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Steuerpflicht auf Buchgewinne?

| 01.06.2018 10:24 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Wir möchten im Herbst dieses Jahres aus Deutschland in ein Land ohne DBA auswandern. Ich habe ein Depot/ Brokerkonto, welches im Ausland geführt wird. Wenn ich in meinem Depot Positionen (Aktien, ETFs, Futures - nur Werte aus den USA, keine Fonds mit besonderer Versteuerung der Dividenden und Erträge) mit Buchgewinnen habe, muss ich da bei der letzten Steuererklärung nach der Abmeldung vom Finanzamt den fiktiven Gewinn/Buchgewinn besteuern oder bleibt er steuerfrei. Ich meine nur Longpositionen, also gekaufte Aktien usw., die z.B. 2017 und 2018 gekauft wurden und auch nach der Auswanderung im Depot verbleiben sollen. Mir ist klar, dass Shortpositionen, also Leerverkäufe zu versteuern sind und diese Positionen werde ich bei der Abmeldung aus Deutschland schließen. Es handelt sich um reine private Vermögensverwaltung, irgendwelche meldepflichtigen Anteile an Kapitalgesellschaften sind nicht überschritten.

Sehr geehrter Ratsuchender,

sämtliche Einkünfte aus Aktien und sonstigen Finanzanlagen sind heute relativ unübersichtlich
verteilt in § 20 EStG ( Einkünfte aus Kapitalvermögen ) und in § 22, 23 EStG geregelt. Daß sämtliche
Shortpositionen unabhängig vom Zeitpunkt der Anschaffung und Veräußerung zu besteuern ist, ist
bei Ihnen nach Ihren Ausführungen bekannt.

Bei den Longpostionen sind jedoch sämtliche Besteuerungsvoraussetzungen an Veräußerungsgeschäfte
oder Rechtshandlungen angeknüpft, die Veräußerungen gleich stehen. Auch hier gibt es eine Litanei von
komplizierten Voraussetzungen, die bei Ihnen aber alle nicht greifen.

Der bloße Wegzug kann einem Veräußerungsgeschäft nicht gleichgesetzt werden oder gar die Besteuerung
eines Buchgewinns auslösen. Vorsorglich würde ich aber die depotführende Bank behalten, auch wenn das
kein Argument für die Finanzverwaltung sein sollte. Deklarieren würde ich insoweit lediglich die steuerpflichtigen
Geschäfte. Eine Angabepflicht etwaiger Buchgewinne ist weder nötig, noch eine Besteuerung zu befüchten.

Achten Sie dennoch akribisch auf die unterschiedlichsten Voraussetzungen der Finanprodukte, inbesondere
der innovativen Finanzprodukte. In § 20 EStG ist eindrücklich nachzulesen, wie komplizert und unterschiedlich
hier der Gesetzgeber zumindest versucht, erst einmal an möglichst viele Besteuerungstatbestände heranzukommen.
Im Zeifel sollten Sie bei z.B. ETF einen Steuerberater konsultieren und mit ihm Posten für Posten bezüglich einer im Raume
stehenden Besteuerung diskutieren und abhaken.

Mit besten Grüssen

Fricke
Rechtsanwalt und Diplom Kaufmann

Nachfrage vom Fragesteller 04.06.2018 | 10:38

Sehr geehrter Hr. Fricke,
Ihre Antwort verstehe ich so, dass ich mich bei Aktien und Futures auf der sicheren Seite sehen kann. In Bezug auf die ETFs habe ich die folgende Nachfrage: Was könnte eine Kriterium sein, diesen anders zu behandeln als eine Aktie. Der Grund für die Frage ist, dass der Broker in sämtlichen Auswertungen, auch Jahresauswertungen, Aktien und ETFs (zumindest die von mir gehandelten) in einer Kategorie erfasst, so dass sich rein aus diesen Unterlagen keine Erkenntnis für eine eventuelle andere steuerliche Behandlung ableiten lässt. Muss ich mir das dann so vorstellen, dass der Steuerberater bei jedem ETF den englischen Verkaufsprospekt durcharbeitet?

mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.06.2018 | 19:47

Ich kann die Nachfrage nur so beantworten. ETF´s sind keine klassischen Aktien und ich denke, es kommt
hier in der Tat auf eine Prüfung der Verkaufsprospekte an. Die Besteuerung jeder einzelnen Kapitalmarktanlage
ist immer leicht unterschiedlich, was allein schon die Aufzählung in § 20 EStG hinlänglich zeigen dürfte.

Übrigens, allein schon die Unterschiede der ETF´s rechtfertigen eine unterschiedliche Bewertung. Während die
physisch replizierenden ETF´s die Aktien des Indexes tatsächlich halten, handeln die synthetischen ETF´s nur
noch mit Finanzderivaten.

Wie genau hier die Besteuerung ausfallen wird, kann Ihnen wohl nur verlässlich ein Steuerberater nach vollständiger
Prüfung dieser Anlagen mitteilen.

Im Grunde genommen bleibt es aber bei meiner zuvorigen Grundaussage und der Auffassung, wie Sie mich verstanden
haben.

Mit freundlichen Grüssen

Fricke
RA

Bewertung des Fragestellers 04.06.2018 | 20:17

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