Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Streichung von gewährtem Urlaub


11.04.2006 19:37 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Elmar Dolscius



Guten Tag,
nachdem unser Kollege bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde, und länger ausfällt, hat sich gleichzeitig eine andere Kollegin eine geheimnisvolle Krankheit zugelegt, bei der sie wohl auch länger krank sein wird. Genaueres weiss man noch nicht.

Daraufhin wurde mir und meiner Kollegin der vor Monaten bereits genehmigte und gebuchte Urlaub mit den Worten gestrichen: wenns uns nicht passt, können wir ja gehen, und wenn wir dafür kein Verständnis haben, sind wir sowieso fehl am Platz.
Über die Unkosten würden wir uns schon einig werden.

Wir sind eine Firma mit weltweit 1500 Mitarbeitern und im kaufmännischen Bereich tätig. Wir sind eine Abteilung mit 4 Mitarbeitern, seit Monaten unterbesetzt. Eine äquivalente Abteilung ist mit 7 Mann/Frau momentan voll besetzt.

1. Ist es zulässig, uns den Urlaub zu streichen?
2. Wenn ja, auch auf diese Art? Das ist doch Erpressung?
3. Wenn ja, müssen auch die Kosten für denselben Urlaub zu einer spätereren teuereren Saisonzeit ersetzt werden?
Wie machen wir die geltend?
4. Wie können wir uns gegen diese Hypochonder-Kollegin wehren, die auf unsere Kosten laufend krank macht, und keiner registriert das und unser Chef bemitleidet sie noch?

Danke für Ihre Antwort.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Frage auf der Basis der mitgeteilten Informationen.

1. Leider verhält es sich so, dass die Frage, ob der Arbeitgeber den einmal erteilten Urlaub widerrufen kann gesetzlich nicht geregelt ist, weder im BGB noch BUrlG. Geregelt ist nur, ob der Arbeitgeber den Urlaub erteilt oder wegen dringender betrieblicher Erfordernisse verwehrt.
Grundsätzlich gilt folgendes: Der Arbeitgeber darf einen einmal gewährten Urlaub im allgemeinen nicht widerrufen. Nur in ganz extremen Ausnahmefällen ist ein solcher Widerruf möglich. Solche Ausnahmefälle sind aber rein theoretisch, d.h. es gibt sie in der Praxis kaum. Auch in Ihrem Fall kan ich keine Ausnahme erkennen, umso weniger, da es sich um eine Firma mit 1500 Mitarbeitern handelt.
Dennoch müssen Sie folgendes beachten: Auch ein rechtswidriger Widerruf von bereits gewährtem Urlaub durch Ihren Arbeitgeber führt dazu, daß Sie den Urlaub zunächst einmal nicht antreten dürfen. In einem solchen Fall müssten Sie die Hilfe eines Arbeitsgerichts in Anspruch nehmen. Wer "auf eigene Faust" Urlaub macht, nimmt eine Selbstbeurlaubung vor, die schwerwiegende rechtliche Konsequenzen hat.
Für Sie bedeutet da leider, dass Sie den Gang vor ein Arbeitsgericht antreten müssen, wenn Sie Ihren Urlaub nehmen wollen.

2. Die Art des Arbeitgebers ist indiskutabel. Er verstößt damit gegen elementare Grundsätze des Arbeitsverhältnisses. Eine Erpressung ist es allerdings nicht. Das wäre es nur, wenn der Arbeitgeber das Recht hätte, Ihnen den Urlaub zu widerrufen oder Ihnen für den Fall, dass Sie nicht kooperieren Sanktionen androht, die er auch wirklich berechtigt wäre vorzunehmen. Beides ist jedoch gerade nicht der Fall. Der AG kann Ihren Urlaub nicht widerrufen, da ihm meines Erachtens das dringende betriebliche Erfordernis fehlt und tun kann er Ihnen nur etwas, wenn Sie den Urlaub dennoch antreten. Fraglich ist allerdings, ob Sie nicht die Möglichkeit haben, das Verhalten dem Betriebsrat vorzutragen.Auch der AG hat die Pflicht, alles zu unterlassen, was das Arbeitsverhältnis belasten kann.

3. Widerruft der Arbeitgeber bereits erteilten Urlaub, können Sie vom Arbeitgeber Ersatz der hierdurch entstehenden Kosten sowie Nachgewährung des nicht in Anspruch genommenen Urlaubs zu einem späteren Zeitpunkt verlangen. Ob die Differenz zu einem teureren Urlaub während der Saisonzeit darunter fällt, müsste im Einzelfall von einem Arbeitsgericht geklärt werden. Damit beantwortet sich auch die nächste Frage: Für den Fall, dass der AG sich weigert, die entstehenden Kosten zu tragen, bleibt Ihnen nur der Gang vor ein Arbeitsgericht.

4. Gegen Ihre "Kollegin" können Sich sich nur über den Betriebsrat wehren. Sie müssten dort vortragen und beweisen können, dass Ihre Kollegin wirklich krank macht und das auf Ihre Kosten geht. Dann hat der Betriebsrat die Möglichkeit, vom AG ein Einschreiten zu verlangen.

Ich hoffe, ich habe Ihre Fragen in Ihrem Sinne beantwortet. Sollten Sie den Gang vor ein Arbeitsgericht in Erwägung ziehen, können Sie Sich gerne an meine Kanzlei wenden. Für den Fall, dass noch Unklarheiten bestehen, steht Ihnen die Möglichkeit einer kostenfreien Nachfrage zur Verfügung.

Es sei noch gesagt, dass diese Art der Erstberatung nur zur ersten rechtlichen Orientierung dient. Keinesfalls ersetzt sie eine umfassende Beratung durch einen Kollegen vor Ort.

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Dolscius
(Rechtsanwalt)





Nachfrage vom Fragesteller 11.04.2006 | 20:58

Danke für Ihre schnelle Antwort.

Wir haben leider keinen Betriebsrat.
Und der "Chef" ist unser Betriebsleiter und Geschäftsführer.

Muss die Streichung des Urlaubs schriftlich erfolgen, oder reicht das auch mündlich?

Weil bisher gibt es nur eine mündliche Aussage.


MfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.04.2006 | 21:16

Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Nachfrage.

Da es, wie zuvor ausgeführt, keine Regelung gibt, die den Widerruf regelt, existieren naturgemäß auch keine Formvorschriften. Der Widerruf des Urlaubs ist im Allgemeinen rechtswidrig, ob er nun mündlich oder schriftlich widerrufen wurde. Es dürfte auch kein wirkliches Problem für den Arbeitgeber darstellen, noch einen schriftlichen Widerruf zu verfassen. Abraten möchte ich Ihnen in jedem Fall, den Urlaub zu nehmen, nur weil der Widerruf "nur" mündlich ausgesprochen worden ist. Vielmehr würde ich Ihnen vorschlagen, sich den Widerruf schriftlich unter Darlegung der Gründe aushändigen zu lassen. Damit haben Sie dann eine gute Ausgangsposition für ein eventuell notweniges gerichtliches Verfahren.

Was die Behandlung durch den Arbeitgeber betrifft und die nette "Kollegin", so steht Ihnen auch hier der Gang vor ein Arbeitsgericht offen. Es wäre zuvor allerdings zu überlegen, ob man nicht gemeinsam mit allen betroffenen Kollegen ein Gespräch mit der Kollegin sucht. Sollte dies erfolglos bleiben, würde ich Ihnen raten, sich an einen Kollegen vor Ort oder auch an meine Kanzlei zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Dolscius
(Rechtsanwalt)

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER