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Steuerrecht bei Ebayverkauf aus dem Ausland nach Deutschland


| 02.03.2007 16:16 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Hallo,

ich habe einige Fragen bezüglich Steuerecht mit Ebayverkäufen.

Folgender Sachverhalt.

Ich wohne in Spanien( bin dort gemeldet und habe auch dort meinen Lebensmittelpunkt. Weiter habe ich auch noch einen gemeldeten Wohnsitz in Deutschland, an dem ich mich ca 2 Wochen im Jahr aufhalte)Ich verkaufe aus Spanien seit ca OKT 2006 regelmäßig(in 2006 ca 10000 EUR Umsatz und in 2007 ca 9000 EUR Umsatz) neue Artikel bei Ebay. Diese Artikel kaufe ich in Spanien und anderen EU Ländern ein. Da ich schlechte Erfahrungen mit dem Postversand nach Deutschland gemacht habe, verschicke ich die Ware erst zu einer Adresse in Deutschland und danach wird Sie als versichertes Päckchen an die Käufer verschickt. So habe ich auf jeden Fall den Nachweis, das die Ware ausgeliefert wurde. Ich bin als Powerseller bei Ebay gemeldet. Da die Umsätze die Limits der spanischen Steuergesetze nicht überschreiten, handele ich als Privatperson und mache dann am Ende des Jahres eine Einkommsteuererklärung in Spanien. Ich brauche wegen dieser kleine Umsätze kein Gewerbe anzumelden und somit brauche/kann ich im Moment meinen Status bei Ebay auch nicht auf gewerblich ändern. Ich weise keine Umsatzsteuer bei meinen Angeboten aus und verschicke auch keine Rechnungen.
Mein spanischer Steuerberater hat es mir so erklärt und es wäre auf Grund des Doppelversteuerungsabkommen alles korrekt.
Ich bin mir aber nicht so sicher und habe deshalb noch ein paar Fragen.


1. Muss ich trotz Wohnsitz in Spanien ein Gewerbe in Deutschland anmelden und für meine Umsätze eine Steuererklärung in Deutschland machen? Versand der Ware ist hauptsächlich nach Deutschland , Österreich und England. Das würde bedeuten, das ich in jedem Land meine Einkommenssteuererklärung machen müsste!

2. Muss ich in Deutschland die Umsatzsteuer abführen, weil ich die Ware nach Deutschland verschicke bzw von Deutschland aus an die Käufer versende. Laut Finanzamt Deutschland muss man auch die Umsatzsteuer abführen, wenn man aus dem Ausland nach Deutschland verkauft. Wie gesagt, ich handele als Privatperson und habe im Moment auf Grund der niedrigen Umsätze kein Gewerbe.

3. Muss ich in Deutschland eine Umsatzsteuerregiestierung beantragen? Falls ja, falle ich trotz spanischem Wohnsitz/ Arbeitsitz auch noch unter die Kleinunternehmer Regelung in Deutschland? Keine Umsatzsteuer bei Umsätzen von weniger als 17000 EUR Umsatz im ersten Jahr! Ich weise keine Umsatzsteuer bei meinen Angeboten aus und verschicke auch keine Rechnungen.




Vielen Dank für Ihre Antworten. Ich möchte nicht gerne mit den deutschen Steuerbehörden Arger haben. Falls Ärger droht, können Sie mir bitte sagen, wie ich den noch schnell abwenden kann.

Danke schön und VG aus Spanien
Sehr geehrter Ratsuchender,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich wie folgt nach Ihren Angaben beantworten möchte.

Ich möchte mir erlauben, die Bearbeitung Ihres Falles nicht strikt an Ihren drei Fragen zu orientieren, sondern diesen losgelöst nach Einkommensteuer und Umsatzsteuer beurteilen.

Hinsichtlich der Einkommensteuer ist zuallererst auf die Steuerpflicht in Deutschland und ggf. auch in Spanien einzugehen.
In Deutschland ist man jedenfalls unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn ein Wohnsitz bezüglich des Steuerpflichtigen vorliegt oder ein gewöhnlicher Aufenthalt dessen besteht.
Sie selbst tragen vor, dass Sie in Deutschland einen Wohnsitz unterhalten, so dass es für die Beurteilung der unbeschränkten Einkommensteuerpflicht auf einen etwaigen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland nicht mehr wird ankommen.
Somit sind Sie grundsätzlich als unbeschränkt Einkommensteuerpflichtiger mit dem Welteinkommen in Deutschland steuerpflichtig.
Dies könnte, da Sie Ihre Lieferungen aus Spanien organisieren ggf. zu einer Doppelbesteuerung in beiden Staaten führen.
Um dies zu vermeiden, unterhält Deutschland mit vielen Ländern, auch mit Spanien ein so genanntes Doppelbesteuerungsabkommen.
Nach diesen sind im Wesentlichen die Einkünfte in dem Staate zu ertragzuversteuern, in dem Sie erzielt werden, so dass der andere Staat diesbezüglich auf das Besteuerungsrecht verzichtet.
Die bei Ihnen vorliegenden Einkünfte aus Gewerbebetrieb würden nach Ihrem Vortrag nicht in Deutschland, sondern in Spanien erzielt, so dass Deutschland auf das Besteuerungsrecht verzichtet.
Durch diese Vorgehensweise würde die Doppelbesteuerung dieser Einkünfte in Deutschland und Spanien vermieden.

Hinsichtlich der Umsatzsteuer müsste der Ort der Lieferung bestimmt werden, um die Steuerbarkeit Ihrer Lieferung in Deutschland oder Spanien zu ermitteln.
Da Sie die Verfügungsmacht an Gegenständen verschaffen, liegen Lieferungen und keine sonstigen Leistungen im Rahmen der umsatzsteuerlichen Leistungsbegriffe vor.
Eine Lieferung gilt umsatzsteuerrechtlich als am dem Ort ausgeführt, an dem diese beginnt.
Dieser Ort wäre bei Ihnen relativ problemlos in Spanien anzusiedeln, insbesondere dann wenn Sie direkt an Ihre Abnehmer versenden würden.
Problematisch könnte sein, dass Sie jedoch nach Ihrem Vortrag quasi erst an „Zentrallager“ und erst von dort an Ihre Abnehmer „weiterliefern“.
So könnte man auf die Idee kommen, dass die Lieferung erst in Deutschland beginnt oder zwei Lieferungen vorliegen könnten, eine von Spanien ins „Zentrallager“ und von dort zu den Abnehmern.
Da aber wohl dieses Zwischenlager nicht als Zentraleinkäufer anzusehen ist, da es eines Dritten als Abnehmer und Weiterlieferer mangelt, würde ich dieses Versenden in dieses „Zentrallager“ als nichtsteuerbaren Innenumsatz, wenn überhaupt oder völlig umsatzsteuerunrelevant ansehen.
Eine andere Ansicht zu dieser Thematik möchte ich jedoch nicht ausschließen, so dass es dann eben wohl weiteren Argumentationsbedarf benötigt.
Dies hat zur Konsequenz, dass das „Zentrallager“ auszublenden wäre und der Ort der Lieferung in Spanien verbleibt, somit die Lieferung in Spanien steuerbar wäre.
Hinsichtlich einer etwaigen Umsatzsteuerfreiheit in Spanien wäre noch zu überprüfen, an welche Art von Abnehmern nach Deutschland, Österreich und England geliefert wird.
Sollten dies ausschließlich Endverbraucher im Sinne des Umsatzsteuerrechts sein, gilt das Ursprungslandprinzip und die Lieferung wäre mangels Vorliegens einer innergemeinschaftlichen Lieferung nicht steuerfrei, sondern umsatzsteuerpflichtig in Spanien.
Hinsichtlich einer etwaigen Kleinunternehmerregelung müssten Sie bei der Befolgung meiner Auffassung sich demzufolge an Spanien orientieren.
Bei Lieferung an Unternehmer im umsatzsteuerlichen Sinne gälte das so genannte Bestimmungslandprinzip, so dass in Spanien eine umsatzsteuerfreie Lieferung vorläge, so dass die Besteuerung im jeweiligen Empfängerland im Rahmen der Erwerbsbesteuerung zu erfolgen hätte.
Diesbezüglich sollten jedoch beide Ihre Umsatzsteuer-ID-Nummern verwenden.

Sollte man der oben aufgeführten Auffassung nicht folgen, würde sich insbesondere auch wegen der Lieferungen nach Österreich und England und dem dazwischen gelagerten „Zentrallager“ unnötig verkomplizieren.
Da jedoch in Deutschland Steuereinnahmen nicht gerade verabscheut werden, könnte es aber durchaus sein, wenn Sie nach Österreich und England nicht an Unternehmer liefern, dass Deutschland um das Besteuerungsrecht versucht zu „kämpfen“.
Dies entnehme ich auch gerne Ihrer Darstellung gelegentlich der zweiten Frage, dass Sie die Aussage haben, dass bei Lieferungen nach Deutschland deutsche Umsatzsteuer anfiele.
Dies impliziert, dass das Finanzamt wohl bei diesem „Zwischenlager“ von einem unternehmerischen Abnehmer in Deutschland ausgeht, so dass ein innergemeinschaftlicher Erwerb in Deutschland vorliegen könnte.
Nur hat Ihnen das Finanzamt nicht verraten, dass jeder innergemeinschaftliche Erwerb auch zum Vorsteuerabzug in derselben Höhe in Deutschland führen würde, somit ein Nullsummenspiel vorliegen würde und monetär keine Umsatzsteuer zugunsten des deutschen Staates entstehen würde.
Dies mit dem innergemeinschaftlichen Erwerb und dem Bestimmungslandprinzip im Unternehmerverkehr musste deswegen eingeführt werden, weil in der EU noch immer kein einheitlicher Umsatzsteuersatz bzw. – sätze gilt.
Somit kann z.B. keine spanische Umsatzsteuer in Deutschland als Vorsteuer geltend gemacht werden.


Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben und hoffe auf eine Rückmeldung, wie letztendlich Ihr spanischer Steuerberater die Angelegenheit beurteilt bzw. die etwaig beteiligten Finanzämter den Sachverhalt bewerten.


Mit freundlichen Grüßen
Bernd Zahn
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 03.03.2007 | 10:18

Hallo Herr Zahn, vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Sie haben mir sehr weitergeholfen. So wie ich es verstanden, brauche ich mir also keine Sorgen zu machen, das das deutsche Finanzamt mich wegen Steuerhinterziehung belangen kann. Sollte das FA mir zur Last legen, das die Ware aus Deutschland verschickt wird, könnte ich Einspruch gegen diese Entscheidung einlegen und sollte recht gute Chancen haben, den Fall positiv für mich zu entscheiden. Ist das richtig? Danke schön für Ihre Antwort. mfg aus Spanien

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.03.2007 | 12:42

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich denke nicht, dass das Finanzamt gleich wegen Steuerhinterziehung oder leichtfertiger Steuerverkürzung in strafrechtlicher Natur ermitteln wird.
Sollte das deutsche Finanzamt meiner Meinung folgen, müsste es nach Prüfung des umsatzsteuerlichen Ortes der Lieferung diesen in Spanien ansiedeln mit den in der Ursprungsantwort aufgeführten weiteren Konsequenzen.
Sollte der Ort doch in Deutschland angesiedelt werden und somit die Steuerbarkeit dorthin verlagert werden, sollten Sie Einspruch gegen einen etwaig erlassenen Umsatzsteuerbsecheid einlegen.
Grundsätzlich macht der Steuerpflichtige im Wege der Umsatzsteurvoranmeldungen und der Umsatzsteuerjahreserklärung seinen Umsatzsteuerbescheid selbst, der dann als solcher unter Vorbehalt der Nachprüfung fällt.
In Ihrem Falle würde jedoch über eine Rechtsfrage zu entscheiden sein, so dass sich das Fianzamt sich daran zu beteiligen hat.
Sollte die Umsatzsteuerstelle diesem Einspruch nicht abhelfen, würde sodann die Rechtsbehelfstelle mit dem Fall befasst, die sich dann hoffentlich einer intensiven Begründugn bedient, um die Einspruchsentscheidung zu fassen.

Mit freundlichen Grüßen vom heute sonnigen Bodensee
Bernd Zahn
Rechtsanwalt

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