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Stromabrechnung zu hoch - was tun?

29.05.2012 12:32 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Hallo,

vor einigen Tagen erhielt ich eine Jahresabschlussrechnung für meinen Stromverbrauch - die Stadtwerke fordern von mir eine Nachzahlung von 2200 Euro für 10609 kwH Verbrauch.

Auf Nachfrage beim Versorger stellten sich folgende Fakten heraus:

1) Der Verbrauch wurde - aufgrund fehlender Ablesungen (der Stromkasten hängt frei zugänglich im Keller des Hauses) seit dem Jahr 2008 geschätzt. 2007 bin ich im September dort eingezogen, Anfang April des Folgejahrs fand die die letzte Ablesung statt.

2) Aufgrund dieser Ablesung hat man meinen Verbrauch geschätzt und in den Folgejahren einen meiner Meinung nach viel zu niedrigen Verbrauch für die Schätzung angesetzt (jeweils ca. 1050 kwW) und dementsprechend auch einen zu niedrigen Abschlag monatlich.

Am 29.02.12 hat nun angeblich eine Ablesung durch den Anbieter stattgefunden, die einen Zählerstand von ca. 35740 kwh ergab. Heute - also 3 Monate später - zeigt der Zähler aber tatsächlich nur 35000 kwh.

Aufgrund dieses Zählerstandes wurden weitere Schätzungen für den Zeitraum 1.3.12 bis 1.4.vorgenommen, die auch mit ca. 2500 kwh zu Buche schlagen. Mein neuer Abschlag soll entsprechend 232 Euro monatlich betragen.

Die Mitarbeiterin des Stromanbieters erklärte mir, man habe im System nach Fällen gesucht, wo über mehrere Jahre keine Ablesung erfolgt sei - und die zuwenig gezahlten KwH würden nun auf einen Schlag in Rechnung gestellt lt. aktueller Ablesung.

Hierzu meine Fragen:

1) Ist es statthaft von Seiten des Anbieters, einen derartig niedrigen Verbrauch zu schätzen? Norm wären lt. Verbraucherschutz ca. 2200 kwh.

2) Ist es statthaft, diesen Verbrauch nun auf einmal aufgrund einer offenbar falschen Ablesung in Rechnung zu stellen? gibt es eine Verjährungsfrist für solche Forderungen? Ich meine mich an 3 Jahre zu erinnern, womit zumindest 2008 ja ggf. nicht mehr zu betrachten wäre.

3) Der Stromverbrauch erscheint relativ hoch (lt. aktuellen täglichen Ablesungen am Zähler). Sollte dieser hohe Stromverbrauch durch mitvermietete Ausstattung der Wohnung entstehen (Kühlschrank, Durchlauferhitzer etc.), besteht dann die Möglichkeit, den Vermieter an den entstandenen Mehrkosten für den Strom zu beteiligen?

Eine kurze Einschätzung meiner Rechtslage und ein Tip zum weiteren Vorgehen dem Stromanbieter gegenüber wären wünschenswert.

Mit freundlichem Gruss

Sehr geehrter Fragesteller,

danke für Ihre Anfrage, die ich anhand Ihres Sachverhaltes und Ihres Einsatzwertes gerne wie folgt beantworten möchte:

1.
Grundsätzlich sind Sie aus dem Vertrag mit Ihrem Stromanbieter verpflichtet, den von Ihnen verbrauchten Strom zu bezahlen. Damit der Verbraucher jedoch nicht erst mit der Abschlussrechnung seinen kompletten Stromverbrauch begleichen muss, wird in der Regel wie bei Ihnen eine monatliche Abschlagszahlung vereinbart. Die Schätzung für diese obliegt dem Stromanbieter. Der Verbraucher kann aber Tatsachen angeben, die einen höheren oder niedrigeren Verbrauch begründen. Diese berücksichtigt der Anbieter in der Regel bei seiner Schätzung.

Der Stromverbrauch, der Ihnen letztlich insgesamt in Rechnung gestellt wird, ist in der Regel vom Stromanbieter zu ermitteln. In welchen Abständen dies geschehen muss, ist in der Regel vertraglich vereinbart. Da Sie diesbezüglich jedoch keine Angaben gemacht haben, kann ich an dieser Stelle keine Beurteilung abgeben.

Die Ermittlung des Verbrauchs geschieht in der Regel durch Ablesen des Stromzählers.

Wann eine Ablesung stattfinden muss, dürfte sich aus dem Vertrag mit Ihrem Stromanbieter im Zusammenhang mit der Fälligkeit der Abrechnung ergeben.

Aus Verbraucherschutzgründen ist der Stromanbieter angehalten, einen einigermaßen realistischen monatlichen Verbrauch zu schätzen.

Allerdings begründet eine zu niedrige Schätzung nicht, dass ein "zu hohe" Abschlussrechnung nicht bezahlt werden muss. Wenn die Abschlussrechnung dem tatsächlichen Verbrauch entspricht, muss diese beglichen werden.

Wenn der der Rechnung zugrundeliegende Verbrauch falsch abgelesen wurde, haben Sie einen Anspruch auf eine korregierte Rechnung.

2. Verjährung

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt 3 Jahre nach § 195 BGB. Sie beginnt gem. § 199 BGB, soweit nicht ein anderer Verjährungsbeginn bestimmt ist, mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger (Stromanbieter) von den den Anspruch begründeden Umständen (ermittelter Stromverbrauch) und der Person des Schuldners (Sie) Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen musste.

Für die Verjährung kommt es darauf an, wann der Zahlungsanspruch Ihres Stromanbieters fällig ist. Dies ergibt sich wieder aus Ihrem Vertrag mit dem Stromanbieter.

3.
Grundsätzlich ist jeder Verbraucher selbst für seinen Stromverbrauch verantwortlich. Der Vermieter kann daher in der Regel nicht in Anspruch genommen werden.
Hinsichtlich der gemieteten Elektrogeräte müsste jedoch geschaut werden, ob es sich dabei um unzumutbare "Stromfresser" handelt, die dem heutigen Standard nicht mehr entsprechen. In diesem Falle könnte Ihr Vermieter verpflichtet sein, die Geräte entsprechend dem Standard auszutauschen.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort eine erste rechtliche Orientierung geboten zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Anke Thiede
Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 29.05.2012 | 14:54

Hallo,

und danke für die schnelle Antwort.

Zum besseren Verständnis eine Nachfrage:

Mein Stromanbieter berechnet den Jahresverbrauch immer vom 01.4. eines Jahres bis zum 31.03. des Folgejahres, fällig wird die Abschlussrechnung dann 14 Tage später. Dies zugrundegelegt: wäre eine der Teil-Nachforderungen verjährt?

Ein alter Warmwasser-Boiler in der Küche hat bis zu seinem Austausch im April diesen Jahres vermutlich höhere Kosten verursacht - das Gerät wurde wegen Defekt inzwischen ausgetausch gegen ein neues - mehr ist also nicht möglich, richtig?

Gruss

S. Holzmann

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.05.2012 | 15:56

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage möchte ich gerne wie folgt beantworten:

1.
Vorweg sei nochmals darauf hingewiesen, dass es für eine abschließende Beurteilung Ihrer Angelegenheit der Einsicht und Prüfung Ihres Vertrages mit dem Stromanbieter bedarf.

Nach Ihren Schilderungen darf davon ausgegangen werden, dass für die Abrechnung für den Zeitraum April 2008 bis März 2009 die Verjährungsfrist mit dem Schluss des Jahres 2009 beginnt, also am 31.12.2009.

Die Abrechnung ist nicht nach Jahren zu trennen.

Für die Verjährung kommt es auf die Fälligkeit des Anspruchs an.
Wenn vereinbart ist, dass ein Anspruch erst im nächsten Jahr fällig sein soll und entsprechend abgerechnet wird, ist für die Verjährung nicht dass Jahr in dem der Strom verbraucht wurde entscheident, sondern der Zeitpunkt der Fälligkeit.

Damit endet die Frist von 3 Jahren mit dem Schluss des Jahres 2012. Daher ist dieser Zeitraum leider noch nicht verjährt.

2.
Gegen Ihren Vermieter könnten Sie wegen des defekten Wasserboilers im Bezug auf den erhöhten Stromverbrauch nur Erstattung der sich daraus ergebenen erhöhten Stromkosten verlangen, insofern der erhöhte Verbrauch auf den Defekt zurückzuführen ist. Dies müssten Sie im Streitfalle auch beweisen können z.B. mit Hilfe eines Gutachtens.


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Sollten Sie bei dieser Angelegenheit weitere Hilfe benötigen, können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzten.

Mit freundlichen Grüßen

Anke Thiede
Rechtsanwältin

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