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Straftat nach BtmG: 'Bestellung von 3,5 Gramm Speed über das Internet'

10.07.2018 14:44 |
Preis: 55,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. 1 Jahr nahm ich Bestellungen über das (Dark)-Web auf.

Die Polizei konfiszierte ein Päckchen mit 100 Tabletten Etizolam (ein Benzodiazepin) - ich erschien zur Vernehmung und äußerte mich, dass ich keinerlei Ahnung zu dem Thema hätte.
Das Ergebnis war eine Geldstrafe ~ 400 EUR und KEIN Eintrag in mein pol. Führungszeugnis.
Ich ließ es auf sich beruhen und bezahlte die Tagessätze.

Letzte Woche erhielt ich einen Brief, indem ich als Beschuldigter (vor ca. genau einem Jahr; Sommer '17 ) laut BtmG - 3,5 Gramm Speed über das Internet bestellt hätte.
("WENN" dann selbstverständlich lediglich zum Zwecke des Eigenbedarfes)
Zur Vernehmung erschien ich dieses Mal nicht und schrieb eine eMail, dass ich erst noch klären müsse einen Rechtsbeistand zur Rate zu ziehen.


Meine Frage an dieser Stelle:

Sollte ich die Bestellung zugeben?
(ich bestelle keine Drogen mehr, befinde mich aktuell in ambulantem Entzug (von Benzodiazepinen) und Bewerbe mich - nach einem Neuanfang (inkl. Umzug zu den Eltern) - derzeit neu)

Dies alles vor dem Hintergrund, dass ich studierter Sozialpädagoge bin und eine etwaige Vorstrafe meine komplette berufliche Existenz zerstören könnte.

Ich bin kein Jugendlicher und ca 30 Jahre alt - möchte (aufrichtig) einen Neuanfang, entziehe aktuell und mache in diesem Rahmen auch regelmäßige Screenings.

Da ich der Polizei in Sachen perspektivischer Nachsicht nicht vertraue meine Frage:

Sollte ich die Bestellung zugeben und auf die aktuelle Situation (Entzug in einer Klinik, "Neuanfang", regelm. Screenings) eingehen?
Dies alles in erster Linie vor dem Hintergrund einer Vorstrafe zu entgehen - da diese eine absolute Katastrophe für mich darstellen würde....?

Vielen Dank für die rasche Antwort.
10.07.2018 | 15:26

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf Ihren Angaben wie folgt beantworten möchte:

Sie müssen sich nicht selbst belasten und brauchen demnach auch keine Angaben machen. Sie haben sich demnach vollkommen korrekt verhalten. Ich sehe auch nicht warum sie ein Geständnis ablegen sollten. Der Vorgang ist 1 Jahr her und sie können sich nicht einmal daran erinnern ob oder was vorgefallen ist. Ich würde ihnen daher dringend empfehlen zunächst einen Strafverteidiger zu beauftragen, der erst einmal Akteneinsicht nimmt. Er kann dann den Tatvorwurf und insbesondere die Beweismittel sichten. Gerade bei Bestellungen über das Dark-Web ist die Beweislage oft kompliziert, da es sich um viele technische Fragen handelt. Viele Server sind insbesondere im Ausland. Sie können dann eine zielgerichtete Verteidigungsstrategie mit dem Rechtsanwalt entwickeln und auf eine Einstellung ohne Geldauflage gemäß § 153 StPO hinwirken oder auf eine Einstellung gegen Geldauflage gemäß § 154 StPO. Es handelt sich um keine sehr große Menge, so dass in jedem Fall eine Strafe unter 90 Tagessätze herauskommen muss und demnach kein Eintrag ins Führungszeugnis erfolgt. Ihre Therapieabsichten und die Bemühungen ein geregeltes, drogenfreies Leben zu führen wird bei der Strafzumessung in jedem Fall zu ihren Gunsten gewertet. Auch ihre berufliche Perspektive und die Aussicht auf eine Arbeitsstelle werden positiv für sie gewertet. Es ist nicht im Interesse der Resozialisierung ihnen ihre Zukunft wegen 3,5 Gramm Speed zu verbauen. Sie müssen aber in jedem Fall drogenfrei bleiben. Ansonsten ist mit der Hilfe eines Rechtsanwalt eine positive Gestaltung des Verfahrens sehr realistisch. Wenn sie ein Geständnis ablegen kommt durchaus ein sehr hoher Strafbefehl in Betracht. Gerade Amtsanwälte setzen eher hoch an.

Ich hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben und bedanke mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Hellmich



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