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Steuerrecht - Übertragung stiller Reserven in der Landwirtschaft

| 14.05.2019 21:49 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Übertagung von stillen Reserven im Betriebsvermögen nach § 6b EStG

Ich habe bei einer Großstadt in Niedersachsen Ackerland verkauft. Dabei sind durch Verkauf aus dem landwirtschaftlichen Betriebsvermögen stille Reserven realisiert worden. Ich habe in der Vergangenheit bereits Ackerländereien (ca. 10 ha) bei Magdeburg/Sachsen-Anhalt gekauft, die jedoch seit längerem verpachtet sind. Sie befinden sich im Privatvermögen. Mein Wohnsitz und Lebensmittelpunkt ist in einem Ort in Niedersachsen.
Meine Frage: Kann ich die realisierten stillen Reserven steuerneutral auf zu kaufenden landwirtschaftlichen Grundbesitz in Sachsen-Anhalt übertragen (in dem Ort, wo ich bereits Grundbesitz habe)?

Einsatz editiert am 15.05.2019 12:29:05
15.05.2019 | 13:09

Antwort

von


(39)
Sander-Wietfeld-Ring 7
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Übertragung von stillen Reserven bei dem Verkauf von Anlagevermögen funktioniert nach § 6b EStG bei bestimmten Wirtschaftsgütern durch entsprechenden Abzug der stillen Reserven von den neuen Anschaffungskosten im Jahr der Veräußerung oder über die Bildung einer Reinvestitionsrücklage („6b-Rücklage") in der Steuerbilanz. Die Reinvestitionsrücklage muss dann binnen 4 Jahren auf ein neu angeschafftes Wirtschaftsgut übertragen werden.

Dies ist bei Verkauf von Grund und Boden und Übertragung auf Grund und Boden möglich, wenn das veräußerte Grundstück zuvor mind. 6 Jahre zum Betriebsvermögen gehört hat. Auch das zu erwerbende Grundstück muss natürlich Betriebsvermögen werden. Eine Übertragung ins Privatvermögen ist ausgeschlossen.

Gewinne aus der Veräußerung von bebauten Grundstücken müssten auf Grund und Boden einerseits und Gebäude andererseits aufgeteilt werden, wenn unbebauter Grund und Boden angeschafft wird. Dies hat den Hintergrund, dass stille Reserven aus einer Gebäudeveräußerung nicht auf unbebauten Grund und Boden übertragen werden können (umgekehrt aber möglich).

Sofern Sie in Ihrem Betrieb nicht bilanzieren, ist nach § 6c EStG entsprechend zur Rücklage ein Verzeichnis über die zu übertragenden stillen Reserven zu führen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie gern die Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nils Hoefer
Rechtsanwalt und Steuerberater


Rechtsanwalt Nils Hoefer

Nachfrage vom Fragesteller 15.05.2019 | 13:34

Sehr geehrter Herr Hoefer,
ich möchte es ganz genau wissen: Ich bin Landwirt (führe steuerlich eine Ein- und Ausgabenrechnung) in einem Dorf in Niedersachsen. Hier ist mein Betrieb und Lebensmittelpunkt. Erkennt das FA den Kauf von Ackerland in Sachsen-Anhalt steuerneutral an, obwohl ich dort nicht wohne und keinen zweiten landwirtschaftlichen Betrieb habe? Oder anders ausgedrückt: Kann ich die stillen Reserven aus dem Ackerlandverkauf hier steuerneutral übertragen auf Ackerland, welches ich in Sachsen-Anhalt kaufe (und dann natürlich im Betriebsvermögen geführt werden muss)?
Alle anderen von Ihnen angeführten Voraussetzungen treffen zu.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.05.2019 | 18:15

Sehr geehrter Fragensteller,

das angeschaffte Grundstück muss als Betriebsvermögen qualifiziert werden können. Zudem muss das angeschaffte Grundstück Anlagevermögen einer inländischen Betriebsstätte sein. Hierzu hat der Bundesfinanzhof bereits vor einiger Zeit entschieden, dass bei einem Land- und Forstwirt ein Grundstück, welches mehr als 100 km von der Hofstelle entfernt liegt, regelmäßig nicht dem notwendigen Betriebsvermögen eines aktiv bewirtschafteten oder eines verpachteten L+F-Betriebs zugeordnet werden kann (Bundesfinanzhof: Urteil vom 19.07.2011 – IV R 10/09 ). Anders wäre dies natürlich bei der Einrichtung einer zweiten Hofstell vor Ort.

Die Frage ist daher, wie die neuen Flächen in Sachsen-Anhalt genutzt werden sollen?

Wenn Sie die neuen Flächen kein notwendiges Betriebsvermögen sind, weil Sie diese nicht selber bewirtschaften, können Sie diese nur als gewillkürtes Betriebsvermögen im betrieblichen Anlagevermögen ansetzen.

Aus EStR 4.2 (1) zu § 4 wird bestimmt, dass "Wirtschaftsgüter, die in einem gewissen objektiven Zusammenhang mit dem Betrieb stehen und ihn zu fördern bestimmt und geeignet sind (…) als gewillkürtes Betriebsvermögen behandelt werden (können)."

Zudem ist bei gewillkürtem Betriebsvermögen ein gewisser Grad an betrieblicher Nutzung erforderlich. Eine betriebliche Nutzung von mindestens 10% und maximal 50% muss vorliegen, um Güter als gewillkürtes Betriebsvermögen behandeln zu können. Bei solchen Wirtschaftsgütern wird dem Eigentümer bei Anschaffung somit ein Wahlrecht eingeräumt, ob der Vermögensgegenstand betrieblich verbucht wird oder ins Privatvermögen kommt. Besteht keinerlei betrieblicher Zusammenhang oder Nutzung, liegt notwendiges Privatvermögen vor.

Grundstücke können zudem gewillkürtes Betriebsvermögen darstellen, wenn sie nicht betrieblich genutzt werden, eine Nutzung aber künftig in Betracht kommt oder das Grundstück ansonsten dem Betrieb dienen kann. Eine zukünftige Bewirtschaftung oder Fremdverpachtung wären hier also denkbar. Fremdvermietete Grundstücke können grundsätzlich gewillkürtes Betriebsvermögen darstellen, wenn sie der finanziellen Absicherung des Betriebes dienen und seine Ertragsfähigkeit steigern. Dies geht aber nur, wenn dadurch das Gesamtbild der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit nicht wesentlich verändert wird.

Für eine abschließende Beurteilung sind also weitere Informationen notwendig, da Ihre Sachverhaltsdarstellung insbesondere hinsichtlich der beabsichtigten Nutzung recht kurz ausfallen bislang. Hierzu können Sie mir gern weitere Informationen zukommen lassen


Mit freundlichen Grüßen

Nils Hoefer
Rechtsanwalt und Steuerberater

Bewertung des Fragestellers 15.05.2019 | 18:55

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"Im zweiten Anlauf hat es funktioniert. Ich bin sehr gut beraten worden - nach ersten Mißverständnissen. Danke für die Informationen. Zu gegebener Zeit würde ich gern Ihren Rat einholen.
Mit besten Grüßen "
Stellungnahme vom Anwalt:
Es freut mich, wenn Sie mit der Beratung zufrieden sind und in Ihrer Fragestellung weiter kommen. Gern können Sie mich zu diesem oder anderen Themen kontaktieren.

Noch ein Hinweis zur Sache: Nach ESTR 4.2 (9) hat in Grenzfällen der Stpfl. darzutun, welche Beziehung das Grundstück oder der Grundstücksteil zu seinem Betrieb hat und welche vernünftigen wirtschaftlichen Überlegungen ihn veranlasst haben, das Grundstück oder den Grundstücksteil als gewillkürtes Betriebsvermögen zu behandeln.

Hier wäre in einem solchen Grenzfall ggf. ein Antrag auf verbindliche Auskunft an das zuständige Finanzamt zu empfehlen.

MfG
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 15.05.2019
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Im zweiten Anlauf hat es funktioniert. Ich bin sehr gut beraten worden - nach ersten Mißverständnissen. Danke für die Informationen. Zu gegebener Zeit würde ich gern Ihren Rat einholen.
Mit besten Grüßen


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