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Steuerliche Behandlung US LLC in Deutschland

| 27.05.2019 10:04 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Besteuerung US LLC mit Betriebsstätte in Deutschland, Gewinnfeststellung und Anrechnung der Gewerbesteuer, Ermittlung tarifliche Einkommensteuer

Guten Tag liebe Rechtsexperten,

ich habe in den USA eine Limited Liablity Company gegründet. Diese Firma wird in den USA als "disregarded entity", also als Personengesellschaft behandelt, die Gewinne/Verluste müssen somit beim Gesellschafter selbst (also bei mir) in der Einkommenssteuererklärung angegeben und entsprechend versteuert werden. Da ich nicht in den USA lebe und keine US-Staatsbürgerschaft habe, bin ich in den USA somit "steuerfrei" und muss die Einkünfte am Wohnsitz (in meinem Fall in Deutschland) versteuern. Gemäß meines Gesellschaftervertrages sollte ich auch in Deutschland als Personengesellschaft behandelt werden und nicht als Kapitalgesellschaft. Soweit habe ich mich selbst informiert.

Ebenso sollte man wohl beim deutschen Handelsregister eine Zweigniederlassung anmelden, sofern der "Ort der geschäftlichen Willensbildung" in Deutschland liegt, also die geschäftlichen Entscheidungen regelmäßig in Deutschland getroffen werden, was ja auch der Fall ist. Ich bin jedoch geschäftlich in Deutschland nicht aktiv, ich betreibe einen Online-Shop (von Deutschland aus) und verkaufe dort Ware ausschließlich innerhalb der USA, habe dazu auch ein US-Bankkonto, ein Büro in den USA, etc.

Nun meine Frage: Unter der Voraussetzung, dass ich in Deutschland als Personengesellschaft behandelt werde und eine Zweigniederlassung im Handelsregister anmelde, mit welchen steuerlichen Belastungen muss ich rechnen? Ist es korrekt, dass der Gewinn einer Personengesellschaft keiner direkten Besteuerung unterliegt und müsste ich somit max. 45% meines Gewinnes, bzw. "Einkommens" versteuern, sollte ich jemals jenseits von 265.000€ Gewinn erwirtschaften? Die anfallende Gewerbesteuer kann ja mit der Einkommensteuer verrechnet werden?

Vorab vielen Dank für Ihre Hilfe!
27.05.2019 | 14:44

Antwort

von


(42)
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Gemäß Ihren Vorgaben unterstelle ich im Folgenden, dass die von Ihnen gegründete LLC nach US-Steuerrecht, Abkommensrecht und deutschem Steuerrecht als Personengesellschaft zu qualifizieren ist. Die hierfür notwendige Prüfung (Rechtstypenvergleich) wäre mit den vorliegenden Sachverhaltsangaben auch nicht möglich.

Zudem würde ich aus Ihren Angaben folgendes schließen: Sie sind der einzige Gesellschafter der Personengesellschaft (was nach US Recht möglich ist) und die geschäftliche Aktivität Ihrerseits für die LLC findet ausschließlich in Deutschland statt, auch wenn inneramerikanischer Versandhandel betrieben wird, was ja über einen Onlineshop durchaus möglich ist.

Die LLC unterhält aufgrund ihrer Aktivitäten eine Geschäftsführungsbetriebsstätte in Deutschland, auf welche ohne Aktivitäten in den USA der gesamte Gewinn der LLC entfällt. Das Besteuerungsrecht gemäß Doppelbesteuerungsabkommen hat Deutschland und Sie unterliegen hier aufgrund ihres Wohnsitzes im Inland ohnehin der unbeschränkten Steuerpflicht. Mangels Quellenbesteuerung in den USA muss eine Anrechnung ausländischer Steuern nicht weiter geprüft werden.

Zu Ihren Fragen:

Auch eine ausländische Personengesellschaft gilt in Deutschland als steuerlich transparent bei der Einkommensteuer. Dies bedeutet, dass der Gewinn unmittelbar dem Gesellschafter zugerechnet und bei diesem besteuert wird, bei Ihnen in der persönlichen Einkommensteuerveranlagung. Hierzu findet eine einheitliche Gewinnfeststellung auf Ebene der Gesellschaft statt, die Einkünfte werden dann auf den Gesellschaftern zugerechnet. Anders ist dies bei der Gewerbeteuer, hier ist die Personengesellschaft Steuersubjekt und die Gewerbesteuer wird auf Ebene der Personengesellschaft erhoben.

In Ihrem Fall dürfte eine einheitliche Gewinnfeststellung unter Umständen aufgrund von § 180 Abs. 3, Nr. 2 AO entfallen, da Sie der einzige inländische Gesellschafter der LLC sind. In dem Fall findet die Gewinnermittlung direkt in der Einkommensteuererklärung statt.

Der Ihnen zuzurechnende Gewinn der LLC unterliegt bei Ihnen der tariflichen Einkommensteuer. Es lässt sich so pauschal nicht darstellen, dass der Steuersatz ab einem Gewinn von € 265.000 hier 45% beträgt.

Dies kann durch bestimmte persönliche Faktoren (Zusammenveranlagung, Kinderfreibeträge, Vorsorgeaufwendungen) oder zB Verlustverrechnungsmöglichkeiten zum einen noch beeinflusst werden. Zum anderen ist der Spitzensteuersatz ja nicht auf das gesamte Einkommen zu entrichten, sondern nur auf den Teil des Einkommens, der eine bestimmte Grenze überschreitet. Aktuell liegt diese Grenze für den Spitzensteuersatz (42%) bei einem zu versteuernden Einkommen von 55.961 Euro für nicht Verheiratete und 111.922 Euro für Ehepaare. Die sog. Reichensteuer von 45% greift erst ab 265.327 Euro (zu versteuerndes Jahreseinkommen pro Person). Hinzu kommt in der Berechnung der tariflichen Belastung auch der Grundfreibetrag (bis € 9.168 je Steuerpflichtigem). Eine manuelle Berechnung ohne technische Unterstützung ist bei der Tarifberechnung in Deutschland sehr aufwendig. Hier gibt es aber online einige vernünftige EST-Rechner.

Die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer findet pauschal in Höhe des 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrages des Unternehmens, also des mit der Gewerbesteuermesszahl multiplizierten Gewerbeertrags statt. Hieraus folgt, dass eine vollständige Anrechnung nur stattfindet, wenn der lokale Hebesatz der Gemeinde bei der Gewerbesteuer nur bis zu 380% beträgt. Bei einem höheren Hebesatz kommt es zu einer zusätzlichen Belastung mit Gewerbesteuer.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.


Mit freundlichen Grüßen

Nils Hoefer
Rechtsanwalt und Steuerberater




Rechtsanwalt Nils Hoefer

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