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Strafbefehl nach nichterscheinen zu Verhandlung

20.06.2006 14:50 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens Jeromin


Im März wurde ich in einer Discothek von einem fast 20 jährigen durch einen Schlag mit einer Bierflasche verletzt. Ich erlitt eine Platzwunde auf der Stirn. Der Täter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Zur heutigen Gerichtsverhandlung vor dem Jugendgericht ist er nicht erschienen. Als Beweismittel dienten seine Aussage bei der Polizei, in der er die Tat gesteht sowie ich als Zeuge.

Die Richterin will ihm nun einen Strafbefehl zukommen lassen. Nachdem was ich so gegoogelt habe erscheint es mir so, als wenn er keine besonders hohe Strafe dadurch zu erwarten hat. Mit was für einer Strafe kann er rechnen? Ist es mir als Opfer möglich dagegen Widerspruch einzulegen wenn mir das Strafmaß als zu gering erscheint?

MfG

Sehr geehrter Fragesteller,


vielen Dank für Ihre Anfrage.

Gemäß § 407 StPO kann der Angeklagte im Strafbefehlsverfahren im Höchstfall zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt werden, wenn die Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Als Verletzter haben Sie die Möglichkeit, als Nebenkläger, § 395 ff. StPO in den Prozeß einzutreten, solange der Strafbefehl noch nichts rechtskräftig ist. Der zugelassene Nebenkläger darf Rechtsmittel einlegen und somit ein Urteil zur Überprüfung stellen.

Ich hoffe Ihnen eine erste Orientieung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 20.06.2006 | 15:32

Sehr geehrter Herr Jeromin,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Leider hilft mir das jetzt auch nicht wirklich sehr viel weiter, das gleiche habe ich beim googeln auch herausbekommen. Natürlich verstehe ich das sie mir auch nur das sagen können, da sie ja nicht weiter mit der Angelegenheit vertraut sind.

Eine Bewährungsstrafe von bis zu einem Jahr finde ich recht unbefriedigend, zumal es sich bei dem Angeklagten um einen Wiederholungstäter handelt. Bereits 2004 wurde er wegen Körperverletzung zu Sozialstunden und einem Anti-aggressionstraining verurteilt. Des weiteren ist er in der Vergangenheit mehrfach wegen Prügeleien auffällig geworden.

§224 StGb besagt ja nun in minderschweren Fällen als Strafe Freiheitsentzug von 3 Monaten bis zu 5 Jahren (nach Erwachsenenstrafrecht). Da finde ich ein Jahr auf Bewährung zu gering.

Als Nebenkläger aufzutreten kommt wohl eher nicht in Frage, das kostet mich denke ich mal einiges und ich habe auch so meine Zweifel ob das wirklich was bringt. Bleibt nur zu hoffen das er sich mit dem Strafbefehl nicht einverstanden erklärt und es zu einer erneuten Verhandlung kommt, bei der er eine höhere Strafe erhält. Denn das ist ja offenbar möglich wenn ich da richtig informiert bin.

Das ganze zeigt mir wieder mal, wie lasch unser Strafsystem doch leider ist... :-/

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.06.2006 | 17:00

Sehr geehrter Fragesteller,


ich kann gut nachvollziehen, dass Sie als Geschädigter ein (berechtigtes) Interesse daran haben, dass der Täter hart bestraft wird.

Allerdings, insofern ist Ihre Einschätzung richtig, mehr konnte ich Ihnen aufgrund Ihrer Informationen nicht mitteilen. Für eine halbwegs zuverlässige Prognose zur Straferwartung wäre Aktenkenntnis erforderlich, besonders mit Blick auf die vorherigen Verurteilungen des Täters.

Vielleicht akzeptiert der Täter den Strafbefehl tatsächlich nicht. Denn dann, auch das ist zutreffend, könnte es für den Täter durchaus auch "schlimmer kommen".

Mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

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