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Straftat nach §§ 266 Abs. 1, Abs. 2 263 Abs. 1 Nr 1,53 StGB

18.09.2018 16:53 |
Preis: 47,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Krim.-Dir. a.D. Willy Burgmer


Zusammenfassung: Es geht um die Möglichkeiten, eine Strafaussetzung zur Bewährung zu erlangen.

Hallo,

es wurden in den letzten 3 Jahren 120.000 EUR vom Arbeitgeber veruntreut. Hier wurden Gelder von Versicherungen auf das eigene Konto geleitet.

Die Staatsanwaltschaft hat Hausdurchsuchungen durchgeführt. Täter ist voll geständig, hat die Summe bereits zu 100% zurückgezahlt, bis auf die Zinsen, die stehen noch nicht fest.

Umfeld des Täters ist stabil, verheiratet, ein Kind (10 Jahre), Ersttäter, nie auffällig, Behandlung von Geldsucht und Kaufsucht steht aus, Termin ist avisiert.

Das es zu einer Haftstrafe kommt, steht glaube ich außer Frage, besteht die Chance auf Bewährung?

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Gerne zu Ihren Fragen,

Bewährung kann nach dem IV. Titel des StGB unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden.

Ihrer Schilderung nach sind die maßgeblichen Eckdaten bereits genannt, die vom Gericht ausführlich erörtert werden und in die Entscheidungsfindung zwingend einfließen.

Da Sie aber auch §§ 53 und 263 Absatz 1 erwähnen, muss der Verteidiger beachten, dass § 266 StGB auch den Verweis auf den Absatz 3 des § 263 StGB beinhaltet. Dass mithin nach diesem Absatz 3 Nr. 2 StGB der Strafrahmen von 6 Monaten bis zu 10 Jahren betragen kann.

Folglich muss die Verteidigung hierauf ein besonderes Augenmerk richten, denn nach dem zu Ihrer hier eingestellten Frage ist einschlägig der § 56 Absatz 2 StGB. Mithin darf die Gesamtfreiheitsstrafe 2 Jahre NICHT übersteigen, wenn eben die von Ihnen bereits genannten Bedingungen fruchtbar werden sollen , die in Absatz 2 SATZ 2 dieses Paragrafen aufgelistet sind.

Der Tatverdächtige sollte mithin einen versierten Strafverteidiger rechtzeitig mit der Verteidigung beauftragen, der ggf. auch eine sog. „Verständigung über Verfahrensfortgang- und -ergebnis mit Verfahrensbeteiligten" nach § 257 c StPO ins das strategische Kalkül einbeziehen sollte.

Nach der Rechtsprechung des BGB ist diese Option - umgangssprachlich auch „Deal" genannt - allerdings durchaus komplex und stellt ziemliche Anforderungen an die Verteidigung. Und übrigens auch an das Gericht.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 19.09.2018 | 08:53

Was ich nicht ganz verstehe, ist Ihre persönliche Einschätzung. Ist aus Ihrer Sicht Haft oder Bewährung wahrscheinlicher?

Mir ist bewusst, dass Sie das nicht zu 100% beantworten können, aber was sagt ihre Erfahrung?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.09.2018 | 12:18

Es wäre unredlich, Hoffnungen in Prozenten zu wecken. Und ohne Aktenkenntnis unprofessionell.

Ohne Zweifel ist eine frühes Geständnis wie vorliegend, werthaltiger, als ein verspätetes im Laufe des Prozesses nach klarer Beweislage. Und auch eine erfolgreiche bzw. begonnene Therapie ist hilfreich.

Meiner Erfahrung nach berücksichtigt das Gericht auch die kontraproduktiven Folgen einer Haft im Zusammenhang mit der Wiedergutmachung und bestehenden Unterhaltspflichten.

Diesbezüglich gäbe es dann noch die Notbremse des "offenen Vollzugs", so dass der Verurteilte den beruflichen Erwerb fortsetzen kann.

Mit den besten Wünschen verbleibe ich,
Ihr
Willy Burgmer
- Rechtsanwalt u. Krim.Dir. aD

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