Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Straftaten

01.08.2012 12:57 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Guten Tag,
ich hoffe Sie können mir meine Frage beantworten. Ich habe 2 Straftaten begangen: Einmal veruntreuende Unterschlagung in Höhe von 600 Euro und zum anderen Urkundenfälschung (30 Rezepte). Ich bin 25 Jahre alt und lebe in Nürnberg Bayern. Ich bin nicht vorbestraft.

Ich schildere Ihnen hier den Tathergang:
Ich bin Arzthelferin in einer internistischen Praxis gewesen. Ich habe vom 4. Quartal 2010 bis 2. Quartal 2011 von 60 Patienten die Praxisgebühr unterschlagen. Ich habe bei diesen Patienten einen Überweisungsschein angelegt im PC damit nicht auffällt, dass sie hätten zahlen müssen. Die Praxisgebühren habe ich für mich selber unterschlagen. Ich hatte damals große Schulden und habe mich nicht getraut mit jemandem zu reden. Ich war in Panik und habe keinen anderen Ausweg gesehen. Nach dem 2. Quartal 2011 habe ich damit aufgehört, weil ich ein total schlechtes Gewissen hatte! Ich habe das Praxisgebührenheft, wo wir eintragen wer gezahlt hat, Ende 2011 zur Vertuschung vernichtet und in der EDV von 27 Patienten die Scheine gelöscht zur Vertuschung.Außerdem habe ich zur Vertuschung das Praxisgebührenheft vernichtet Von dem ganzen hat bis heute niemand etwas bemerkt!

Dann habe ich noch 30 Rezepte für mich ausgestellt, ohne Wissens meiner damaligen Arbeitgeberin. Ich nehme vom Neurologen aus neurologische Medikamente seit 2009. Der Weg zur Neurologin war recht weit und meine Chefin hat es nicht gerne gesehen, wenn ich von der Arbeit wegmusste. Ich bin dann auf die Idee gekommen, mir meine Medikamente selber auszudrucken. Wir hatten schon unterschriebene rezepte in der Praxis. Ich habe die Rezepte danach immer im PC gelöscht damit niemand etwas merkt. Das habe ich 30 x gemacht, also mir 30 rezepte ausgestellt ohne dem Wissen meiner chefin. Ich habe die Rezepte nur für mich verwendet, weil ich sie wirklich gebraucht habe!

Ich habe die ganze Zeit damit gelebt und hatte ein total schlechtes Gewissen, weil ich ja den Krankenkassen das Geld geklaut habe. Mir ging es immer schlechter, ich habe es geschafft, über ein Jahr zu schweigen. Aber am 02.07.12 bin ich zur Polizei gefahren und habe alles gestanden, also dass ich bei 60 Patienten die Praxisgebühr unterschlagen habe und dass ich mir selber Rezepte ausgestellt habe für meine neurologische Medikation. ! Danach habe ich alles meiner Chefin erzählt. Sie hat mir fristlos gekündigt, ich habe jetzt einen Anwalt und die Ermittlungen laufen.

Ich hatte davor noch nie etwas mit der Polizei zu tun und bin nicht vorbestraft. Ich will den Krankenkassen das Geld zurückzahlen. Ich habe mich an die Krankenkassen gewendet, genauso wie die Polizei und meine ehemalige Arbeitgeberin. Ich habe Ihnen ein Entschuldigungsschreiben geschickt und geschrieben,d ass ich den schaden wiedr gutmachen will. Bei einigen Krankenkassen habe ich das Geld zurücküberwiesen.

Ich wollte sie fragen, wie Sie die Höhe der Strafe einschätzen und vorallem, mit was für einer Strafe ich rechnen könnte? Könnte es auch eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung sein?

eine Antwort wäre sehr nett.

Mit freundlichen Grüßen
K.F.

Sehr geehrter Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes gerne wie folgt beantworten darf. Vorab möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass auf diesem Portal lediglich eine erste rechtliche Einschätzung möglich ist, die eine tiefer gehende anwaltliche Beratung nicht ersetzen kann.

Die Aufgabe der Zumessung einer Strafe für die jeweilige Tat kommt nach § 46 StGB später dem Gericht zu, nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat; der Vertreter der Staatsanwaltschaft wird jedoch in seinem Plädoyer in der Hauptverhandlung zu einer seiner Ansicht nach angemessenen Strafe vortragen.

Ziel der Strafe ist es, der Begehung weiterer Straftaten entgegenzuwirken. Gem § 46 Abs. 2 StGB wägt das Gericht die Umstände, die für und gegen den Täter sprechen, gegeneinander ab, wobei es vom Strafrahmen der gesetzlichen Strafandrohung (z.B. bei Unterschlagung nach § 246 Abs.1 , 2 StGB Freiheitsstrafe bis zu 3 bzw. 5 Jahren oder Geldstrafe) ausgeht und dann innerhalb des Strafrahmens auf der Grundlage der individuellen Schuld des Täters dann die Strafe bestimmt; dabei hat das Gericht einen gewissen Spielraum.

Strafmildernd wirkt es sich z.B. aus, wenn es nur zu einem sehr geringen Schaden gekommen ist, oder wenn der Täter sich nach der Tat darum bemüht, den Schaden wiedergutzumachen (s. § 46 Abs. 2 StGB ), die Tat auf schwierige soziale Verhältnisse zurückzuführen ist oder der Täter bisher nicht vorbestraft ist; ggf. wird auch das Prozessverhalten Berücksichtigung finden.

Strafschärfend wirken sich dagegen ein besonders großer Schaden oder einschlägige Vorstrafen aus.

Bei mehreren Fällen, die gemeinsam abgeurteilt werden kann auf eine Gesamtstrafe erkannt werden (§§ 53 , 54 StGB ), wobei dann nach den vorgenannten Grundsätze der Strafzumessung die Person des Täters und die Straftaten zusammenfassend gewürdigt werden.

Dabei ist es vor allem von Bedeutung, wie das Gericht die jeweilige Tat als solche bewertet. Dies kommt vor allem auf das Gericht und sämtliche konkrete Tatumstände an, die bestenfalls zusammen mit Ihrem Rechtsanwalt im Einzelnen noch besser aufgeklärt werden sollten, damit entsprechend vorgetragen werden kann.

Eine konkrete Strafhöhe kann hier daher nicht genannt werden; insoweit bitte ich um Verständnis.

Eine Geldstrafe wird zumeist dann gewählt, wenn diese zulässig und der Täter noch nicht vorbestraft ist und es sich um eine einfachen oder gewöhnlichen Fall handelt. Sowohl der Tatbestand der Untreue als auch der Urkundenfälschung (§§ 246 , 267 StGB ) sieht die Möglichkeit einer Geldstrafe grundsätzlich vor; ob man davon angesichts der vielen Taten in ihrer Situation noch ausgehen wird, erscheint eher unsicher.

Wird zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als einem Jahr verurteilt, so setzt das Gericht die Strafe zur Bewährung aus (§ 56 StGB ). Dies setzt jedoch vor allem voraus, dass das Gericht zu einer sog. günstigen Sozialprognose gelangt. Dies bedeutet eine begründete Erwartung, dass sich der Verurteilte schon die Verurteilung als solche zur Warnung dienen lassen wird, so dass künftig auch ohne die Einwirkung durch den Strafvollzug keine Straftaten mehr von ihm begangen werden, wobei gewissen Auflagen und Weisungen erteilt werden können (§§ 56 b, c StGB ).

Ob von einer günstigen Sozialprognose ausgegangen werden kann, entscheidet ebenfalls das zuständige Gericht. Ggf. sollte man den Voraussetzungen für eine solche Prognose weiter nachgehen und später entsprechend vortragen, wenn diese gegeben sind.

Nicht zu vernachlässigen ist schließlich die Möglichkeit des Widerrufs der Bewährung, wenn während der Bewährungszeit eine weitere Straftat begangen wird oder gegen die erteilten Auflagen und Weisungen verstoßen wird (§ 56 f StGB ), was man sich auch bei einer Strafaussetzung zur Bewährung nicht vergessen sollte.

Sollte das Strafurteil fehlerhaft sein, so haben Sie die Möglichkeit, dies durch Rechtsmittel überprüfen zu lassen.

Auch diesbezüglich wird Sie Ihr Rechtsanwalt unterstützen können.

Ich hoffe, Ihnen mit der Beantwortung Ihrer Frage eine Unterstützung zur ersten Orientierung gegeben zu haben. Um Verständnisfragen zu klären, nutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen im Rahmen dieser ersten rechtlichen Einschätzung, aufgrund der hier geschilderten Sachverhaltsdarstellung, die ggf. ohne Kenntnis sämtlicher Sachverhaltsumstände geschieht, keinen abschließenden Rat in Ihrer konkreten Rechtsangelegenheit geben kann; dazu ist dieses Portal nicht gedacht.

Mit freundlichem Gruß

Thomas Joerss

Rechtsanwalt

Rückfrage vom Fragesteller 01.08.2012 | 17:21

Hallo Herr Joerss,
ich bedanke mich für Ihre Antwort
Dürfte ich Sie bitten, mir etwas konkreter etwas zu meinem Fall zu sagen. Ihre Informationen sind zwar sehr hilfreich und gut, aber könnte ich Sie noch etwas zu meinem Fall fragen.

Ich weiß natürlich, dass Sie das Strafmaß nicht sicher einschätzen können, das ist mir klar. Aber von den Informationen her die ich Ihnen gegeben habe: Das ich nicht vorbestraft bin, dass ich den Schaden bei den Krankenkassen bisher über die Hälfte wieder gut gemacht habe (habe bereits einigen Krankenkassen das Geld zurücküberwiesen, es waren insgesamt 600 Euro Unterschlagung und 30 Rezepte, die ich mir selber ausgestellt habe (die Medikation stammt ursprünglich von meiner Neurologin).

Also was ich sie konkret fragen will: Könnte dabei für mich auch eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung rauskommen oder eher nicht? Nur von Ihrer Erfahrung her.

Ich bedanke mich im Voraus für eine Rückantwort. Es wäre sehr nett, wenn Sie mir kurz antworten würden.

MFG
K. F.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 01.08.2012 | 18:27

Sehr geehrte Fragenstellerin,

aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Umstände, insbesondere Ihrer Reue, Ihrer Selbstanzeige, und der bisherigen teilweisen Schadenswiedergutmachung, an die sich eine vollständige Schadenswiedergutmachung anschließen sollte, halte ich eine Strafaussetzung zur Bewährung für möglich, wenn eine günstige Sozialprognose vorhanden ist. Angesichts der vielen Fälle sollte man jedoch auch auf anderes Ergebnis gefasst sein.

Mit freundlichem Gruß

Thomas Joerss

Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 89181 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Rechtsanwältin hat meine Fragen sehr ausführlich beantwortet. Es war für mich sehr verständlich. Die Antwort hat mir wirklich sehr geholfen. Ich empfehle die Rechtsanwältin definitiv weiter. Vielen Dank an die Anwältin. Freundliche ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Anfrage wurde klar und verständlich beantwortet. Auch weitere Schritte wurden aufgezeigt. Das hat mir sehr weiter geholfen. Kann man nur weiter empfehlen. ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Frage und Rückfrage wurden sehr schnell und ausreichend detailliert beantwortet. Vielen Dank. ...
FRAGESTELLER