Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
482.167
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Streitereien um Testament, was tun?


21.05.2006 15:40 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stephan Bartels



Sehr geehrte Damen und Herren,

mein getrennt lebender Mann verstarb letztes Jahr im Mai. Seither gibt es nur Probleme mit meinen Schwiegereltern in Bezug auf Kinder und Testament.

Mein Mann schrieb in seinem Testament:

.....Alleinerbe beide Kinder zu gleichen Teilen. Bis zu deren Volljährigkeit sollen die Immobilie und das nach der Zugewinnaufteilung verbleibende Bargeld durch meine Eltern im Auftrag meiner Kinder verwaltet werden. Die Immo sollen bis zur Volljährigkeit beider Kinder vermietet werden, so dass diese selbst entscheiden können, was damit erfolgen soll.
......Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, dass auch nach meinem Tod die Zugewinnaufteilung rechtlich vollzogen wird und somit der Erbanteil meiner Kinder eindeutig definiert wird.....


Meine Schwiegereltern (Zerrüttung schon seit 5 Jahren, machen mich auch für den Tod (Verkehrsunfall) verantwortlich, ließen durch Ihren Anwalt schreiben, dass ich keinen Zugewinn erhalten werde, von den Mieteinnahmen kein Geld an die Kinder fließen wird
und sie absolut nichts herausgeben werden. Nicht einmal das Inventar!!

Aber es war doch der letzte Wille meines Mannes, Zugewinn etc.


Was kann ich dagegen unternehmen und welche Rechte/Chance habe ich???

Kann ich auch die 4 Lebensversicherungen, die meine Schweigereltern als Begünstigte erhalten habe, anfechten? Pflichtteil der Kinder??

Es kann doch nicht sein, dass nichts, aber auch gar nichts den Kindern vor 18 und mir zufließt? nicht einmal die Differenz Unterhalt??


Bitte helfen Sie mir.


Vielen Dank im Voraus.


Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich vor dem Hintergrund Ihres Einsatzes und aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworte:

1. Das Testament
Durch das Testament hat Ihr verstorbener Ehemann offensichtlich eine von der gesetzlichen Erbfolge abweichende Regelung treffen wollen und zwar dahingehend, dass Sie als gesetzliche Erbin von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Dies ist eindeutig formuliert durch den Hinweis, dass Ihre gemeinsamen Kinder „Alleinerben“ werden sollen.

Aufgrund Ihrer Enterbung haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf den Pflichtteil. Ihr Pflichtteil beträgt die Hälfte Ihres gesetzlichen Erbteils und wird anhand des Wertes des Nachlasses im Zeitpunkt des Anfalls der Erbschaft (Todestag) berechnet. Der Anspruch ist ausschließlich auf Barzahlung gerichtet und besteht gegenüber den eingesetzten Erben, also Ihren Kindern.

Wenn Sie als Eheleute im gesetzlichen Zustand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben, dann wäre im Falle einer Scheidung der Zugewinnausgleich durchgeführt worden, mit der Folge, dass derjenige Ehegatte, der während der Ehe mehr hinzugewonnen hat als der andere, die Hälfte hiervon in Bar an den anderen Ehegatten ausgleiche müsste. Im Falle des Todes eines Ehegatten sieht das Gesetz vor, dass der Zugewinnausgleich ebenfalls durchgeführt wird und zwar dadurch, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatte um ein Viertel erhöht, § 1371 Abs. 1 BGB. Durch Ihre Enterbung in dem Testament ist diese Berechnungsmethode ausgeschlossen und das Gesetz verweist Sie auf die „normale“ Berechnung des Zugewinns, § 1371 Abs. 2 BGB. Hierfür müssten Sie das Anfangs und Endvermögen von Ihnen beiden Darlegen und hieraus Ihre evtl. Ausgleichsforderung berechnen. Auch dieser Anspruch ist gegen die Erben zu richten und besteht ausschließlich in einer Barzahlung.

Für die Durchsetzung Ihrer Zahlungsansprüche müssten Sie daher die oben genannte Berechnung durchführen und den entsprechenden Betrag von Ihren Kindern als Erbengemeinschaft verlangen. Hierzu haben Sie auch ein gesetzliches Auskunftsrecht über die Höhe des Vermögens im Zeitpunkt des Anfalls der Erbschaft.

Zwar sind Sie die gesetzliche Vertreterin Ihrer Kinder und dürften die beiden somit grds. auch in allen wirtschaftlich Angelegenheit vertreten, insbesondere auch Vermögensverfügungen durchführen. Allerdings gilt dies nicht, wenn es sich um Geschäfte von erheblichem Umfang handelt, die für Ihre Kinder auch rechtlich nachteilig sind. In diesem Fall wäre vom zuständigen Gericht ein sog. Ergänzungspfleger zu bestellen, der über die Interessen Ihrer Kinder in Bezug auf die Geschäfte mit Ihnen wacht.

2. Die Schwiegereltern
Mit seinem Testament hat Ihr Ehemann festgelegt, dass die Großeltern Ihre Kinder bei der Verwaltung des Nachlasses „in deren Auftrag“ unterstützen. Hierdurch sind Ihre Schwiegereltern als sog. Testamentsvollstrecker eingesetzt worden, mit der Aufgabe, die Anordnung Ihres Ehemannes, die Immobilie und das überschüssige Bargeld bis zur Volljährigkeit der Kinder zu erhalten. Als Testamentsvollstrecker sind die Großeltern Ihren Kindern gegenüber zur Rechnungslegung verpflichtet. Da im Testament keine Auszahlungen an die Kinder vorgesehen sind, könnte man die Auffassung vertreten, dass solche Zahlungen bis zur Volljährigkeit nicht erfolgen sollen. Allerdings würde dabei ausser acht gelassen, dass die Kinder ausser Stande sind Ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten und gleichzeitig über beträchtliches Vermögen verfügen. Insoweit wäre das Testament dahingehend auszulegen, dass die Erträge jedenfalls in Höhe der Unterhaltsbeträge an die Kinder auszuschütten sind und dies auch von Ihrem Mann so gewollt gewesen wäre. Hierauf sollten Sie den Rechtsanwalt der Schwiegereltern hinweisen.

Hinsichtlich der Herausgabe anderer Nachlassgegenstände (Inventar) ist eine Verwaltung nicht angeordnet, so dass meines Erachtens Inventargegenstände an die Kinder herauszugeben sind.

Ihnen steht zweifelsfrei der Zahlungsanspruch auf Grundlage des Zugewinnausgleichs zu (s.o. Ziff. 1.). Diesen müssten Sie gegen Ihre Kinder als Erbengemeinschaft geltend machen, vertreten durch Ihre Schwiegereltern als Testamentsvollstrecker. Sollte das geerbte Bargeld nicht ausreichen, müssten die Testamentsvollstrecker evtl .auch die von IHnen verwaltete Immobilie belasten oder verkaufen. Die Anordnungen Ihres Ehemannes bzlg. der Verwaltung des Nachlasses (keine Veräußerung bis zur Volljährigkeit der Kinder) können der Durchsetzung Ihres Pflichtteils und des Zugewinnausgleichs nicht entgegengehalten werden.

3. Die Lebensversicherung
Die Versicherungen sind kein Bestandteil des Nachlasses. Die Ansprüche Ihrer Schwiegereltern gegen die Versicherungen sind unmittelbar durch den Tod Ihres Mannes entstanden, wenn die Schwiegereltern als Bezugsberechtigte von Ihrem Ehemann eingesetz worden waren. Hiergegen können Sie nicht vorgehen. Für eine Anfechtung der Erklärung Ihres Ehemannes gibt es keine Anhaltspunkte (Geschäftsunfähigkeit, Drohung, etc.).

Ich hoffe, dass ich Ihnen für Ihre weiteres Vorgehen eine erste Orientierung geben konnte. Aufgrund der von Ihnen beschriebenen Differenzen mit den Testamentsvollstreckern der Kinder empfehle ich Ihnen dringend die Inanspruchnahme anwaltlicher Unterstützung bei der Wahrnehmung Ihrer und der Interessen Ihrer Kinder. Ggf. stehe ich Ihnen auch gern für die weitere Beratung/Vertretung zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bartels
Rechtsanwalt, Hamburg

Nachfrage vom Fragesteller 21.05.2006 | 18:52

Heißt das auch, dass mir von den monatlichen Mieteinnahmen ein Teil überwiesen werden muß?

Die Waisen-/Witwenrente ist im Vergleich zum seitherigen Unterhalt um fast 1000 € im Monat weniger.
Wer bezahlt hier die Differenz?
Die unfallgegnerische Versicherung bezahlt nichts, da er Teilschuld hatte.

Es geht ja letztendlich um die Existenz meiner Kinder und mir.
Meine Schwiegereltern lassen nichts unversucht, um mich finanziell zu schädigen, wo sie nur können.

Was habe ich sonst noch für Chancen?

Bitte helfen Sie mir, danke.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.05.2006 | 22:02

Sehr geehrte Fragestellerin,

wegen der Befriedigung Ihres Pflichtteils und Ihres Anspruchs auf Zugewinnausgleich können Sie auf den gesamten Nachlass zugreifen, also falls das Bargeld nicht ausreicht auch auf die Mieteinnahmen. Die Forderung müßten Sie allerdings gegen Ihre Kinder als Erben geltend machen. Für Verfügungen der Kinder über deren Vermögen wären wiederrum die SChwiegereltern zuständig.

Für den Unterhalt Ihrer Kinder müssen in erster Linie Sie aufkommen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Ihre Kinder aufgrund des Erbes jetzt eigenes Vermögen haben. Hier müßte eine konkrete Berechnung erfolgen, die dies hinreichend berücksichtigt.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieses Forum nur eine erste rechtliche Orientierung bieten kann und keine umfassende Rechtsberatunbg. Da Sie mitgeteilt haben, dass Ihre Schwiegereltern nicht mit Ihnen kooperieren, wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als ebenfalls einen Rechtsanwalt mit Ihrer Interessenwahrnehmung zu beauftragen. Der Sachverhalt ist hier auch nicht so einfach gelagert, dass eine eigenständige Bearbeitung durch Sie möglich erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bartels
Rechtsanwalt, Hamburg

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60566 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Fundierte ausführlichst recherchierte Antwort. Danke! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle und umfassende Antwort. Gerne wieder ! ...
FRAGESTELLER
3,8/5,0
die freundliche Antwort kam schnell. Sie war nicht untermauert. In der Nachantwort kam dann eine leichte Untermauerung. Zahlen, Daten, Fakten sind nun mal wichtig. Mir fehlte zumindest noch ein Urteil. Das habe ich mir nun ... ...
FRAGESTELLER