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Steuererklärung Rentenkapitalisierung. Steuerhilfeverein verzögert Steuererklärung.

| 10.03.2021 17:33 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Ich bin Pflichtmitglied in einem berufsständischen Versorgungswerk, und habe meine Rente aus Beiträgen der Jahre 1984 bis 2004 als Kapitalabfindung bekommen. In der Gestaltungsplanung mit meinem Steuerberater wurde die Versteuerung im Jahre 2017 geplant.

Überraschend ist mein Steuerberater 2018 verstorben. Meine (ganz normale) Steuererklärung für 2018 wurde von einem Steuerhilfeverein erledigt. Mit diesem wurde auch vereinbart, dass er die Steuererklärung 2019 mit der Kapitalabfindung erledigt. Die Bereichsstellenleitung hat damals extra bei der Zentrale rückgefragt, ob sie diese Leistung erbringen können und dürfen, und das wurde positiv beschieden.

Meine Steuererklärung ist im Grunde absolut simpel: Anwendung der Fünftelregelung, Versteuerung vom 78 % der Auszahlung (Öffnungsklausel), ansonsten nur die üblichen Pauschalen (Werbungskosten etc.), keinerlei Kleinbelege. Also im Grunde etwas, was der Azubi im zweiten Lehrjahr können sollte, nur dass es um einen relativ hohen Betrag geht. Einen neuen Steuerberater wollte ich nicht einschalten, weil die Gebühr vermutlich aufgrund des hohen Rentenbetrages ins Unermessliche gestiegen wären, und ich diese Leistung im Rahmen einer Gestaltungsberatung ja bereits 2017 bezahlt hatte.

Anfang dieses Jahres habe ich also meine Betriebsstellenleiterin beim Steuerhilfeverein gebeten, meine Steuererklärung für 2019 zu erstellen. Der mir bekannte Abgabetermin war der 28.2.21, die Dame teilte mir aber inzwischen mit dass sich der Termin auf Ende März geändert habe.
Es passiert aber einfach nichts - die Dame stellt das erteilte Mandat zwar nicht in Frage, verzögert aber die Bearbeitung mit immer neuen "wenn und abers". Emails werden überhaupt nur gelegentlich und nur sehr zögerlich beantwortet. Mal gefällt Ihr die Verdienstbescheinigung des Versorgungswerkes nicht, obwohl dieses mir mitgeteilt hat, dass es sich um eine Standardbescheinigung handelt, mit denen laut Versorgungswerk alle anderen Steuerberater problemlos zurecht kommen; dann ist sie unsicher, ob man Fünftelregelung oder Öffnungsklausel wählen soll, obwohl nach Aussage des alten Steuerberaters beides parallel angesetzt werden kann. Dann weiß sie angeblich nicht, wo in der Steuererklärung sie die Zahlen vom Versorgungswerk einsetzen soll... Ich habe die Sachbearbeiterin vom Versorgungswerk schon vor Wochen direkt mit der Steuerdame in Kontakt gesetzt, aber auch hier tut sich nichts. Die "Steuerfrau" mauert.

Wenn ich raten soll: die Dame ist mit der großen Zahl überfordert und hat Angst, was falsch zu machen, also verkriecht sie sich und macht gar nichts, in der Hoffnung, dass ich aufgebe und der Kelch an ihr vorübergeht.

Haben diese Steuerhilfevereine denn keine Steuerberater, die eine fachliche Qualität gewährleisten? Zumindest ist im Vereinsvorstand ein Steuerberater namentlich angegeben.

Ich habe seit ca. Mitte Januar zu meiner Absicherung über E-Mail-Nachfragen und Anweisungen etwas Aktenlage produziert, um nicht auf den durch eine Terminüberschreitung entstehenden Schaden sitzen zu bleiben. Da ich derzeit und noch für längere Zeit im Ausland bin, kann ich auch nicht so einfach mal eben einen neuen Steuerberater finden.

Ich habe die Dame daher vorgestern aufgefordert, mit dem vorhandenen Material unter Anwendung von Fünftelregelung und Öffnungsklausel die Steuererklärung fertigzustellen und fristgerecht einzureichen. Sollte das Finanzamt an meiner Steuer nicht interessiert sein (was ich nicht glaube), kann es ja ggf. Unterlagen nachfordern, aber zumindest bin ich meinen Verpflichtungen erst mal nahgekommen.

Ich erwäge jetzt, die Dame in Verzug zu setzen und Schadensersatzforderungen anzudrohen, wenn die Steuererklärung nicht rechtzeitig eingereicht wird. Das wären u.a. sowohl Verzugszinsen als auch die Kosten für die Weitergabe des Vorganges an einen anderen Steuerberater.

Jetzt meine Fragen: ist das das beste Vorgehen? Haben Sie bessere Vorschläge? Inwieweit haftet der Steuerhilfeverein für Terminüberschreitungen oder Unfähigkeit bzw. die Kosten, wenn ich weitere Fachberater hinzuziehen muss? es geht um Steuern in Höhe von ca. 100000 Euro, das ist also nicht nichts. Und selbst Säumnisgelder summieren sich da sehr schnell.

Ich bin dankbar für konstruktive und pragmatische Handlungsvorschläge.

10.03.2021 | 19:35

Antwort

von


(229)
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Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne möchte ich Ihre Frage auf der Grundlage Ihrer Angaben im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

Leider höre ich solche Beschwerden regelmäßig. Anders als bei einem Steuerberater, welchen Sie im Rahmen eines Werkvertrags individuell mit der Erstellung einer Steuererklärung beauftragen und dort auch Fristen individuell vereinbaren können, besteht die Problematik bei Lohnsteuerhilfevereinen darin, dass Sie keine konkrete Leistung beauftragen, sondern Sie im Rahmen der Mitgliedschaft eine Art "kostenlosen Service" bekommen, der beinhaltet, dass die Steuererklärung termingerecht erstellt wird. Die Forderung nach einer zügigen Bearbeitung dürfte deshalb oftmals ins Leere laufen und Schadenersatzansprüche erst dann bestehen, wenn auch tatsächlich ein Schaden in Form von Verspätungszuschlägen oder Zinsen entstanden ist.

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie wurden die Fristen für Steuerpflichtige, die steuerlich vertreten sind auf den 31.08.2021 verlängert, sodass der Lohnsteuerhilfeverein noch einzige Zeit zur Verfügung hat, Ihre Steuererklärung fristgerecht und ohne Schaden für Sie zu bearbeiten. Den Verein darauf hinzuweisen, schadet aber in keinem Fall.

Wenn Sie so lange nicht warten wollen, müssten Sie wahrscheinlich einen Steuerberater beauftragen, wenn sich der Verein querstellt. Das ist unbefriedigend, lässt sich rechtlich aber leider nicht beanstanden.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Michael Krämer
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 10.03.2021 | 20:14

Danke für die sehr hilfreiche und kompetente Antwort. Ich muss leider doch noch mal nachfragen.

Die Steuerhilfe erwähnte auch den 31.8.21 als letzte Frist, allerdings in Verbindung mit besonderen Begründungen, wobei man mir aber die Antwort, welche Gründe das sind, schuldig blieb. Wenn ich Sie richtig verstehe, könnte ich also zumindest bis Ende August ohne Weiteres noch mit dem Steuergeld arbeiten und erst Ende August versteuern, auch ohne besondere Antragstellung?

Verstehe ich Sie richtig dass ich, wenn Fristen überschritten werden ein Recht auf Schadenersatz gegenüber dem Lohnsteuerhilfeverein habe, sowohl für Verzugsstrafen als auch für einen Ersatzmann (neuer Steuerberater)? Können Sie mir sagen, was dieser laut Gebührenordnung etwa kosten würde?
Wir reden von einer Renten- Bruttoauszahlung von etwa 460.000 € in 2019.

Würde meine Rechtsschutzversicherung diesen Fall voraussichtlich abdecken, wenn ich gegen die Steuerhilfe vorgehen muss?

Wenn die Steuerhilfe die Fristen überzieht, mache ich mich dann strafbar, weil ich meine Steuererklärung nicht abgegeben habe, oder reichten meine vielen Mails and die Steuerhilfe als Nachweis, dass ich mich redlich bemüht habe, alles richtig zu machen, und die Schuld bei der Steuerberatung liegt?

Nochmals herzlichen Dank, ich schätze Ihre Antwort wirklich sehr angesichts dieses Dschungels steuerberaterlicher Inkompetenz. Sollte ich juristisch gegen die Steuerhilfe vorgehen müssen, so haben Sie auf jeden Fall mein Vertrauen und mein Mandat :-)

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 10.03.2021 | 20:29

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne möchte ich Ihre Nachfrage wie folgt beantworten:

Die Steuerhilfe erwähnte auch den 31.8.21 als letzte Frist, allerdings in Verbindung mit besonderen Begründungen, wobei man mir aber die Antwort, welche Gründe das sind, schuldig blieb. Wenn ich Sie richtig verstehe, könnte ich also zumindest bis Ende August ohne Weiteres noch mit dem Steuergeld arbeiten und erst Ende August versteuern, auch ohne besondere Antragstellung?

Sie haben vollkommen Recht. Es gibt hier eine Zweiteilung. Die First wurde allgemein bis 31.3.2021 verlängert und kann auf Antrag bis 31.08.2021 verlängert werden. Bei diesem Antrag ist jedoch nur glaubhaft zu machen, dass der Berater unverschuldet nicht in der Lage war die Steuererklärung zu fertigen. Ich gehe deshalb davon aus, dass einem solchen Antrag problemlos stattgegeben wird. Tätigwerden muss hier jedoch der Lohnsteuerhilfeverein.

Verstehe ich Sie richtig dass ich, wenn Fristen überschritten werden ein Recht auf Schadenersatz gegenüber dem Lohnsteuerhilfeverein habe, sowohl für Verzugsstrafen als auch für einen Ersatzmann (neuer Steuerberater)? Können Sie mir sagen, was dieser laut Gebührenordnung etwa kosten würde?
Wir reden von einer Renten- Bruttoauszahlung von etwa 460.000 € in 2019.


Ja, aus der Mitgliedschaft in diesem Verein haben Sie das Recht, dass Ihre Steuererklärung gefertigt wird. Geschieht dies fehlerhaft oder verspätet und entsteht Ihnen hieraus ein Schaden, hat der Verein diese zu ersetzen. Sollte ein solcher Schaden anwaltlich/gerichtlich durchgesetzt werden müssen, so zahlt dies regelmäßig auch die Rechtsschutzversicherung. Hinsichtlich der Kosten würde ich mich gesondert per E-Mail an Sie wenden.

Wenn die Steuerhilfe die Fristen überzieht, mache ich mich dann strafbar, weil ich meine Steuererklärung nicht abgegeben habe, oder reichten meine vielen Mails and die Steuerhilfe als Nachweis, dass ich mich redlich bemüht habe, alles richtig zu machen, und die Schuld bei der Steuerberatung liegt?

Eine Strafbarkeit haben Sie bei geringfügiger Fristüberschreitung nicht zu befürchten. In strafrechtlich relevante Sphären gelangen Sie hier nur, wenn dies über deutlich längere Zeiträume geschieht.

Bewertung des Fragestellers 10.03.2021 | 21:03

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