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Streitigkeiten wegen Kater


| 16.11.2007 16:52 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht



Hintergrund:

Mein Mann und ich bewohnen seit knapp 4 Jahren ein selbstgebautes Haus auf einem knapp 900 qm großem Grundstück. Wir hatten bis vor einem ½ Jahr 2 Kater, jetzt noch 1 Kater. Das Nachbarhaus ist seit ca. 3 Jahren wieder bewohnt; die Familie hat 1 Kater.

Alle Tiere waren/sind Freigänger, wobei unser(e) Kater nur stundenweise unter Aufsicht draussen waren/sind, wenn mein Mann oder ich da sind.

Der Kater der Nachbarn (ca. 5 Jahre alt, also Jungtier, auf Nachfrage aus dem Tierheim) zeigte vom ersten Tag an hochaggressives Verhalten. Die meiste Zeit befindet er sich auf unserem Grundstück (tagsüber und nachts).

Im Laufe der letzten 3 Jahre hat es u.a. folgende Vorkommnisse gegeben; alles passiert auf unserem Grundstück:

- Biss in Hand mit anschließender Blutvergiftung (Katzen- und Hundebisse sind meist hochinfektiös) und 1 Woche Arbeitsunfähigkeit
- Angriffssprung ans Bein mit tiefen Kratzwunden
- Angriffssprung am Bein mit Fleischwunde und wadenübergreifendem Bluterguss

Alles musste ärztlich behandelt werden.

Ausserdem wurden unsere beiden eigenen Kater, jetzt ein Kater, welcher mit fast 15 Jahren schon betagter ist und sich im Katerkampf nicht mehr so gut verteidigen kann, permanent angegriffen, so dass einiges an Tierarztkosten für Behandlungen (u.a. Operation eines Afterrisses) zusammengekommen ist. Die Katerverletzungen haben wir „normal“ hingenommen, da Kater nun mal kämpfen, und haben dies unseren Nachbarn auch nicht vorgehalten oder gar Tierarztkostenerstattung angefragt.

Die ständigen Angriffe auf uns allerdings wollten wir dann doch nicht länger stillschweigend hinnehmen. Wir haben daraufhin die Initiative ergriffen und die Nachbarn angesprochen. Die Wunde wurde gezeigt. Und wir haben vorgeschlagen, dass wir auf eigene Kosten durch unsere 2 m hohe Thujabaumhecke (zur Seite des Hauses der anderen Katerbesitzer) ca. 60 cm hohen Maschinenzaun ziehen, damit der Kater von dieser Seite nicht mehr auf unser Grundstück laufen kann.

Ich möchte betonen, dass wir keineswegs generell etwas dagegen haben, dass der Kater auf unserem Grundstück umherläuft, zumal wir selbst lange Jahre Katzen haben und recht tierlieb sind. Aber es war kaum noch möglich, ohne Blessuren nur zum Mülleimer zu gelangen. Auch die Terrassentür konnten wir nicht auflassen, ohne Gefahr zu laufen, dass der Kater hereinkam und unsere Kater(n) und uns angriff.

Originalaussage der Nachbarn damals war, dass das allein unser Problem sei und wir selbst zusehen müssten, wie wir Abhilfe schaffen. Sie könnten und wollten ihren Kater rauslassen, wann sie wollen und wir hätten da nichts gegen zu machen. Abhilfe haben wir mit dem Drahtzaun und Hecke versucht. Unser Grundstück ist rundum (bis auf die Heckenseite) von einem Holzzaun umgeben, der naturgemäß jedoch kein Hindernis für eine Katze darstellt.

Zudem hat der Kater an unseren Autos (im offenen Carport auf unseren Grundstück) für so manchen Lackkratzer gesorgt. Auch das haben wir stillschweigend hingenommen, obwohl wir den Kater desöfteren auf unseren Autos gesehen haben und unser eigener Kater nicht mehr auf ein Auto springen kann.

Wir haben im Laufe der Zeit mehrmals freundlich versucht, die Probleme mit der Aggressivität des Katers mit unseren Nachbarn anzusprechen und eine gemeinsame Lösung zu finden, da wir weder unsere(n) Kater, noch den anderen Kater eingesperren lassen wollen, wurden jedoch jedes Mal abgeblockt. Man hat uns „vorschlagen“, den Kater mittels „Prügel“ (O-Ton) von unserem Grundstück zu vertreiben bzw. ihn „über die Hecke zu werfen.“. Derartigen Umgang pflegen die Nachbarn in der Regel mit dem Kater, was wir mehrmals beobachten konnten. Von einem Prügeln des Tieres haben wir uns distanziert; Verscheuchversuche (z.B. mit Wasser aus dem Wasserschlauch; Klatschen in die Hände und lautes Rufen) hatten jedoch zum Ergebnis, dass der Kater nur noch aggressiver wurde und wieder Angriffe startete.

Wir haben vor ungefähr einem ¾ Jahr einen anderen Weg eingeschlagen, der uns praktikabler erschien, nämlich das Tier mit Streicheleinheiten und etwas Futter „zahmer“ zu stimmen. Das Zusammenleben mit dem Kater wurde daraufhin erheblich besser. Zumindest sind keine weiteren Angriffe in oben geschilderter Weise mehr erfolgt. Der Kater ist gesund, die Futterzugabe hat nicht zu Gewichtszunahme o.ä. geführt, sondern lediglich zu „sozialerem Katzenverhalten“.

Wir haben Wert darauf gelegt, dass nicht der Eindruck entsteht, wir würden unseren Nachbarn den Katern entziehen wollen. Futter und Streicheleinheiten dienen uns lediglich dazu, den Kater „milde“ in seinem Verhalten zu stimmen und Angriffe zu vermeiden.

Bis gestern waren wir der Meinung, dass das in Ordnung sei, zumal sich die Nachbarn auch zu keiner Weise anderslautend geäussert haben. Gestern allerdings wurden wir auf mehr als rüde Weise darauf hingewiesen, dass wir die Futterzugabe zu unterlassen hätten, das Tier nicht mehr streicheln dürften, sondern (O-Ton) zu „prügeln hätten und damit rüberzuscheuchen“. Wir wurden verbal beschimpft und ansatzweise bedroht.

Fragen:

Wir wissen, dass die Rechtslage bei freilaufenden Katzen so ist, dass man das als Nachbarn hinzunehmen hat. Das haben wir auch getan und tun es noch. Wie aber sieht die Rechtslage aus, wenn die Katze bzw. der Kater der Nachbarn sich auf unserem Grundstück hochaggressiv zeigt und uns bzw. unseren Kater verletzt? Ist das dann wirklich nur unser Problem und die Nachbarn müssen Ihrerseits nichts unternehmen?

Können wir gezwungen werden, zu unserer eigenen Verteidigung bzw. Mildestimmung des aggressiven Tieres die Fütterung bzw. Streicheleinheiten einzustellen?

Wir füttern seit September in Abstimmung mit der Igelhilfe Berlin und Paderborn auch mehrere Igel in unserem Garten zur Wintervorbereitung, so dass so oder so Futter draussen steht (auf unserer Terrasse hinten im Garten).

Wie gesagt, alle Vorgänge und Handlungen spielen sich zu 100% auf unserem Grundstück ab.

Wir wären Ihnen überaus dankbar, hier eine rechtliche Grundlage zu erfahren. Wir möchten eine Eskalation mit den Nachbarn auf jeden Fall vermeiden. Schließlich möchten wir noch ein paar Jahre nebeneinander in Frieden leben.

Vielen Herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme.

Freundliche Grüße

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

auf Grund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes beantworte ich Ihre Frage zusammenfassend wie folgt:

Zunächst haben Sie richtig erfasst, dass Sie das Betreten Ihres Grundstückes durch Nachbars Kater nicht verhindern können.

Grundsätzlich wären die Nachbarn gemäß § 833 BGB verpflichtet, die durch den Kater verursachten Schäden hinsichtliche Ihres Eigentums und Ihrer Gesundheit zu ersetzen. Bei einem solchen Schadensersatzanspruch könnte Ihnen der Nachbar jedoch entgegenhalten, dass Sie durch das Füttern den Kater anlocken und damit gegen Ihre Schadensminderungspflicht verstoßen würden bzw. Ihnen ein Mitverschulden anzurechnen wäre. Der Ersatzanspruch wäre entsprechend zu mindern.

Gegen Ihr Vorgehen bezüglich des Katers gibt es meines Erachtens keine Einwände.

Sie haben gegen Ihren Nachbarn einen Anspruch auf Beseitigung bzw. Verhinderung der Angriffe des Katers (§ 1004 BGB).

Bei dem Kater handelt es sich rein rechtlich um eine Sache (§ 90a BGB), von welcher Beeinträchtigungen Ihres Grundstücks ausgehen. Die Beeinträchtigung ist darin zu sehen, dass Sie ohne Ihr Eingreifen (Futter bzw. Streicheleinheiten) in der Nutzung Ihres Grundstücks dahingehend eingeschränkt waren, dass es durch das aggressive Verhalten des Katers auf Ihrem Grundstück zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen gekommen ist.

Der Nachbar ist verpflichtet, die Beeinträchtigungen durch seinen Kater zu unterbinden. Tut er dies nicht, kann er auch nicht von Ihnen verlangen, dass Sie Ihre Problembewältigungsstrategie einstellen.

Wenn Ihr Nachbar nicht möchte, dass Sie in der beschriebenen Art und Weise mit seinem Kater umgehen, muss er dafür sorgen, dass sein Kater den Weg zu Ihnen nicht mehr findet, z.B. durch Streichen des Freigangs. Ein Verhalten Ihrerseits in Form eines Verscheuchens bzw. gar einer Misshandlung des Tieres kann durch Ihren Nachbarn keinesfalls verlangt werden.

Abschließend möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Beurteilung des geschilderten Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen entscheidungserheblicher Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Ich hoffe, Ihnen einen Überblick gegeben zu haben und stehe Ihnen weiterführend, insbesondere im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion, gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Maik Elster
Rechtsanwalt
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"Die Bewertung der Sachlage hat uns in unserer Meinung und Vorgehensweise bestätigt. Glücklicherweise konnten wir das Thema vorerst durch ein persönliches Gespräch in vernünftige Bahnen lenken. Aber es beruhigt natürlich, die rechtliche Lage zu kennen.

Herzlichen Dank und Grüße "