entsprechend hinweisen bzw. mit dem Kunden eine abweichende Vergütungsvereinbarung treffen.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen



Nachfrage vom Fragesteller 26.04.2018 | 09:31

Sehr geehrter Herr Wehle,

besten Dank für Ihre schnelle Antwort.
Meine Frage war vor allem, ob ich nicht VOR der Bearbeitung meiner Unterlagen (die ja auch noch sehr spät, d.h. erst auf die Aufforderung des FA vor ca. 4Wochen hin) erfolgte, informiert werden müssen, dass die Kosten trotz geringeren Einkommens mehr als das doppelte der Vorjahresrechnung betragen würde.
Habe ich sie richtig verstanden, dass dies nicht der Fall ist?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.04.2018 | 10:24

Sehr geehrte Ratsuchende,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Soweit der StB sich mit der gestellten Rechnung im Rahmen der Vergütungsverordnung bewegt, nein.

Fragen Sie diesen, wie er die Verdopplung der Rechnung zu Vorjahr begründet/rechtfertigt.

Hinsichtlich der Positionen der Rechnung und der Höhe der gewählten Sätze ist die Rechnung individuell überprüfbar, die Gegenstandswerte hingegen ergeben sich direkt aus der Buchführung bzw. den Mindestbeträgen.

So Sie nicht mit der Begründung leben können für die erhöhte Rechnung, können Sie dem StB das Mandat sofort entziehen und Rechnungslegung für die bisherigen Arbeiten für 2017 verlangen (hier also nur die Buchführung) und die Aufgabe selbst übernehmen oder einen anderen StB beauftragen.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen



Ergänzung vom Anwalt 25.04.2018 | 12:30

Oh da war die Hand langsamer als der Kopf... es sollte heißen
Jedoch lassen sich StB´s auf Festpreise selten ein.

Das Einfügen einer Anlage ist hier leider nicht möglich, so dass ich Ihnen den Screeshot als downloadlink für eine Dauer von 2 Wochen ab dem heutigen Tag anfüge.
https://www.dropbox.com/s/25x0yxqvk6f6obd/2018-04-25.png?dl=0

Bewertung des Fragestellers 26.04.2018 | 12:20

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"Sehr schnelle und ausführliche Antwort, wenn auch leider nicht mit dem erhofften Ergebnis. "
Stellungnahme vom Anwalt:
Vielen Dank für Ihre Bewertung. Das Ihnen nicht zusagende Ergebnis haben Sie als Unternehmerin jedenfalls für die Zukunft selbst in der Hand. Sprechen Sie offen mit Ihren Dienstleistern und vereinbaren Sie transparente Kosten. So werden Sie nachträglich auch nicht mit nachgeschobenen erhöhten Rechnungen überrascht. Lassen Sie ruhig einmal die vorliegenden Rechnungen von einem Kollegen vor Ort prüfen und auch hier nicht vergessen, vorher über den Preis sprechen und eine Vergütungsvereinbarung treffen.