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Steuerliche Behandlung von Verlusten aus GmbH-Beteiligung und Gesellschafterdarlehen

13.11.2013 20:16 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Ich habe 2010 eine UG gegründet, die als Beteiligungsvehikel an einer GmbH gedient hat. Ich war 100%iger Gesellschafter (und GF) der UG. Sie hatte ein Stammkapital von 500 Euro und tat nichts anderes, als Anteile an dieser GmbH zu halten. Neben meiner UG waren mehrere andere Gesellschaften (u.a. Risikokapitalgeber) an der GmbH beteiligt. Ich selbst war auch (einer von drei) GFs der GmbH, aber das tut vermutlich nichts zur Sache.

Bei der GmbH gab es im weiteren Verlauf mehrere Kapitalerhöhungen. Die UG hat im Rahmen dessen weitere Geschäftsanteile der GmbH erworben. Dies geschah wie folgt:
Ich (als alleiniger Gesellschafter der UG) habe der UG mehrere Darlehen gegeben (mit längerer Laufzeit, endfällig verzinst). Mit diesem Geld hat die UG dann die (neuen) Geschäftsanteile an der GmbH erworben.

Die GmbH wurde 2012 an eine weitere Gesellschaft vollständig verkauft. Auf die Geschäftsanteile, die durch meine UG gehalten wurden, entfiel (aufgrund von Erlösvorzügen der anderen Gesellschafter bzw. der Risikokapitalgeber) kein Veräußerungserlös (0 Euro). Die UG verfügte somit anschließend über keinerlei Vermögensgegenstände und konnte somit auch die von mir gegebenen Gesellschafterdarlehen nicht zurück zahlen. Die UG wurde Ende 2012 liquidiert.

Ich habe somit einen Verlust von 500 Euro Stammkapital plus die durch mich gegebenen, aber nicht durch die UG zurück gezahlten Darlehen (ein paar Tausend Euro). Meine Fragen:

1. Kann ich diesen Verlust steuerlich geltend machen?
2. Gibt es hier einen Unterschied in der Behandlung des Stammkapitals und der Darlehen?
3. Was hätten die damaligen Darlehensverträge ausgestaltet sein müssen, damit eine steuerliche Geltendmachung möglich gewesen wäre (Stichwort "eigenkapitalersetzende Gesellschafterdarlehen")?
4. Kann ich ggf. nur die Hälfte dieser Verluste geltend machen (Stichwort "Halbeinkünfteverfahren")?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Zunächst ist für die Frage der Möglichkeit der steuerrechtlichen geltendmachung entscheidend, ob die Beteiligung an der UG im Privatvermögen oder im Betriebsvermögen gehalten wurde.

Ich gehe hier von Letzterem aus. Die Zuordnung ist eine Frage des Einzelfalls und kann ohne vollständige Kenntnis von den Vorgängen nicht beantwortet werden. Grob gilt: Hält ein Unternehmer eine Beteiligung an einer GmbH aus beruflichen Gründen so gehört die Beteiligung in das Betriebsvermögen des Unternehmers.

Zu unterscheiden ist im weiteren tatsächlich nach dem Verlust der Beteiligung und nach dem Ausfall der Darlehen.

Der Verlust der Beteiligung stellt grundsätzlich einen Aufwand dar, der steuerlich zu berücksichtigen ist, und zwar nach dem Teileinkünfteverfahren in Höhe von 60 %, § 3c Abs. 2 EStG.

Auch der Ausfall der Gesellschafterdarlehen führt zu steuerlich zu berücksichtigenden Aufwand.

Nach einer Meinung kann der Ausfall in voller Höhe geltend gemacht werden. Nach Auffassung einiger Finanverwaltungen soll das Abzugsverbot
des § 3c Abs.2 EStG auch auf einen betrieblichen Darlehensverlust anzuwenden sein, wenn zwischen den Beteiligungseinkünften und der Darlehenshingabe ein Veranlassungszusammenhang besteht.

Folgt man letzterer Ansicht, wäre auch hier lediglich 60 % steuerlich als "Betriebsausgabe" relevant.

Ich weise nochmals darauf hin, dass vorstehende Ausführungen nur dann gelten, wenn die Anteile an der UG im Betriebsvermögen gehalten wurden.

Mit vorstehenden Ausführungen dürften auch die Fragen 3 und 4 beantwortet sein.

Zu Frage 3 noch kurz: Das Stichwort "eigenkapitalersetzendes Darlehen" bezeichnet keine Gestaltungsmöglichkeit. "Eigenkapitalersetzendes Darlehen" meint nur die nachträgliche Qualifizierung eines Darlehens als Eigenkapital, wenn ein objektiv und vernünftig handelnder Geschäftsmann aufgrund einer Schieflage der Gesellschaft kein Darlehen gegeben hätte, sondern eben das Eigenkapital erhöht hätte.

Grundsätzlich hätte natürlich statt der Hingabe eines Darlehens auch das Eigenkapital der Gesellschaft erhöht werden können. Ob dies wirtschaftlich und gesellschaftrechtlich aber sinnvoll gewesen wäre, kann hier nicht beurteilt werden. Steuerlich hätte es bei Halten der Beteiligung im Betriebsvermögen wohl keine Vorteile gebracht.

Zu Frage 4 noch kurz:

Das Halbeinkünfteverfahren gibt es nicht mehr, es wurde durch das Teileinkünfteverfahren abgelöst. Sie haben völlig recht, dass dieses hier Anwendung findet mit der Konsequenz, dass nur ein Aufwendungsabzug von 60 % möglich ist, § 3c Abs. 2 EStG.

Ich empfehle aber in jedem Fall, die Angelegenheit nochmals mit einem Steuerberater oder einem auf Steuerrecht spezialisierten Rechtsanwalt zu besprechen. In diesem Zusammenhang könnte dann auch geklärt werden, ob die Beteiligung tatäschlich im Betriebsvermögen gehalten wurde. Es sind hier äußerst komplexe gesellschaftsrechtliche und steuerliche Themen angesprochen. Dieser Rahmen reicht sicherlich nicht, um eine für Sie maßgeschneiderte Beantwortung zu finden, dafür fehlt es einfach auch an der vollständigen Kenntnis des Sachverhalts.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen trotzdem einen ersten Überblick verschafft haben zu können, wie er im Rahmen einer Erstberatung möglich ist und bedanke mich nochmals für die Anfrage.

Bitte beachten Sie, dass diese Webseite lediglich dazu dient, Ihnen einen erste Einschätzung zur Rechtslage zu liefern. Eine ausführliche und persönliche Beratung soll und kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Außerdem kann das Fehlen oder Hinzufügen wesentlicher Angaben im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Einschätzung führen.


Bei Nachfragen nutzen Sie unbedingt die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Baur

Nachfrage vom Fragesteller 18.11.2013 | 12:58

Vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort.

Hinsichtlich der nur teilweisen Berücksichtigung der Verluste habe ich folgende Quelle gefunden:
http://www.tober-berlin.de/aktuelles/2011_6_05.htm
Da aus der Beteiligung niemals ein Rückfluss erfolgt ist, müsste ich die Verluste zu 100% berücksichtigen können, oder?

In dieser Quelle hier:
http://www.iww.de/asr/archiv/gestaltungsinstrument-zur-rettung-der-gmbh-finanzierung-der-gmbh-in-der-krise-durch-gesellschafterdarlehen-f38054
habe ich genauere Anforderungen an den Darlehensvertrag gefunden:
"Um steuerlich zu retten, was zu retten ist, sollten Sie bereits bei der Darlehensvereinbarung darauf achten, dass Sie ein „krisenbestimmtes Darlehen" gewähren. Dazu müssen Sie sich schon im Darlehensvertrag unwiderruflich verpflichten, im Krisenfall auf Ihr Recht zur Darlehenskündigung zu verzichten." Demzufolge sollte dieser Passus im Darlehensvertrag enthalten sein?

Ich werde mich zu weiteren Details wohl an einen StB wenden müssen. Gehört diese Angelegenheit eigentlich in die Einkommensteuererklärung 2012 oder erst in 2013? Der Beschluss zur Liquidation der UG ist Ende 2012 erfolgt, die entsprechende Eintragung im Handelsregister erfolgte am 2.1.2013. Anschließend gibt es ja noch mal 1 Jahr, in dem sich die Gläubiger melden sollen - das wäre dann wohl ich.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.11.2013 | 13:25

Danke für die Nachfrage(n).

Zu erster Nachfrage:

Das Urteil gibt es tatsächlich. Allerdings wurde es in der Praxis nicht konstequent berücksichtigt. Meiner Kenntnis nach besteht sogar ein Nichtanwendungserlass des Bundesfinanzministeriums.
Trotzdem würde ich natürlich zunächst auf eine vollständigen Verlust-Anerkennung pochen, und mich dazu auf die entsprechende BFH-Rechtsprechung berufen.

Zur zweiten Frage:

Grundsätzlich schadet die Aufnahme eines solchen Passus sicherlich nicht. Für seine Wirksamkeit bzw. Anerkennung durch das Finanzamt sollten Sie sich aber natürlich auch bewusst sein, dass Sie auf Ihre Kündigungsmöglichkeit in der Krise verzichten müssen.

Es gibt zu jeder Gestaltung immer Vor- und Nachteile. Sie sollten sich deshalb gerade bei Vertragsgestaltungen beraten lassen, da Sie Vor- und Nachteile nur dann wirtschaftlich und steuerlich optimal nutzen können, wenn Sie diese auch kennen.

Zu Ihrer dritten Frage:

Deses Thema ist ein Thema für sich. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Geltendmachung von Verlusten zeitlich zu steuern.

Grundsätzlich gilt, dass Verluste zu dem Wirtschaftsjahr gehören, in dem Sie entstanden sind. Der Verlust entsteht grundsätzlich mit Ende der Liquidation, wenn also feststeht, dass Sie mit Ihren Forderungen ausfallen werden.

Beachten Sie aber immer auch die handelsrechtlichen Verpflichtungen zum Ausweis von drohenden Verlusten!

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