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Steuerpflicht bei doppeltem Wohnsitz: Deutschland und Großbritannien

| 25.04.2020 19:32 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Ich wohne seit über 10 Jahren in Großbritannien und arbeite auch seit 2010 in GB.

Ich betreue momentan für meinen britischen Arbeitgeber die Geschäftsentwicklung in den Benelux-Ländern und der DACH-Region. Aus diesem Grunde, und aus Heimatverbundenheit, überlege ich nun ein kleines Büro in Deutschland zu mieten und dort auch eine Wohnung zu kaufen.

Mein Arbeitgeber wird dabei in London bleiben, wo sich der Hauptsitz unseres Unternehmens befindet, und ich werde aller Voraussicht nach zwischen Deutschland und London zumindest für das erste Jahr wöchentlich pendeln. Das heißt ich werde sowohl in unserem Londoner Büro als auch in Deutschland (und kurzfristig auch in anderen Ländern) arbeiten.

Ab wann würde in diesem Fall eine Steuerpflicht in Deutschland entstehen? Ich habe vor meine Wohnung in London zu behalten und tatsächlich in beiden Ländern zu leben und zu arbeiten. Es kann gut sein dass über die Zeit mein Hauptwohnsitz sich wieder nach Deutschland bewegen wird - allerdings vermutlich nicht im Jahr 1 meines Plans, sondern eher graduell.

Über eine steurrechtliche Begutachtung meiner Situation in Bezug auf das jeweilige nationale Steuerrecht und das britisch-deutsche Doppelbesteuerungsabkommen, sowie praktische Hinweise zu besonderen Regeln, die es zu beachten wie gilt, würde ich mich sehr freuen.

25.04.2020 | 21:14

Antwort

von


(209)
Niedergründauer Straße 32
63505 Langenselbold
Tel: 01702047283
E-Mail:
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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne möchte ich Ihnen Ihre Frage auf der Grundlage Ihrer Angaben im Rahmen dieser Erstberatung beantworten. Bitte beachten Sie, dass dies für Sie lediglich einen ersten Überblick über Ihre steuerliche Veranlagung in Deutschland bieten kann, da verbindliche Aussagen über die Besteuerung Ihrer Einkünfte einer Einzelfachbetrachtung bedürfen. Zudem kann ich Ihnen nur Auskunft über die steuerliche Behandlung aus Sicht des deutschen Steuerrechts geben.

Grundsätzlich gilt folgendes.

Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen der unbeschränkten und der beschränkten Steuerpflicht. Wer unbeschränkt steuerpflichtig ist, versteuert in Deutschland sein gesamtes Welteinkommen, unabhängig davon, ob es einen Inlandsbezug aufweist oder nicht. Somit auch beispielsweise Mieteinkünfte, die Sie in GB erzielen.

Unbeschränkt Steuerpflicht ist, wer in Deutschland eine Wohnung unterhält oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Beschränkt steuerpflichtig ist, wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, aber bestimmte Einkünfte einen Inlandsbezug aufweisen. Welche Einkünfte dies konkret sind, regelt § 49 EStG . Das klassische Beispiel hierfür wäre eine vermietete Wohnung in Deutschland. Die Vermietungseinkünfte unterlägen dann der deutschen Steuerpflicht.

Da diese Regelungen in den meisten Staaten sehr ähnlich sind, ist davon auszugehen, dass Sie, wenn Sie eine Wohnung in Deutschland und in GB haben Sie auch in beiden Staaten der unbeschränkten Steuerpflicht unterlägen und somit in beiden Staaten Ihr gesamtes Welteinkommen versteuern müssten. Um die daraus resultierende Doppelbesteuerung zu vermeiden, greift in Ihrem Fall das Doppelbesteuerungsabkommen DE-GB.

Davon ausgehen, dass es sich weder um Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen, Sie kein Sportler oder Künstler sind und es sich auch nicht um Renten bzw. Ruhestandsgehälter handelt, gilt gemäß Art. 14 des DBA, dass die Einkünfte grundsätzlich in dem Staat zu versteuern sind, indem Sie nach dem DBA ansässig sind. Dies wird im Einzelfall zu prüfen sein.

Dabei gilt folgendes Prüfungsschema:

Eine Person ist dort ansässig, wo sie nach dem Recht eines Staates der Steuerpflicht unterliegt. Trifft dies auf beide Staaten zu, ist eine Person dort ansässig, wo sie über eine ständige Wohnstätte verfügt. Verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, ist sie dort ansässig, wo der Mittelpunkt der Lebensinteressen (Familie, Freunde, Vereinsmitgliedschaften) liegt. Lässt sich dies nicht eindeutig ermitteln, ist die Person dort ansässig, wo sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Lässt sich auch dies nicht eindeutig ermitteln, ist die Person in dem Land ansässig, dessen Staatsangehöriger sie ist. Hätte sie beide oder keine Staatsangehörigkeit der beiden Länder, würden die beiden Staaten die Ansässigkeit im Einvernehmen klären.

Wird die Tätigkeit nicht in dem Staat ausgeübt, in dem Sie ansässig sind, stünde grundsätzlich dem Staat das Besteuerungsrecht zu, in dem Sie tätig sind. Ausnahmsweise werden Vergütungen für Tätigkeiten, die Sie nicht im Ansässigkeitsstaat verdienen trotzdem im Ansässigkeitsstaat versteuert, wenn Sie:

1. sich nicht länger als 183 tage (innerhalb von 12 Monaten) im Nicht-Ansässigkeitsstaat aufhalten
2. die Vergütungen von einem Arbeitgeber gezahlt werden, der nicht im Nicht-Ansässigkeitsstaat ansässig ist und
3. die Vergütungen nicht von einer Betriebsstätte getragen werden, die der Arbeitgeber im Nicht-Ansässigkeitsstaat hat.

Unter Zugrundelegung der bisherigen Ausführungen gilt für Sie konkret folgendes:

1. Aufgrund der langen Zeit, die Sie in GB verbracht haben, spricht sehr viel dafür, dass Ihr Lebensmittelpunkt in GB ist und GB somit Ihr Ansässigkeitsstaat ist.
2. Soweit Sie Ihre Tätigkeit in GB ausüben, steht auch GB das Besteuerungsrecht zu.
3. Soweit Sie Ihre Tätigkeit in DE ausüben, steht auch DB das Besteuerungsrecht zu,
es sei denn, dass die vorgenannten Voraussetzungen (1-3) vorliegen.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung, muss Ihnen jedoch zur Klarstellung mitteilen, dass dies lediglich einen steuerrechtlichen Überblick bieten kann, worauf es ankommt. Eine konkrete steuerliche Beratung muss einzelfallbezogen erfolgen. Sofern Sie versuchen aus steuerlichen Gründen Ihre Lebensumstände zu gestalten, sollte auch hier eine tiefergehende Beratung erfolgen.

Herzliche Grüße
Michael Krämer
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 26.04.2020 | 12:34

Vielen Dank. Ich habe sowohl die deutsche wie auch die britische Staatsangehörigkeit - dies scheint den Fall weiter zu komplizieren.

Interpretiere ich richtig dass die Essenz Ihrer Antwort ist dass ich mit hoher Wahrscheinichkeit in Großbritannien weiter steuerpflichtig bleiben werde, sofern ich nicht in Deutschland 183 Tage oder mehr verbringe?

Wie wird die Ansässigkeit des Arbeitgebers in Deutschland festgestellt - d.h. welche Kriterien werden hier genutzt? Mein Unternehmen hat keine deutsche Niederlassung, aber ich würde gerne ein kleines Büro anmieten. Ich nehme an das letzteres nicht zu Ansässigkeit führt?

Vielen Dank für die Klarstellung und beste Grüße

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 26.04.2020 | 13:03

Sehr geehrter Fragesteller,

ja, wenn Ihr Arbeitgeber keine Betriebsstätten in Deutschland hat, wären Sie zu 100 Prozent in GB steuerpflichtig, wenn Sie die 183-Tage-Grenze unterschreiten. Sofern Sie für Ihren Arbeitgeber in Deutschland ein Büro errichten, wäre zu prüfen, ob dies als Betriebsstätte des Arbeitgebers angesehen werden kann. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn Sie dort auch Kunden u. Geschäftspartner Ihres Arbeitgebers empfangen. Wenn nicht, wäre eine Einzelfallprüfung notwendig. Um in solchen Bereichen aber für die Gestaltung ein hinreichendes Maß an Rechtssicherheit zu haben, ist dringend zu empfehlen beim zuständigen Finanzamt eine verbindliche Auskunft darüber zu beantragen.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne weiter zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Michael Krämer
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 26.04.2020 | 13:30

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