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Steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen in geerbter Wohnung

| 29.06.2015 12:53 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Ich habe eine Frage an eine(n) Fachanwalt/Fachanwältin für Steuerrecht.

Sachverhalt:

Mein Mann hat vor einem Jahr die Eigentumswohnung seines im Mai verstorbenen Bruders geerbt. Die Wohnung wurde von dem Verstorbenen selbst genutzt und befand sich in einem desolaten Zustand (Messie-Wohnung). Sie musste renoviert bzw. saniert werden (Austausch einfach verglaster Fenster). Nach reiflicher Überlegung haben wir uns mittlerweile gegen eine Vermietung und für einen Verkauf entschieden.

Die haushaltsnahen Dienst- bzw. Handwerkerleistungen haben wir in unserer Einkommensteuererklärung für 2014 unter Haushaltsnahe Dienstleistungen bzw. Handwerkerleistungen steuerlich geltend gemacht. Der Steuerbescheid liegt noch nicht vor, da das Finanzamt noch den im Folgenden dargelegten Klärungsbedarf hat.

Mir ist bekannt, dass das BMF ein Anwendungsschreiben zu §35a EStG datiert vom 10.01.2014 herausgegeben hat, in dem unter Randziffer 18 die Absetzbarkeit der haushaltsn. Dienst- bzw. Handwerkerleistungen bei eigen genutzter geerbter Wohnung für zulässig erklärt wird. Mit Bezug auf diese Randziffer verlangt das Finanzamt nun den Nachweis, dass wir die Wohnung auch selbst nutzen bzw. vermieten (dann Absetzbarkeit der Kosten als Werbungskosten). Wir haben die Arbeitskosten aber bewusst geltend gemacht, obwohl wir die Wohnung nicht selbst nutzen. Es gibt verschiedene Textstellen im Web (z. B. IWW, Deutsche Handwerkszeitung), aus denen hervorgeht, dass der Haushalt des Verstorbenen zum Haushalt des Erben wird und Dienst- bzw. Handwerkerleistungen somit absetzbar sind. Dies gilt wohl auch dann, wenn der Erbe die Wohnung nicht selbst bewohnt. In einem Hinweis des IWW Instituts wird auf die Randziffer 19 des oben genannten Anwendungsschreibens des BMF verwiesen
(Link: http://www.iww.de/index.cfm?pid=1314&pk=174816&spid=1296&spk=1282&sfk=1).

Fragen:

1. Ist es korrekt, dass der Haushalt des Verstorbenen zum Haushalt des Erben wird und Handwerkerleistungen steuerlich geltend gemacht werden können, auch wenn der Erbe die Wohnung nicht selbst nutzt und nicht vermietet hat?

2. Wenn ja, gibt es dazu beispielsweise Urteile, Handlungsempfehlungen der Finanzämter oder ähnliches, die die Interpretation des Anwendungsschreibens des BMF in diesem Sinne untermauern?
Ich benötige ein Dokument, dass ich dem Finanzamt belastbar als Nachweis vorlegen kann. Daher würde ich mich freuen, wenn ich in irgendeiner Form Zugang zu einem entsprechenden Dokument erhielte, damit ich es einsehen und herunterladen kann.


Wenn nein, bitte ich um eine Handlungsempfehlung.

Vielen herzlichen Dank.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Als Erbe treten Sie als Rechtsnachfolger in die Rechte und Pflichten des Erblassers ein, so dass man in solchen Fällen unterstellen kann, dass Sie als Erbe in der Wohnung bis zur endgültigen Auflösung der Wohnung einen Haushalt unterhalten.

Dies alleine reicht für die Geltendmachung von Handwerksleistungen nach § 35a EStG jedoch nicht aus. Weitere Voraussetzung ist, dass die Wohnung entweder als Zweit-, Wochenend- oder Ferienwohnung selbst genutzt wurde. Das gilt auch für geerbte Wohnungen.Fehlt es an der Selbstnutzung, ist eine Geltendmachung der Handwerksleistungen nicht möglich.

Sofern Sie die Wohnung gelegentlich genutzt haben und Sie dies gegenüber dem Finanzamt auch beweisen können, wäre eine Geltendmachung der Handwerksleistungen möglich.

Der beabsichtigte Verkauf der Immobilie ist steuerfrei, sofern die Immobilie länger als 10 Jahre Privateigentum war. Sollte der Bruder die Immobilie noch nicht solange besessen haben, wäre ein Verkauf steuerpflichtig. In diesem Fall können Sie die Aufwendungen als Abzugsposten geltend machen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dem Finanzamt mitzuteilen, dass Sie die Wohnung vermieten wollten. Die Vermietungsabsicht müssten Sie allerdings auch hier nachweisen anhand von Zeitungsanzeigen, Makleraufträgen etc. In diesem Fall wären die Handwerksleistungen, Strom, Grundsteuer etc. als Aufwendungen in voller Höhe absetzbar. Desto länger die Wohnung jedoch leer stand, desto höher sind die Anforderungen des Finanzamtes.

Man könnte allenfalls überlegen, sofern dies zutrifft, dass Sie dem Finanzamt gegenüber erklären, dass in 2014 noch ein Eigennutz geplant war und Sie daher auch renoviert haben, nun aber in 2015 eine Selbsnutzung nicht mehr in Frage kommt. Ob sich das Finanzamt darauf einlässt, ist eher Verhandlungsgeschick.

Ich bedauere, Ihnen kein anderes Ergebnis mitteilen zu können.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 30.06.2015 | 17:07

Sehr geehrte Frau Gansel,

zunächst einmal danke ich für Ihre Ausführungen. Der Inhalt der Randziffer 18 des Anwendungsschreibens des BMF war mir bekannt. Ich vermisse bei Ihnen allerdings eine Auseinandersetzung mit den Textstellen im Web, die die Absetzbarkeit der Handwerkerleistungen in nicht selbst genutzter geerbter Eigentumswohnung bejahen. Ich habe ja ausgeführt, dass sich unsere Geltendmachung der Aufwendungen auf diese Informationen stützt. Ich gehe davon aus, dass das IWW nur Informationen veröffentlicht, die auch inhaltlich richtig sind. Diese Informationen finden sich auch im IWW WISO Steuerbrief und in der Deutschen Handwerkszeitung. Ich hätte halt gerne gewusst, woraus das IWW Institut die Bejahung der Absetzbarkeit folgert und war dabei davon ausgegangen, dass Sie als Fachanwältin den Sachverhalt dazu kennen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.07.2015 | 00:34

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage beantworte ich wie folgt:

Textstellen im Web, die die Absetzbarkeit der Handwerkerleistungen in nicht selbst genutzter geerbter Eigentumswohnung bejahen, kann ich persönlich nicht finden.

Die von Ihnen gemeinten Internetseiten beziehen sich nicht auf die Absetzbarkeit von Handwerksleistungen in nicht selbst genutzten geerbten Eigentumswohnungen, sondern auf Mietwohnungen des Erblassers. Im Todesfall des Mieters tritt der Erbe als Rechtsnachfolger in die Rechte und Pflichten des Mietvertrags ein. In solchen Fällen wird unterstellt, dass der Erbe in der Wohnung des Vormieters bis zur endgültigen Abwicklung des Mietverhältnisses einen Haushalt unterhält. Sollte der Erbe Schönheitsreparaturen in der Wohnung durchführen, sind diese dann steuerlich absetzbar. Auf solche Fälle bezieht sich die Randziffer 19.

In den anderen Fällen wie z.B. Zweit-, Ferien-, Wochenend- und geerbten Wohnungen wird für die steuerliche Absetzbarkeit der Handwerksleistungen zusätzlich eine Eigennutzung vorausgesetzt. Wenn diese nicht gegeben ist, ist § 35 a EStG nicht anwendbar. Was konkret unter Eigennutz zu verstehen ist, ist nicht definiert.

Nach meiner rechtlichen Einschätzung ist es gut vertretbar, dass es sich bei der geerbten Wohnung um eine Zweitwohnung (Rz. 18) handelt, da Sie die tatsächliche Verfügungsgewalt und die rechtliche Verfügungsbefugnis über die Wohnung innehaben. Ein dauerhaftes Bewohnen ist nicht erforderlich. Gelegentliche Nutzung ist vollkommen ausreichend.

Das BMF-Schreiben für das Finanzamt bindend. Wie Ihr zuständiger Sachbearbeiter den Fall letztendlich einordnet, ist nicht absehbar. Sollte die Absetzung der Handwerksleistungen abgelehnt werden, haben Sie die Möglichkeit, gegen den Bescheid fristgerecht Einspruch einzulegen.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Nachfrage ausreichend beantworten.

Mit freundlichen Grüßen

Gansel
Rechtsanwältin


Bewertung des Fragestellers 06.07.2015 | 11:49

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"Sehr geehrte Frau Gansel,

wenn wir uns auch auf den Beitrag des IWW nicht stützen können, so ist uns doch aufgrund Ihrer Antwort bewusst geworden, dass wir die Wohnung tatsächlich gelegentlich genutzt haben. Wir werden nun entsprechend argumentieren und vielleicht eine Anerkennung erreichen. Vielen Dank."