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Steuerrecht Anerkennung eines 'Durchgangszimmers' als Arbeitszimmer

| 21.03.2017 21:11 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung:

Häusliches Arbeitszimmer
Durchgangszimmer
Werbungskosten

Meine Gattin ist Lehrerin und hat in unserer Wohnung ein Arbeitszimmer, welches Sie täglich zur Unterrichtsvorbereitung nutzt und welches zu sonst nichts genutzt wird. Dieses ist räumlich abgetrennt, jedoch wird durch den vorderen, an der Diele gelegenen Teil auch das Kinderzimmer unseres Sohnes erschlossen. Es geht also eine Tür zur Diele, die andere in das Kinderzimmer.
Der restliche, hintere Teil, ist ein reines Arbeitszimmer mit Schreibtisch, Stuhl und Bücherregalen.
Ich vertrete gegenüber dem FA die Auffassung, das es sich somit um ein abzugsfähiges Arbeitszimmer handelt, da das Durchgehen durch den vorderen Teil einer Nutzung als solches nicht schädlich ist, und allenfalls dieser vordere Teil als Verkehrsfläche von der eigentlichen Fläche des Arbeitszimmers abgezogen werden könnte. Weiters passiert in diesem Zimmer nichts anderes, als das meine Gattin darin ihren Unterricht vorbereitet, Klausuren korrigiert, etc.

Das FA teilt diese Auffassung nicht, unser dahingehender Einspruch wurde gerade diesen Monat abgelehnt.

Im Jahr nach dem die Abzugsfähigkeit in Frage gestellt wurde, wechselte der zuständige Sachbearbeiter.
Die neue Sachbearbeiterin hat das Arbeitszimmer anerkannt, bzw. nichts daran beanstandet, dies seit nunmehr vier Jahren.

Es stellt sich nun die Frage, was weiter geschehen wird und wie wir am besten vorgehen.
Wird das FA nun auch die nachfolgenden vier Steuerbescheide korrigieren und eine entsprechende Nachforderung stellen?
Meine Tendenz ist bis dato abzuwarten und keine schlafenden Hunde zu wecken anstatt das Risiko einzugehen, das noch die folgenden Steuerbescheide korrigiert werden.

Weiterhin ist mir der Ablehnungsbescheid nur unvollständig zugekommen.
Die Begründung fehlt zu einem Großteil.
Kann mir das als Formfehler irgendwie hilfreich sein?

Zusammengefasst ergeben sich für uns die drei wesentlichen Fragen:

Ist unsere Betrachtung, dass das Zimmer als Arbeitszimmer abzugsfähig ist, da es de facto nicht anders genutzt wird, tragfähig? (es steht auch kein Gästebett, Sofa o.ä. darin)

Ist es sinnvoll zunächst abzuwarten, ob auch die nachfolgenden Steuerbescheide korrigiert werden?

Wenn dies zutreffen sollte, erscheint ein Klage sinnvoll?


Für eine fachkundige Beratung bedanken wir uns im Voraus.

22.03.2017 | 10:02

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Fragen,

1 "Ist unsere Betrachtung, dass das Zimmer als Arbeitszimmer abzugsfähig ist, da es de facto nicht anders genutzt wird, tragfähig?"
2. "Wird das FA nun auch die nachfolgenden vier Steuerbescheide korrigieren und eine entsprechende Nachforderung stellen?", "Ist es sinnvoll zunächst abzuwarten, ob auch die nachfolgenden Steuerbescheide korrigiert werden?"
3. "Kann mir [die unvollständige Begründung des Bescheids] als Formfehler irgendwie hilfreich sein?" "[E]rscheint ein Klage sinnvoll?",

beantworte ich wie folgt.

1.
Zunächst bestimmt § 4 Abs. 5 Nr. 6b S. 1 und 2 EStG relativ umständlich, weil negativ formuliert, dass "Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung" den Gewinn mindern, "wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht."

Ein häusliches Arbeitszimmer ist nach der Definition des Bundesfinanzhofs (Urt. v. 22.03.2016 - VIII R 10/12 , Randnummer 24): "[...] ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten dient. Ein solcher Raum ist typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück ist. Entspricht ein Raum dem Typus des Arbeitszimmers, muss er überdies (nahezu) ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt werden. [...] Nur wenn kein anderer Arbeitsplatz für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht [...] oder das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet [...], ist ein Abzug [...] möglich (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 251, 408 , BStBl II 2016, 265 )."

Es kommt jedoch auf die konkrete Situation an.

"Ein Zimmer, das zwar büromäßig eingerichtet ist, das aber in nennenswertem Umfang neben der Verrichtung von (Büro-)Arbeiten auch anderen Zwecken dient, etwa als Spiel-, Gäste- oder Bügelzimmer, ist bereits nach dem allgemeinen Wortverständnis kein Arbeitszimmer." (BFH, Beschl. vom 27.7.2015, GrS 1/14 , Randnummer 67).

Zweifel an der Abzugsfähigkeit ergeben sich jedoch aus der Tür zum Kinderzimmer. Bereits objektiv ist hier eine Nutzung für private Zwecke gegeben.

Das werden Sie nicht widerlegen können.
"Der Umfang der jeweiligen Nutzung lässt sich objektiv nicht überprüfen. Die Behauptungen des Steuerpflichtigen, zu welcher Zeit er auf welche Weise ein in die häusliche Sphäre eingebundenes Zimmer nutzt, sind regelmäßig nicht verifizierbar. Auch ein "Nutzungszeitenbuch" ist kein geeignetes Mittel, die jeweiligen Nutzungszeiten nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die darin enthaltenen Angaben besitzen keinen über die darin liegende Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert und sind regelmäßig --anders als etwa Fahrtenbücher-- nicht anhand eines Abgleichs mit anderen Informationen überprüfbar. Ebenso mangelt es an hinreichenden Maßstäben, anhand derer die jeweiligen Anteile geschätzt werden können." (BFH, Beschl. v. 27.7.2015, GrS 1/14 , Randnummer 71).

> Ihre Begründung lässt sich hören. Ob Sie damit vor dem Finanzgericht Erfolg haben, ist ungewiss.

Der Bundesfinanzhof stellte mit Beschluss vom 04.08.2006 - VI B 49/06 fest, dass an Hand der konkreten Umstände und Beweisanzeichen zu prüfen ist, ob ein Durchgangszimmer zum Werbungskostenabzug berechtigt..

2.
Ob das Finanzamt die vergangen Bescheide korrigiert, kann ich nicht vorhersagen.

Das Finanzamt ist nur dann berechtigt, rechtskräftige Einkommensteuerbescheide zu korrigieren, wenn neue "Tatsachen" nachträglich bekannt werden, die zu einer höheren Steuer führen (§ 173 Abs. 1 Nr. 1 EStG ).

Hier hat sich wohl nur die Rechtsauffassung des FA geändert.

Dann wäre eine rückwirkende Änderung nicht zulässig.

Hat das FA aber erst jetzt von der Eigenschaft als Durchgangszimmer (Tatsache) erfahren, kommt eine Änderung der zurückliegenden Bescheide in Betracht.

Zunächst abzuwarten, würde dazu führen, dass der Einkommensteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung bestandskräftig wird und damit nicht mehr angegriffen werden kann.

Wenn Sie eine Entscheidung des Finanzgerichts wünschen, dürfen Sie nicht abwarten, sondern müssten innerhalb der Klagefrist Klage einreichen (§ 47 FGO , 1 Monat).

3.
Eine fehlerhafte oder unvollständige Begründung macht den Bescheid angreifbar. Der Formfehler kann jedoch nachträglich geheilt werden, ohne dass sich inhaltlich etwas am Steuerbescheid ändert (§ 155 Abs. 1 S. 1 , 126 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 AO ).

> Wenn eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung die Kosten übernimmt, ist eine Klage sinnvoll.
Zu Beginn sind - ausgehend vom Mindeststreitwert - Gerichtskosten in Höhe von 264 € zu zahlen.


Mit freundlichen Grüßen

Peter Eichhorn
Rechtsanwalt


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