Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
495.393
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Steuerliche Behandlung thesaurierender Fondsanteile

| 31.05.2018 16:15 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Sehr geehrter Anwalt,

Im Jahr 1994 wurden aus dem Ertrag einer Lebensversicherung 1300 Anteile des thesaurierenden Rentenfonds ADIG Eurorent plus, WKN 971879, als Tafelpapier erworden. Der Fond war in Luxemburg gelistet gewesen. Die Papiere wurden 2005 in ein Wertpapierdepot bei der Credit Suisse in Zürich eingelegt. Der Fond wurde am 30.05.11 geschlossen. Die Fondanteile wurden von der Credit Suisse automatisch in Anteile des Nachfolgefonds Allianz Global Investor Fund (AGIF) getauscht.
Am 12.09.12 wurden alle Anteile verkauft. Der Erlös wurde dem Finanzamt gemeldet, welches diesen dann der Steuer unterwarf.

Das Finanzamt erhob Steuern in folgender Weise:
(1)
Es wurde rückwirkend von 2003 bis 2012 die Thesaurierung der Fondanteile einzeln für jedes Jahr ermittelt und für jedes Jahr eine Steuernachzahlung gefordert.
(2)
Auf die für jedes Jahr zu zahlenden Steuern wurden Verzugszinsen in Höhe von 0,5% pro Monat erhoben.

So ergab sich eine Nachforderung des Finanzamtes von gut 22.000 Euro. Der tatsächliche Wertzuwachs des Depots betrug im
betroffenen Zeitraum insgesamt etwa 9.000 Euro.
Einsprüche wurde abgelehnt, und die Steuerforderung daher erst einmal beglichen. Eine Klage vor dem Finanzgericht soll auf den Weg gebracht werden.

Problem:

Ich bin der Ansicht, dass der Verkauferlös dieser Fondanteile aus Altbesitz seit 1994 steuerfrei zu stellen ist und die jährlich vereinahmten Thesaurierungen, die sich in einer kontinuierlichen Kurssteigerung ausdrückten, nicht steuerpflichtig sind. Die Haltedauer der Papiere betrug mehr als 25 Jahre und lag damit weit über der Spekulationsfrist. Das Finanzamt wendet die Regeln des Investitonssteuergesetzes an, welches am 01.01.2004 in Kraft getreten ist und gründet darauf die Steuerforderung. Zu diesem Zeitpunkt aber waren die Fondanteile längst in meinem Besitz. Das Investitonssteuergesetz aber regelt die steuerliche Behandlung von Wertpapieren, die nach erst Inkrafttreten am 01.01.2004 erworben wurden. Dieses berücksichtigt das Finanzamt nicht.

Frage:

Sind die jährlichen Thesaurierungender Fondanteile in meinem Fall tatsächlich steuerpflichtig und ist die Nachforderung des Finanzamtes daher berechtigt? Die im Netz verfügbaren Angaben dazu sind widersprüchlich.

Vielen Dank und freundliche Grüße


Sehr geehrter Ratsuchender,

ich habe mal mit Neugierde ein paar Tage abgewartet, da ich mal sehen wollte, ob sich hier ein Kollege an dieses Thema herantraut. Es ist sehr komplex und ohne weitere Hintergrundkenntnisse kaum zu beantworten. Aber ich sage Ihnen, bevor
Ihre Frage die Tage gelöscht werden wird, einfach mal, wie ich die Sache sehe.

Bei thesaurierenden Fonds wird bekannter Maßen der Gewinn nicht ausgeschüttet, teilweise auch nur teilausgeschüttet und die die Gewinne wieder am Markt reinvestiert. Die meisten Anleger hielten das damals wie heute für ein Geschäft, welches der normalen
Spekukaltionssteuer unterworfen war. Das ist so aber nicht ganz richtig. Die Reinvestitionen kommen Ausschüttungen gleich, die in der Steuererklärung dem Finanzamt zu deklarieren sind. Das scheinen Sie nicht getan zu haben, sondern erst nach Veräußerung das Finanzamt über diesen Vorfall informiert zu haben.

Bei deutschen Fonds wurde das in der letzten Zeit dann so gehandhabt: Sie haben ausschüttungsgleiche Erträge ausgewiesen und dafür die Steuern dem Finanzamt selber abgeführt. Das war bei ausländischen Fonds nicht der Fall, so daß hier das Finanzamt auf die ehrlichen Angaben der Steuerpflichtigen angewiesen war.

Von daher ist die Nachbesteuerung prinzipiell erst einmal richtig. Ob die Höhe der Besteuerung ordnungsgemäß erfolgt ist, vermag ich ohne weitere Kenntnisse nicht zu beurteilen. Der Verzugszins von 0,5 Prozent ist die gesetzliche Folge für zu spät deklarierte und abgeführte Steuern. Aber, hier sollte auch ein Augenmerk auf die Verjährung gesetzt werden, die nach unterschiedlichen und anspruchsvollen Regeln zu bewerten ist.

Wenn ich Ihnen mehr dazu sagen soll, können Sie mir mal über die Nachfragefunktion den Einspruchsbescheid vom Finanzamt zukommen lassen. Sie werden wissen, daß eine Anfechtungsklage nur einen Monat nach Bekanntgabe beim Finanzgericht hereingereicht werden kann. Die Zeit drängt also leicht. Bei Bedarf würde ich auch die Klageführung übernehmen, was aber zur Voraussetzung hätte, daß ich rechtzeitig die Einspruchsentscheidung lesen konnte und die Klageführung für aussichtsreich halte.

Wie gesagt, bei Nachfragen einfach noch mal melden und bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Fricke
Rechtsanwalt und Diplom Kaufmann

Nachfrage vom Fragesteller 02.06.2018 | 09:10

Sehr geehrter Herr Fricke,

ich hatte so etwas befürchtet und stimme Ihnen zu.
Aber: gelten die von Ihnen genannten Regelungen auch für Fondsanteile, die vor Inkrafttreten des Investitionssteuergesetzes am 01.01.2004 angeschafft wurden?
Vielen Dank für Ihre Mühe.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.06.2018 | 10:25

Sehr geehrter Ratsuchender,

in meinen Augen wohl, weil es schon damals um die jährliche Besteuerung der dortigen Erträge ging, die so niemals durchgeführt worden ist. Aber ich muss noch einmal hervorheben: Eine verlässliche Bewertung Ihres Sachverhaltes kann ich damit nicht vornehmen, da ich dazu alle Unterlagen einsehen müsste. Immerhin liegt bei Ihnen eine Frist zur Klageeinreichung von einem Monat vor. Soweit Sie eine verlässliche Einschätzung der Erfolgsaussichten benötigen, sollten Sie vorherr am besten zumindest
einen Steuerberater mit dieser Frage konsultieren. Aus den Angaben von Ihnen konnte und kann ich nur eine Aussage tätigen, die ich im allgemeinen erst einmal für richtig halte.

Und noch einmal: Achten Sie bitte auf die Festsetzungsverjährung und fragen Sie auch diesbezüglich einen Steuerberater. Das Finanzamt kommt mit einer Nachveranlagung nicht an alle Jahre heran. Die Festsetzungsverjährung beträgt in der Regel 5 Jahre und richtet sich aber auch nach komplizierten Regelungen der AO, ab wann die Frist erst einmal zu laufen beginnt. Wenn ich im Jahre 2018 aber etwas von 2003 und Folgejahren höre, werde ich natürlich erst einmal ein wenig skeptisch.

Ich hoffe noch einmal geholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüssen und den besten Grüssen eine schönen Wochenendes

Fricke
RA und Dipl. Kfm.

Bewertung des Fragestellers 02.06.2018 | 13:28

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für Ihre Hilfe und Ihre Einschätzung zu diesem komplexen Thema. Sie haben mir sehr geholfen."
Stellungnahme vom Anwalt: